Auf jeder gelungenen Reise gibt es diesen magischen Moment, in dem man sich kneifen möchte, ob das denn nun die Wirklichkeit ist. Ein Augenblick, der reicht, die Widrigkeiten des Alltags umzuwandeln in ein Staunen darüber, wie wundervoll diese Welt sein kann. Der magische Moment dieser Reise war das Ankommen in unserem ersten mobilen Camp.


Viele Stunden waren wir geflogen, erst nach Lusaka, der Hauptstadt Sambias, dann in den kleinen Ort Mfuwe, wo der Flughafen aussah wie ein Standbild aus einem alten Afrika-Film. Wir hatten eine Nacht in einem festen Camp verbracht, am Fluss Luangwa. Der Fluss hatte im Mondenschein geglitzert, und ein paar Hippos hatten gegrunzt, die Dusche war unter freiem Himmel.

Und wir hatten Jason kennengelernt, der uns in den kommenden Tagen führen würde, wenn wir zu Fuß durch das Buschland des South Luangwa-Nationalparks wandern. Auf den ersten Blick war Jason einfach ein netter Kerl, und erst in den kommenden Tagen sollten wir erfahren, dass er auch ein wandelndes Lexikon ist, ein Lehrer, ein scharfsinniger Denker, ein leidenschaftlicher Naturbursche mit wachem Intellekt und einem Füllhorn an Geschichten, die er über uns ausschüttete. Safari, sagte Jason zu uns an einem der Lagerfeuerabende, bringe das Beste im Menschen zum Vorschein.

Das Abenteuer unserer gemeinsamen Wander-Safari beginnt am Tag nach der Anreise, als wir früher als der Herrgott aus dem Bett kriechen und Jason versucht, die Route, die wir in den kommenden Tagen laufen sollen, unserem müden Gehirn schmackhaft zu machen. Er breitet eine Karte des Parks aus, unter den knapp zwanzig Nationalparks in Sambia ist er der wichtigste. Nirgendwo sonst im Land ist der Wildtierbestand so groß und artenreich. Neben Elefanten- und Büffelherden leben dort, auf einer Fläche halb so groß wie Sachsen, Nilkrokodile und Flusspferde, Gnus, Zebras, Löwen, Leoparden und Giraffen.

Dieser Artikel stammt aus MERIAN Heft Nr. 03/2016 © MERIAN

Wir sind zu fünft, zwei Männer, drei Frauen. Wir schlürfen Morgentee und sagen ja und okay zu Jasons Ausführungen, doch erst auf dem Weg nach Norden, als wir mit den Beinen baumelnd auf dem Dach des Jeeps sitzen, wachen wir wirklich auf.

Dutzende von Giraffen staksen über die Straße, ein Leopard wandert unbeeindruckt von unserem Wagen den Weg entlang. Eine Elefantenfamilie steht kuschelnd im Gebüsch und schaut ein wenig indigniert ob unseres Eindringens in diesen Moment der Intimität. Als die Wege schmaler werden, hängen unserem Dach Dornenäste im Weg. Unter jedem biegen wir uns weg, bis alle Bauchmuskeln schmerzen – von der Anstrengung und vom Lachen.

Verschwitzt, staubig und fröhlich kommen wir schließlich am frühen Nachmittag an – und im Kopf macht es wumm. Als habe jemand Fuß- und Handbremse zugleich betätigt. Von 100 auf Null. Der Fluss glitzert in der Sonne, die Bäume stehen in Nachmittagsstille, der Busch ruht. Der magische Moment.