Die Gäste, die zuletzt bei Priya übernachtet haben, sind begeistert. Lage, Check-In, Sauberkeit: In jeder Kategorie hat ihr Apartment fünf Sterne bekommen, die Bestnote. "Professionell gereinigt" schreibt Mohamed, "schön eingerichtet" kommentiert Laetitia. 139 Euro pro Nacht kostet Priyas Zweizimmerwohnung im noblen Londonder Westen auf Airbnb.

Verantwortlich für die Bestnoten ist allerdings nicht die Besitzerin der Wohnung, sondern der Airbnb-Management-Service Hostmaker. Aus einem normalen Apartment macht er ein "5-Sterne-Hotelerlebnis", so lautet das Versprechen. Hostmaker und andere Airbnb-Verwaltungen operieren nach einem einfachen Prinzip: Die Besitzer müssen nur noch ihre Schlüssel rausrücken, den Rest erledigen sie.

Hostmaker wurde 2004 in London gegründet und zählt mittlerweile zu den größten Airbnb-Management-Unternehmen Europas. Es bietet seinen Kunden ein Rundum-Sorglos-Paket: Profilerstellung, Gästekommunikation, Schlüsselübergabe, Instandhaltung und Reinigung werden vom Team übernommen, Preise mit Pricing-Tools optimiert, die Inneneinrichtung von Interior-Designern auf "boutique" oder "retro" getrimmt. Über 75.000 Aufträge hat Hostmaker so bereits abgewickelt. Das Unternehmen expandiert schnell: Auf London folgten Rom, Barcelona, Paris und Lissabon, weitere Städte sollen folgen. 

Die große Nachfrage hat schon Konkurrenten auf den Plan gerufen: Guesty, ein Unternehmen aus San Francisco, managt mittlerweile über 4.000 Wohnungen in den USA und Europa, Airsorted, gegründet vor zwei Jahren in London, verzeichnet bis zu 180 Neuanmeldungen pro Monat. "Mehr Einkommen und Flexibilität, stressfrei", wirbt Airsorted auf seiner Website. Diese Stressfreiheit kostet, je nach Anbieter, 10 bis 25 Prozent des Mietumsatzes.

Management-Services richten sich an eine neue Generation von Hosts: Menschen, die beruflich viel weg sind und sich selbst nicht um die Übergabe kümmern können oder wollen. Aber auch Wohlhabende, die eine Zweit- oder Drittwohnung dauervermieten – und das ist vielerorts nicht legal.

Pseudoauthentizität nach Baukastenprinzip

"Wir haben schon diverse gewerbliche Anfragen abgelehnt", sagt Sebastian Drescher von Airgreets. Das erst 2016 in München gegründete Unternehmen ist Marktführer in Deutschland und betreut etwa 400 Hosts in Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf und Frankfurt. Airgreets funktioniert wie Hostmaker, stellt sich aber ausdrücklich in den Dienst von legalem Homesharing. Anders als bei der gewerblichen Kurzzeitvermietung wird hier tatsächlich vom Vermieter genutzter Wohnraum eine begrenzte Anzahl von Tagen im Jahr vermietet: "Das ist der Grundgedanke von Homesharing: eine bestehende Ressource effizient nutzbar zu machen." Es ist die Idee, die Brian Chesky and Joe Gebbia vor fast zehn Jahren zur Gründung von Airbnb bewegte.

In seiner kalifornischen Unternehmenszentrale hat Airbnb einige der beliebtesten Apartments nachbauen lassen. Eine Hütte in Wales, ein Loft in Shanghai und ein Wohnzimmer in Portici. Airbnb galt lange als Vorzeigekind der Share-Economy. Weltoffen, flexibel, kreativ: Mit diesen Begriffen wirbt das Start-up auch heute noch. In Wahrheit liefert es vielerorts längst Pseudoauthentizität nach Baukastenprinzip. Daran sind nicht zuletzt die Management-Services schuld.

Das unabhängige Auswertungstool Inside Airbnb erfasst genau, wie in den Städten über die Plattform vermietet wird. Die meisten Management-Services betreuen ganze Apartments – der Bereich, in dem sich Dauervermietungen am häufigsten finden. In Paris, mit 55.723 Listings die größte Airbnb-Stadt, sind 85 Prozent der Inserate Einzelwohnungen, in Amsterdam sind es knapp 80 Prozent. Bei den bewohnten Apartments, in denen nur einzelne Zimmer angeboten werden, werden die zulässigen Vermietungszeiträume häufig überschritten. Inside Airbnb erfasst noch mehr Daten, die auf Missbrauch hindeuten: In London stammen 40,9 Prozent der knapp 50.000 Anzeigen von professionellen Vermietern mit mehreren Inseraten. In Berlin sind es etwa 20 Prozent der 20.000 Anzeigen, so auch in Paris und Barcelona. Airbnb tut nichts dagegen.