Botho Strauß, Jahrgang 1944, ist einer der brillantesten Intellektuellen und Schriftsteller dieses Landes. Mit Theaterstücken und Prosabänden, die geflügelte Titel wurden ("Bekannte Gesichter, Gemischte Gefühle" oder "Paare, Passanten"), erweiterte er den Spielraum der Literatur, mit kritischen Interventionen ("Anschwellender Bocksgesang", 1993) stellte er sich gegen den Zeitgeist. Sein jüngstes Buch, "Das Partikular", zeigt ihn auf der Höhe seines Könnens. Ich bin ein Sonderling. Ich sehe die Verluste und zähle sie. Es gehen viele subtile Dinge verloren zugunsten trivialer Ich habe mich immer als einen empfunden, der durchdrungen ist von dem, was war, und es weiterträgt. Der folgende Text dokumentiert ein über einen längeren Zeitraum geführtes Gespräch. Es begann 1990, als Botho Strauß die Summe des Büchnerpreises, den er 1989 erhalten hatte, für die Lektüre des Romans "Fluß ohne Ufer" von Hans Henny Jahnn ausschrieb. Die besten Beiträge des Wettbewerbs wurden in der ZEIT abgedruckt. Im selben Jahr erschien in der ZEIT sein Essay "Der Aufstand gegen die sekundäre Welt - Anmerkungen zu einer Ästhetik der Anwesenheit". Der Kontakt wurde in den Jahren danach immer wieder aufgenommen und jetzt während einer Begegnung aus Anlass des neuen Buchs "Das Partikular" vertieft.

Botho Strauss: O Gott, die Schwalben kommen wieder!

DIE ZEIT: Ja, und?

Strauss: Sie nisten unterm Dach. Abgesehen davon, dass sie die weiße Wand bekleckern, es macht mich nervös. Es ist ein unglaubliches Geflattere und Gemache, Sie können sich das nicht vorstellen. Ich habe Netze gespannt. Ich konnte es nicht mehr aushalten. Ich dachte, was für ein Idiot bist du, du gehst aufs Land, in die Stille, und die eigentlichen Bewohner dieser Gegend kannst du nicht ertragen.

ZEIT: Könnten Sie auch in der Stadt schreiben?

Strauss: Das tue ich nach wie vor. Erst seit kurzem ist es auch hier draußen auf dem Land möglich. Es wird zweifellos seinen Einfluss auf die Materie nehmen, mit der ich mich beschäftige, den Umgang mit Menschen.

ZEIT: Sehen Sie fern, gehen Sie ins Internet?