Barbarella ist vergessener Kult: 1968 schwebte Jane Fonda als friedenstiftende und liebeschenkende Agentin durchs All und über die Leinwände. Das Weltraumabenteuer strotzte vor Kitsch und Klamauk und provozierte die damaligen Sittenwächter durch laszive Kleidung und anrüchige Redewendungen. Anders als "Hair" bastelt Barbarella nicht an Utopien der Liebe, anders als die "Rocky Horror Picture Show" schert sich Barbarella nicht um Spießer und deren verklemmte Sexualität - Barbarella rettet die Weltharmonie in Bond-Manier, locker aus der Hüfte. Ob homo oder hetero ist dabei völlig egal, weil sie bereits einer weiterentwickelten Spezies angehört. "Brave New World" im Trash-Format mit Jane Fonda als Ikone: den Busen von Barbie, Herz und Hirn von Cinderella.

Für die Musical-Rolle der frauenbewegten Barbarella übte die Hauptdarstellerin, die auf der Berlinale ausgezeichnete Schauspielerin Nina Proll, sogar Strippen. Gleiches tat ihre "Widersacherin" Eva Maria Marold alias die Schwarze Königin, damit sich das Duo auf der Bühne sinnliche Duelle liefern kann. Der Plot: Nina Proll beamt sich als Barbarella in eine virtuelle Welt, wo sie ihre Freunde aus den Fängen des Bösen befreien muss. Ihr zur Seite steht der geflügelte aber blinde Pygar (Mark Seibert), rettender Engel und letzter seiner Art. Auf seinen Schwingen und denen der Lust begibt sich Barbarella auf die Reise ins Reich der Finsternis, wohl wissend, dass nur die Liebe siegt.

Wie Comic und Film stiftet auch das Musical weniger Sinn als Spaß - der aber ist galaktisch groß. Das Musical setzt auf das Temperament der 27 Darsteller sowie den Charme der zwei Frontfrauen, pfiffige Kulissen und rockige Klänge. Die komponierte kein geringerer als Dave Stewart, Mastermind der "Eurythmics" und bekennender Barbarella-Fan: "Als Jane Fonda durchs Weltall strippte, war ich mit meinen 14 Jahren völlig begeistert", sagt der Elektronik-Musiker. "Die ungewöhnliche Erotik vor einem kitschigen Science-Fiction-Hintergrund eignet sich perfekt für ein Rock-Musical." Die 23 Songs werden es zeigen.

Ebenso vertraut mit dem Genre ist Regisseurin Kim Dudy: Sie inszenierte bereits den Klassiker "Hair". Für die Kostüme tritt Patricia Field in die Fußstapfen von Modedesigner Paco Rabanne, der seinerzeit Jane Fonda samt ihrer himmlischen Mitstreiter spacig-chic einkleidete. Beste Referenzen für einen lasziven Look erwarb sich die Designerin mit der Erfolgsserie "Sex and the City".

Das Musical "Barbarella" ist ein gewagtes Projekt. Schon der Comic mobilisierte im sonst so freizügigen Frankreich die Zensoren, und auch der Film beschäftigte die Moralapostel. Mag das Theater-Publikum mittlerweile vom inflationären Bühnen-Sex übersättigt sein - das familienkompatible Medium Musical wurde bislang selten mit so viel nackter Haut konfrontiert. Und Ironie. Aber gerade deswegen kann die Inszenierung der große, witzige Wurf werden, in einer Welt voller Plattitüden und manierierter Melodien.

Weitere Informationen
Das Musical läuft ab 13. März täglich außer Montag am Raimund-Theater in Wien.
Die Karten kosten von 10 bis 95 Euro. Online-Buchung unter www.wien-ticket.at

www.musical-barbarella.com