Wenn Terrence und Elvis ihren Boss vorbeifahren sehen, stehen sie stramm und salutieren. "Diese so unscheinbar wirkenden Jungs", flüstert Anthony Baber, während er mit dem Landcruiser die beiden Männern im Tarnanzug überholt, "zählen zu den härtesten Kerlen, die in Südafrika ausgebildet werden. Special Forces. Echte Kampfmaschinen. Gibst du ihnen einen Auftrag, verbeißen sie sich darin."

Der Auftrag lautet: Bewacht! Meine! Nashörner!

News 24, Südafrika: Heute gegen vier Uhr morgens spürten zehn Mitarbeiter des Criminal Investigation Departments und der lokalen Polizei im Matopos-Nationalpark in Simbabwe drei Wilderer auf, die sofort das Feuer eröffneten. Zwei konnten entkommen, der dritte, Makhosini Tshuma, wurde verhaftet. Er trug ein Gewehr, Kaliber .375, mit Schalldämpfer und Zielfernrohr bei sich. Tshuma erwartet eine Anklage wegen zwei Fällen von Wilderei und versuchtem Mord.

Wenn Terrence und Elvis Glück haben, wird ihre heutige Nachtschicht nur ein Marathon. Denn Nashörner sind ruhelose Tiere. Sie schlafen 30 Minuten, wachen auf, fressen Gras, ziehen weiter. Immerzu. Schlafen. Fressen. Marschieren. "Manchmal laufen sie willkürlich 25 Kilometer in die eine Richtung", weiß Baber, dem ein 5.000 Hektar großes Privatreservat in den südafrikanischen Waterberg Mountains gehört, "dann drehen sie um und kommen den Weg zurück." 

Das sind die angenehmen Nächte. Im Ernstfall geht es für Terrence und Elvis während der Nachtwache um Leben und Tod.

2011 sind zwei von Anthony Babers Breitmaulnashörnern erschossen worden. 2012 ein drittes. Niedergemetzelt mit einem Schnellfeuergewehr, von Wilderern, die den Sicherheitszaun des Reservats durchschnitten hatten. Im Speicher seines Smartphones trägt Baber die Fotos des Grauens mit sich herum. Aufnahmen, auf denen ein durchsiebter, blutiger Torso zu sehen ist. Ein anderes Bild zeigt den Schädel eines Nashornweibchens. Mit einer blutig klaffenden Wunde an der Stelle, an der sich das Horn befand. "Es war das niederschmetterndste Gefühl, das ich je hatte, weil meine größte Angst wahr wurde. Der Anblick meiner Kuh mit abgehacktem Gesicht ließ mir das Blut kochen." 

Dieser Artikel stammt aus MERIAN Heft Nr. 03/2016 © MERIAN

Seine Stimme wird, während er berichtet, auf eine Weise leise und weich, wie man es bei ihm nicht erwartet. Baber ist ein bulliger Mann, in seiner Jugend war er semiprofessioneller Rugbyspieler, einer von den Jungs, die der Trainer wegen ihrer unbändigen Kraft ins Gedränge schickt. Siebzehn Mal brach Anthonys Nase während seiner aktiven Zeit.

Der Zufall half Baber dabei, dem Informanten der Wilderer auf die Schliche zu kommen. Einige seiner Angestellten hörten mit, wie sich einer ihrer Kollegen in angetrunkenem Zustand am Telefon beschwerte, weil er noch kein Geld gesehen habe. Zur Rede gestellt, gestand der Mann.

Was macht er heute?
"Er arbeitet immer noch für mich."
Vertrauen Sie ihm?
"Er weiß, dass ich ihn vor einer Strafe bewahrt habe, weil er unser Kronzeuge gewesen ist. Aber ich habe ihn im Auge."