Video: Video-Still: Berlin bei Nacht aus der Satellitenperspektive

Das geteilte Land

Im Rekordtempo haben die Deutschen nach 1989 die Spuren der Teilung beseitigt – aus den Straßen sind sie verschwunden. Doch in Statistiken bleibt der Osten sichtbar.

Wie sieht die Wiedervereinigung eigentlich aus? Kann man sie berühren? Betreten?

Die Deutschen haben sich nach 1990 bemüht, alle Spuren, die die deutsche Teilung hinterlassen hat, so schnell wie möglich verschwinden zu lassen. Von der Berliner Mauer stehen nur noch wenige Meter. Der Palast der Republik ist weg, vieles andere auch. Es ist, als sei die Teilung verschwunden. Uns bleiben nur die verschwimmenden Erinnerungen von 1989. Oder ist da mehr?

Wir haben Bilder gesucht, Grafiken und Statistiken, die von der Einheit erzählen – oder der fortbestehenden Trennung. Wir fanden Daten, die präziser berichten als mancher Zeitzeuge. Zum Beispiel statistische Landkarten. Manche werfen die Frage auf, ob sie vor 1989 oder danach entstanden – so deutlich sind die Umrisse der DDR zu erkennen.

Welch ein Kontrast zur Einheit, wie wir sie kennen. Wer heute durch Berlin spaziert, findet die Spuren der Teilung nur mithilfe eines Reiseführers. Aus Beobachtungstürmen wurden Ausflugsziele. Wo Soldaten patrouillierten, fahren heute Touristenbusse. Als habe Berlin vergessen wollen.

 

Video: Foto-Orte in Berlin 1989 und heute Abspielen
VIDEO: 25 Jahre danach – Foto-Orte in Berlin damals und heute


Dabei unterscheiden sich Ost- und Westdeutsche noch heute. Im Großen wie im Kleinen. Sie bevorzugen zum Beispiel andere Urlaubsziele.

 

 


Ganztagsbetreuung ist im Osten die Regel, Grippeschutzimpfungen sind flächendeckend. Und die Menschen sind älter. Viele Kinder der Wende gingen in den Westen und blieben.

Vielleicht verdeutlicht die folgende Grafik, was in Ostdeutschland seit 1989 geschah. Die Geburtenrate sank, Existenzangst machte sich breit, für manche versanken die Träume vom guten Leben. Als die Eurokrise vielen Westdeutschen Angst machte, waren die Ostdeutschen gelassener. Sie wussten schon, was ein Umbruch ist. 

   

 

Sieben Begriffe für ein und denselben Gegenstand – das ist deutsches Kulturgut. Dialekte gehören schon immer zu diesem viel durchwanderten und umkämpften Land. Auch die deutsche Teilung hat zur sprachlichen Vielfalt beigetragen.

Im deutschen Profifußball sind Ostdeutsche dramatisch unterrepräsentiert. Die Gründe sind Strukturschwäche, Missmanagement, fehlende Netzwerke.

 

 

Die Ostdeutschen gingen 1989 für Meinungs- und Reisefreiheit auf die Straße. Doch sie kämpften auch dafür, endlich die Konsumgüter zu haben, die es im Westen gab. Erstaunlicherweise haben sich einige Vorlieben im Alltag gehalten.

 

 

Einer der wenigen Orte, an dem die Teilung noch zu sehen ist: die alte innerdeutsche Grenze. Die Türme und Zäune sind verschwunden, doch es ist noch deutlich zu sehen, wo die Grenze verlief. Ist das schlimm? Müssen wirklich alle Unterschiede getilgt werden, alle Narben verschwinden? 

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VIDEO: 25 Jahre danach – Spuren der innerdeutschen Grenze

Die Umweltschutzorganisation BUND verlangt, das 1.400 Kilometer lange Grüne Band unter Naturschutz zu stellen. In den menschenleeren Jahren der Teilung ist dort ein Lebensraum für 1.200 bedrohte Tier- und Pflanzenarten entstanden. Der Todesstreifen ist heute ein geschützter Raum.

Die übrigen Reste der DDR nicht.     


 

Mitwirkende  

Datenvisualisierung, Infografiken: Lisa Borgenheimer, Paul Blickle, Julian Stahnke, Sascha Venohr

Text: Christian Bangel

Video, redaktionelle Koordination: Fabian Mohr

Fotografien:  Michael Biedowicz, Andreas Muhs 


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Uns interessiert sehr, ob Sie 25 Jahre nach dem Fall der Mauer noch eine Teilung zwischen Ost- und Westdeutschland wahrnehmen – im Blog können Sie an der Debatte zum Thema teilnehmen.


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Die ersten 25 Jahre: Wir wollen das Land kartografieren, das seit dem Mauerfall entstanden ist. Sind die Deutschen schon wieder geeint? Müssen sie das überhaupt sein? Und wo wirkt die Wiedervereinigung noch heute? Wir glauben, dass dieser Prozess noch lange nicht abgeschlossen ist. Alle Artikel zum Thema finden Sie auf unserer Übersichtsseite.