Die ersten Stunden verbringen wir fernab der Stadt und bleiben doch mittendrin. Durch die Franziskuspforte in der Linzer Gasse wandern wir auf den Kapuzinerberg. Der Weg vor uns ist nach Stefan Zweig benannt, der lange im Paschinger Schlössl am Berghang lebte, bevor er 1934 ins Exil nach London floh. Erster Halt ist das Kapuzinerkloster, die nahe Aussichtsplattform bietet einen Postkartenblick auf die Salzburger Altstadt samt Festung und Alpenpanorama. Von dort führt ein Weg mitten durch den Wald. Die Stadt scheint so entrückt wie im Hochgebirge. Selbst Gämsen soll es auf dem Kapuzinerberg geben. Wir kehren im Franziskischlössl ein, bevor wir wieder in das Straßengeflecht der Stadt hinabsteigen, die umgeben von schützenden Felsen seit Jahrhunderten ihren Kunstsinn lebt und pflegt.

Zurück auf der Linzer Gasse schauen wir bei der Galerie ­Weihergut vorbei, die derzeit österreichische Gegenwartspositionen präsentiert. Wir bleiben heute rechts der Salzach, auf dem Makartplatz fällt uns die expressive Bronze von Tony Cragg ins Auge. Sie ist Teil des Walk of Modern Art, eines Parcours der Gegenwartskunst im öffentlichen Raum. Die Werke stammen aus der Sammlung Würth. Am Makartplatz liegt auch Mozarts Wohnhaus, originalgetreu wieder aufgebaut,

es beherbergt eines von zwei Museen, die dem berühmtesten Sohn Salzburgs gewidmet sind. Am neobarocken Landestheater vis-à-vis erinnert eine Tafel an Thomas Bernhard, den mit seiner Heimatstadt, die er "Todesboden" nannte, eine leidenschaftliche Hassliebe verband. Architektonisches Highlight am Makartplatz ist die palastartige Dreifaltigkeitskirche, das Kuppelfresko mit der Krönung Mariens schuf der Salzburger Maler Johann Michael Rottmayr Ende des 17. Jahrhunderts.

Es wird Zeit für eine Pause, das Café Bazar nahe dem ­Salzachufer blickt auf eine lange Tradition als Künstler- und Schriftstellertreff zurück.

Dieser Artikel stammt aus Weltkunst Heft Nr. 137/2017 © Weltkunst Verlag

Hinter dem Makartplatz beginnt der Mirabellgarten, wo Salzburg seine volle Schönheit entfaltet. Die barocke Anlage mit den vier Raptusgruppen bietet traumhafte Blickachsen auf Altstadt und Festung. Am Rande des Gartens liegen die Hochschule Mozarteum, wo oft Konzerte stattfinden, und die Villa Kast, das Stammhaus der bedeutenden Galerie Thad­daeus Ropac, die Schwergewichte wie Anselm Kiefer oder Valie Export vertritt.

Am Abend streifen wir durchs freundliche Andräviertel und essen im Café Wernbacher in Fünfzigerjahre-Ambiente.

2. Tag

Das historische Herz Salzburgs ist die Altstadt links der ­Salzach. Dieses Fleckchen Erde muss man sich mit nie versiegenden Touristenströmem ­teilen, doch im Domquartier ­finden wir überraschende Ruheorte. Das Quartier fasst das Ensemble aus Dom, Residenz und Erzabtei Stift St. Peter zusammen. Die prächtigen Gebäude, die allein fünf Museen beherbergen, sind seit drei Jahren in einem 1300 Meter langen Rundgang verbunden. Er beginnt in den Prunkräumen der Residenz, wo die Fürsterz­bischöfe opulent wohnten und Gäste wie den kleinen Amadeus Mozart empfingen. In der Residenzgalerie ein Stockwerk darüber kann man europäische Malerei des 16. bis 19. Jahrhunderts bewundern, ein Highlight ist Rembrandts "Betende alte Frau" von 1629/30. Über eine Terrasse, die wunderbare Ausblicke auf den Residenzplatz eröffnet, gelangen wir auf die Orgelempore des strahlend hellen und reich stuckierten Doms.