Die zwei Seiten des CCCB: die schicke Glasfassade und das alte Armenhaus. © Tim Langlotz für MERIAN

Ein ziemlich sicheres Anzeichen, dass man sich dem MACBA nähert, dem "Museum für zeitgenössische Kunst von Barcelona", ist das: Ständig rollen junge Leute auf Skateboards an einem vorbei. Richard Meiers spektakulärer Bau ist dank seiner Rampen und Stufen zu einem Treffpunkt der Szene geworden. Das dumpfe Geräusch der Rollen auf Stein, das Klacken und Kratzen: Das ist der Soundtrack der Plaça dels Àngels, an der das Gebäude aufragt wie eine strahlend weiße Klippe, umspült vom bunten Leben des Viertels Raval.

Denn da sind nicht nur die Skater – da sind die philippinischen, pakistanischen und bengalischen Mütter, die mit ihren Kindern nach der Schule hier eine Pause machen, bevor sie in die engen Gassen verschwinden; die Studenten der Fakultät für Geografie und Geschichte gleich nebenan; die kunstinteressierten Senioren, die auf den Beginn einer Führung warten; die Teenager, die Obdachlosen, die Touristen.

Es gibt nicht viele Orte, an denen die Mischlingsseele der Stadt so deutlich zutage tritt, das Nebeneinander von Schmuddel und Schick, die ausdauernde Übung in freundlicher Toleranz. Der Platz samt Museum ist aber auch exemplarisch für eine Strategie, die Barcelona seit Jahrzehnten anwendet: sich durch Kunst zu erneuern.

Dieser Artikel stammt aus MERIAN Heft Nr. 08/2015 © MERIAN

Denn das MACBA war, wie auch das direkt daneben in einem ehemaligen Armenhaus untergebrachte CCCB, das "Zentrum für zeitgenössische Kultur", Teil eines umfangreichen stadtplanerischen Projektes zu den Olympischen Spielen 1992: Das stark heruntergekommene Altstadtviertel Raval, Inbegriff hafenstädtischer Verlottertheit und Faszination, sollte durch die "Kulturachse" eine neue Identität bekommen. Die ganze Stadt schuf damals ein neues Bild von sich, und was im Raval geschah, war ein so zentraler Teil davon wie die Öffnung zum Meer.

Der Plan ging auf. Ganz unabhängig von der Kunst – die Sammlung beginnt in den 1950er Jahren, mit einem Schwerpunkt auf katalanischen und spanischen Künstlern – tat das MACBA für das Raval in etwa das, was die Tate Modern an Londons Southbank zuwege brachte: Es schuf einen beliebten öffentlichen Ort und setzte das Viertel auf die Route der Touristen.

Damit kamen Galerien und Bars, kamen Restaurants, Hotels, originelle Boutiquen – und Skateboard-Shops. Die Gegend wurde auf einmal auch als Wohngebiet für Akademiker und Kreative interessant, die zuvor nie erwogen hätten, in dieses Viertel zu ziehen. Aber es gab nicht nur Verdrängung: Der Aufschwung hat auch einige alteingesessene Lokale vor dem Bankrott gerettet.