Am Ufer des Sambesi, wo sich gewaltige Ebenholzbäume über die archaische Landschaft erheben, liegen ein paar Schatten im Schutz des Waldes. Es ist später Nachmittag in Simbabwes Mana Pools-Nationalpark. Ein kühles Lüftchen bläst gegen die flirrende Hitze an. Minutenlang rührt sich nichts. Dann hebt einer der Schatten seinen Kopf. Ein Schakal? Eine Hyäne?

Zuerst zeigen sich nur zwei Ohren, dann vier, dann sechs, am Ende sind es mehr als 20. Ein Jaulen dringt durch die Savanne, Schwänze wedeln, Nasen berühren sich. Was wir sehen, ist die Begrüßungszeremonie eines Rudels Afrikanischer Wildhunde. Jedes Tier berührt jedes andere. Keine zwei Minuten später ist alles vorbei.

"Jede Begegnung mit Wildhunden ist etwas Fantastisches", schwärmt der britische Wildbiologe Gregory Rasmussen. Seit 25 Jahren heftet sich der 59-Jährige an die Fersen der Tiere, um mehr über ihr Leben zu erfahren und sie dadurch besser schützen zu können. Doch das Begrüßungsritual, das die Hunde jeden Morgen und jeden Nachmittag abhalten, jagt dem Forscher immer noch Schauer über den Rücken.

Dieser Artikel stammt aus MERIAN Heft Nr. 03/2016 © MERIAN

Der Wildhund zählt zu den seltensten Bewohnern der Savanne. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten noch etwa 500.000 Wildhunde in mehr als 30 afrikanischen Ländern. Durch schießwütige Farmer, die Zerstörung ihres Lebensraums, Krankheiten und Fallen wurde die Zahl auf 3.000 bis 5.000 Tiere dezimiert. Aus diesem Grund hat die internationale Naturschutzunion IUCN die Art als "stark gefährdet" eingestuft.

Auf den ersten Blick sieht es niedlich aus, wie sich die Tiere unter den dicken Ästen fläzen, im trockenen Gras lümmeln, sich das Fell lecken, gähnen und mit dem Schwanz wedeln. Doch binnen Sekunden kann sich der Afrikanische Wildhund in einen Höllenhund verwandeln. "Gegen einen Hundeangriff kannst du jeden Löwen vergessen, jede Jagd ist ein Meisterstück", sagt Rasmussen.

Wildhunde haben eine völlig andere Taktik als alle anderen Räuber. Mit ihren bis zu 70 Zentimeter langen Beinen erreichen sie Geschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern und hetzen ihre Beute oft über viele Kilometer. Mit Erfolg: Mehr als 80 Prozent der Treibjagden sind erfolgreich. Beim König der Tiere sind es gerade mal 40 Prozent.