Musik Im Schatten unter der Sonne

Der senegalesische Sänger Ablaye Mbaye war auf Deutschland-Tour

"Dunja" heißt die Welt. Und das Schicksal. In der Sprache der Wolof, die einen Großteil der Bevölkerung Senegals ausmachen, hat dieses Wort zahlreiche Bedeutungen. Ablaye Mbaye gehört dieser Ethnie an. Der junge Sänger aus Dakar möchte die Welt erobern. Mit seiner Musik.

Seit er sechs Jahre alt ist, singt und komponiert Ablaye Mbaye. Mit elf Jahren trat er zum ersten Mal mit Demba Dia auf, einem senegalesischen Künstler. Und kurze Zeit später lernte er den Botschafter westafrikanischer Musik aus dem Senegal kennen, den Sänger Youssou N'Dour. "Ich trat bei einem Konzert in Dakar auf und Youssou hörte mich singen. Da nahm er meine Hand und sagt 'Ablaye, Du bist talentiert, ich werde Dich unterstützen' ", erzählt der 22-Jährige. "Er half mir, meine eigene Musik aufzunehmen und ich konnte meine ersten Kassetten veröffentlichen." Auch mit Youssou N'Dour selbst hat er bereits zusammen gearbeitet. In dessen Band "Le Super Etoile" ist er seitdem als festes Bandmitglied integriert.

"Il est mon idole, mon mentor, mon star!" (Er ist mein Idol, mein Mentor, mein Star) Wenn Ablaye von Youssou spricht, ist er leidenschaftlich. In großen Gesten zeichnet er die Bedeutung des "großen Bruders" nach. Seine eigene Musik beschreibt er simpel. "Im Senegal spiele ich die traditionelle senegalesische Musik, Mbalax. Hier in Europa können die Troubadour (die Weißen) nicht so viel mit diesem Rhythmus anfangen. Daher vermische ich meine Stücke mit Einflüssen aus Jazz, Funk und Soul. Seit einigen Monaten arbeite ich in Paris mit der Band 'Yakar'." Die Früchte dieser Zusammenarbeit sind auf einigen unveröffentlichten Aufnahmen zu hören. Und sie sind hörenswert.

Denn was beim ersten Ton heraussticht, ist Ablaye Mbayes Stimme. Auch wenn sie frappierende Ähnlichkeit mit der von Youssou N'Dour aufweist, berührt sie nicht weniger als die des großen Vorbilds. In den hohen Lagen klar und durchdringend, in den tieferen Registern sanft und zart.
"Die Stimme hat Gott mir gegeben", sagt Ablaye Mbaye. Dass sein Gesang kaum von dem Youssou N'Dours zu unterscheiden ist, stört ihn nicht. "Es ist doch wunderbar, mit diesem Sänger verglichen zu werden", meint der Senegalese. Seinen eigenen Stil, die Vermengung traditioneller Elemente mit verschiedenen modernen Einflüssen, fasst er kurz unter dem Begriff "Weltmusik" zusammen. Dass auch diese Kombination an den großen Meister erinnert, stört ihn ebenso wenig. "Ich bin noch jung und auf der Suche nach meinem eigenen Stil", sagt Ablaye Mbaye, dessen schlanke Hand man berühren muss, wenn man seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchte. Ablaye Mbaye ist seit seiner Geburt blind.

Fünf Tage widmete der senegalesische Griot im Januar einer kurzen Tournee in Deutschland. Und hielt sich an alle musikalischen Versprechen, die er mit seinen ersten Aufnahmen gegeben hatte. Anfangs bewegt sich Ablaye Mbayes schlaksige Gestalt ein wenig unbeholfen zur Musik. Eher zaghaft steht er vor dem Mikrofonständer und wartet auf die Zeichen seiner Band. Doch als er die Zurufe seiner senegalesischen Compatriotes hört, antwortet er im rhythmischen Stakkato seiner Landessprache Wolof. Und fühlt sich sicher auf der Bühne.

In diesem Jahr ist eine Tour in Marokko geplant. Auch in Paris und Dakar wird Ablaye Mbaye auftreten und seinen Stil weiterentwickeln. In welche Richtung es gehen soll, weiß er noch nicht. Aber eins ist sicher: Der talentierte Senegalese wird in den nächsten Jahren aus dem Schatten Youssou N'Dours heraustreten. Und der Welt sein eigenes Lied singen.

 
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