Belletristik

Von Benedikt Erenz

Vladimir Odoevskij: Prinzessin Mimi. Prinzessin Zizi. Zwei Novellen
aus dem Russischen von Peter Urban
Manesse Verlag, Zürich 2003; 157 S., 12,90 Euro
"Novellen" – das ist vielleicht ein wenig zu schwer gerahmt. Eher Charakterskizzen, Schicksalsskizzen. Zwei knappe, aber scharfen, beinah bösen Blicks erfasste Lebensbilder aus der russischen Gesellschaft zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwei Frauen mit (selbst)zerstörerischem Eigensinn, die um ihre Souveränität betrogen wurden: um Liebe, um ihr Geld. Zwei Kostproben der Kunst des Fürsten Vladimir Odoevskij (1803 bis 1869), der neben Puschkin und Gogol zu den ganz Großen aus jener Epoche zählt und hierzulande immer noch zu entdecken ist.
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Heiko Postma: "Mit Whisky trotzen wir dem Satan!" Leben und Lieder des schottischen Barden Robert Burns
Revonnah Verlag, Hannover 2003; 351 S., 21,– Euro
Ein Großer auch er: der schottische Nationaldichter Robert Burns (1759 bis 1796). Seine Gedichte und Lieder, zumeist im Dialekt geschrieben, sind höllisch schwer zu übersetzen. Aus Burns’ schwungvoller Jakobiner-Fanfare "For a’ that and a’ that" machte Ferdinand Freiligrath 1843 sehr, sehr frei das berühmte "Trotz alledem!". Jetzt hat sich der Schottland-Liebhaber Heiko Postma an Burns gewagt. In seiner zweisprachigen Auswahl, in der wir auch viel über das Leben des temperamentvollen Dichters erfahren, finden sich etwa sechzig Texte – darunter recht Fröhliches: "Doch Schluß mit den Plagen und neumod’schen Sagen, / Ein Trinkspruch wär’, denk ich, jetzt schick: / Auf Georg, den König, und Lotte, die Queen, / Und beiden noch manch guten Fick!"

Sachbuch

Von Konrad Heidkamp

Marc Hendrickx: Elvis A. Presley – Die Musik, der Mensch, der Mythos
aus dem Flämischen von Martin Rometsch
Hannibal Verlag/Koch, München/Höfen 2003; 625 S., 65,– Euro
1974 kauften die Australier 10000 Exemplare der Elvis-Single "My Boy". Solch Erhebendes erfährt man in dieser Elvis-Bibel ebenso wie detailierte Schilderungen seiner Konzerte, Plattenaufnahmen und der Vermarktungsindustrie. Jahr um Jahr – bis 2002 – listet der belgische Autor in seinem ziegelsteinschweren Konvolut alles auf, was einem nie zu fragen einfiel. Von "sexueller Selbstbefriedigung auf der Bühne" – das FBI erklärt sich als nicht zuständig – reicht die Fleißarbeit bis zur Erklärung des Präsidenten Jimmy Carter: "Sein Tod nimmt unserem Land ein Stück seiner selbst." Dazwischen unscharf Seltenes und scharf Bekanntes.
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