Ein Trip um die Welt

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Neuseeländer zahlen für 1 Gramm Koks 200 Euro, Briten bestellen Drogen oft im Darknet. Wie Menschen in welchem Land konsumieren, zeigt die weltweit größte Drogenumfrage.

In welchem Land gibt es die größten Alkoholexzesse? Wer dreht sich Tabak in den Joint, in welcher Nation greifen die Menschen eher zur Tüte, zur Bong, zur Pfeife? Und wo kaufen sie Drogen im Darknet wie Elektroartikel auf Amazon? In der weltweit größten Drogenumfrage, dem Global Drug Survey (GDS), haben fast 100.000 Menschen angegeben, was sie rauchen, schnupfen und schlucken.

Wie gefährlich sind Drogen wirklich? Ein Dossier zum Thema © Illustration/ZEIT ONLINE/Gaston de Cardenas/Reuters

Die detaillierten Antworten für Deutschland lesen Sie hier.

Von Land zu Land variiert die Zahl der Menschen, die an der Drogenumfrage teilgenommen haben, beträchtlich. Während in Deutschland mehr als 32.000 Menschen mitgemacht haben, waren es etwa in Polen nur 450. Demographische Daten wie Alter, Geschlecht oder Nähe zur Drogenszene unterschieden sich je nach Land. Zugleich war die Untersuchung nicht randomisiert, das heißt, die Befragten wurden nicht zufällig ausgewählt. Die Umfrage ist also nicht repräsentativ.  

Deshalb müssen die Daten vorsichtig interpretiert und verglichen werden. Trends im Konsumverhalten in den einzelnen Ländern zeigen die folgenden Grafiken.

Diesen Text und die Infografiken können Sie hier auf Englisch lesen.

Der Global Drug Survey 2016 hat begonnen. Nehmen Sie teil und helfen Sie, Drogenkonsum sicherer zu gestalten.

1 — Alkohol

Im Fokus des diesjährigen GDS stand der Alkoholkonsum. In vielen Ländern ist er bedenklich hoch. Viele Menschen betrinken sich häufig heftiger, als sie eigentlich wollen, und halten abstinente Phasen nur bedingt durch. Alkohol ist in vielen Ländern fester Bestandteil der Kultur. "Von Land zu Land sehen wir große Unterschiede in den Mengen, die Leute trinken müssen, um betrunken zu werden", sagt Studienleiter Adam Winstock.

2 — Cannabis

Hasch, Weed oder hochpotentes Cannabis (Skunk): Je nach Land sind die Vorlieben verschieden und bei der Art des Konsums bestehen Unterschiede. Ob jemand Gras mit Tabak oder pur konsumiert, ist kulturell abhängig, sagt Winstock. Europäer rauchen ihre Joints vor allem mit Tabak. In den Vereinigten Staaten kiffen viele das Cannabis pur.

3 — Preise

Sechs Euro für ein Gramm verbotenes Kokain oder 200? Das kommt auf das Land an. Wo Regierungen eine restriktive Drogenpolitik betreiben, müssen Konsumenten viel bezahlen, um Stoff zu besorgen. Neuseeland und Australien etwa haben harte Drogengesetze und sind spärlich besiedelt. "Ein flächendeckendes Drogennetzwerk lohnt sich dort nicht, weil die Nachfrage nicht groß genug ist", sagt Winstock. "Die Folge: Das Angebot ist klein – und die Preise hoch." In Brasilien hingegen sind die Kokainpreise vergleichsweise niedrig. Das führt zu Problemen, sagt er. "Sehr viele Menschen müssen dort wegen ihres Kokainkonsums medizinisch behandelt werden."

Wenn Konsumenten viel Geld für eine Substanz ausgeben, erwarten sie eine wirkungsvolle Droge. Das gilt zum Beispiel für Kokain. Der Preis dafür ist meist hoch, doch die Droge wird  häufig mit dubiosen oder wirkungslosen Mitteln gestreckt – wie Strychnin, Medikamentenresten oder Mehl. Daher haben die Teilnehmer des GDS vor allem für Kokain angegeben, mit dem Preis-Leistungsverhältnis nicht zufrieden zu sein.

4 — Gewalt

Wer illegale Drogen kaufen will, muss sie sich auf dem Schwarzmarkt beschaffen. Kriminalität und Gewalt sind damit eng verbunden. Wer Kokain kauft, erlebt nach den Zahlen des GDS besonders häufig Gewalt. Vereinzelt berichten auch Cannabis-Käufer von Übergriffen. In Brasilien etwa geben besonders viele Teilnehmer an, Gewalterfahrungen beim Drogenkauf gemacht zu haben. Winstock begründet das mit der hohen Kriminalität in ärmeren Ländern. Aber auch in der Schweiz berichten viele Befragte von einem Gewaltrisiko, wenn sie Drogen kaufen. "Welche Gewalterfahrungen Käufer machen, hängt davon ab, woher die Leute ihre Drogen beziehen", sagt Winstock. "Kaufen die Leute häufiger bei Freunden oder Bekannten statt bei fremden Dealern, ist die Rate der gewalttätigen Übergriffe niedriger."

5 — Darknet

Der Schwarzmarkt des Internets ist das Darknet, wo Nutzer anonym unterwegs sind. Hier können Konsumenten Drogen online bestellen und nach Hause liefern lassen. Sie sparen sich den möglicherweise gefährlichen Gang zum Dealer, sagt Winstock, was sie aber auch experimentierfreudiger mache. "Viele Teilnehmer sagen, sie hätten über das Darknet Drogen ausprobiert, die sie vorher noch nie konsumiert haben." Dass vor allem in Skandinavien und Großbritannien Drogen auf diesem Weg gekauft werden, liegt an der geografischer Lage und am strengen Grenzregime. In Skandinavien gibt es strikte Drogengesetze, Import und Nutzung stehen unter Strafe. In Großbritannien wird der Schmuggel durch die Insellage erschwert.


Debatte

Brauchen wir eine liberalere Drogenpolitik? Wie schützen wir diejenigen, die ihren Konsum nicht begrenzen können oder wollen? Sind konkrete Anleitungen für einen weniger schädlichen Gebrauch von Drogen wünschenswert? Oder bringt solche Aufklärung viele, vor allem junge Menschen, erst auf die Idee, Drogen auszuprobieren? Diskutieren Sie mit uns in der ZEIT-ONLINE-Community. Verfolgen Sie die Debatte auch auf Twitter unter #warumdrogen.

Team

Redaktion: Sven Stockrahm
Text: Saskia Gerhard & Jasper Riemann
Infografiken: Julian Stahnke & Sascha Venohr
Illustrationen: QuickHoney für ZEIT ONLINE
Redigatur: Meike Dülffer
Korrektorat: Fabian Stark