Von Kapstadt geht es Richtung Osten, mit Biltong, Samosas und Ingwer-Bier im Gepäck. Die Strecke ist einfach: der N 2
folgen und, ganz wichtig, sie manchmal auch rechts und links liegen lassen. Das Herz der Garden Route liegt zwar genau genommen zwischen Mossel Bay und Port Elizabeth, für die meisten beginnt die Fahrt aber bereits in Kapstadt.

Durch den dichten Verkehr von Somerset West kommt der Wagen nur im Schneckentempo voran, dann rollt er über den Sir Lowry’s Pass. Ab hier bestimmt die Natur das Tempo. Vereinzelt sind auf den Strommasten Fischadler, auf den Feldern Graureiher und am Straßenrand Schildkröten zu sehen. Bald schon lohnt es sich, den Fuß vom Gas zu nehmen: für eine Nacht im Luxus-Zeltlager Buttonquail Private Nature Reserve in einer dicht bewaldeten Schlucht bei Grabouw. Ein Bad nehmen, im Himmelbett schlafen und inmitten wilder Natur aufwachen.

Zum späten Frühstück ist es nicht weit, zwischen Botrivier und Caledon taucht ein lang gestrecktes Flachdach mit der Aufschrift "Dassiesfontein" auf: ein typischer padstal – ein Wegelädchen, wie sie die ersten Siedler bauten, um nachkommende Trecks zu versorgen. Das Angebot reicht von Wolle bis zum Wanderstiefel, dazwischen Dörrfleisch, Sonnenhüte, Wasserkessel, Kernseife und Marmelade.

Jetzt heißt es: runter zum Meer. Fahren Sie die N2 circa zehn Kilometer zurück und nehmen Sie dann den Abzweig nach Hermanus, einst ein kleiner Fischerort, heute weltbekannt – weil zwischen Juli und Dezember Walmütter mit ihren Kälbern vor der Küste entlangziehen. Whale-Watching-Boote und Glocken läutende Ausrufer halten Besucher über jede Sichtung auf dem Laufenden.

Dieser Artikel stammt aus MERIAN Heft Nr. 03/2017 © MERIAN

Zurück auf der N2 führt bald eine Straße landeinwärts in das Dorf Greyton, wo viele Kapstädter am Wochenende ausspannen. Es gibt kleine Geschäfte, nette Cafés und grüne Berge zum Wandern. Ein Auto braucht man hier nicht, nur etwas Zeit zum Genießen.

Der nächste Morgen beginnt mit einem Umweg: runter von der N2 Richtung Cape Agulhas, weniger bekannt als das Kap der Guten Hoffnung, aber die wahre Südspitze Afrikas. Sie trennt den Atlantik vom Indischen Ozean. Der Schotter prasselt gegen das Auto, Staub vernebelt die Sicht, Schlaglöcher zwingen zum Herunterschalten. Gut so, auch kein Einheimischer brettert hier. Viel zu sehen ist an diesem Kap nicht, nur Ozean soweit das Auge reicht.

Es geht auf Schotterpisten weiter: ins De Hoop, eines der schönsten Nature Reserves Südafrikas mit menschenleeren Stränden und Buchten. In der kargen Landschaft sind Buntböcke, Elenantilopen und Gazellen zu sehen, auch Wüstenluchse und Leoparden leben hier, verstecken sich aber meist zu gut. Traditionelle kap-holländische Bungalows und Rundhütten laden zum Bleiben ein. Erst geht es mit einer Flasche Weißwein zum Sonnenuntergang auf eine Düne, dann zum Braai – Afrikaans für Grillen.