BelletristikVon Tobias GohlisDennis Lehane: Shutter Island;
a. d. Engl. von Andrea Fischer;
Ullstein Verlag, München 2004; 364 S., 22,– €
Eins von diesen wahnsinnig spannenden Büchern, die man unmöglich aus der Hand legen kann (wie Jeffery Deavers Insektensammler ): bizarrer Plot, irgendwie kaum noch logisch, aber hui… Eine widerliche kleine Gefängnisinsel im Atlantik vor Boston, die als geschlossene Anstalt für Schwerstverbrecher genutzt wird, eine entflohene Irre und zwei Detectives, die einem ungeheuren Komplott auf der Spur sind. Nichts ist, was es zu sein scheint, alles Täuschung. Nur der Jahrhundertsturm, das ewige Meer und die Käfige des Wahnsinns sind echt, der Rest ist Paranoia.
Buch versandkostenfrei bestellen Achille F. Ngoye: Schwarzes Ballett in Château-Rouge;
a. d. Franz. von Katarina Grän und Ronald Voullié;
Zebu Verlag, Frankfurt a. M. 2004; 240 S., 12,90 €
Einer von diesen Krimis, die alles haben, was das Genre liebenswert macht: Lokalkolorit, Exotismus, verrückte Figuren, einen irren Dreh… Kalogun, oder auch (wie Dirty Harry ) Callaghan genannt, wurde extra aus seinem afrikanischen Unterentwicklungsland ins ultraschwarze Pariser Quartier Château-Rouge geholt, um das Verschwinden eines Maliers aufzuklären. Wie Indiana Jones hat er ein Seil um den Leib geschlungen, das hilft gegen die bösen Geister, und etwas überirdisch sind die Bösewichter bestimmt, die den armen immigré aus Mali gefangen, Kalogun an den Eiern gepackt und die wunderschöne Sally mit Säure geätzt haben. Köstliche Rarität: ein schwarzer, afrikanischer Krimi aus Paris!
Buch versandkostenfrei bestellen SachbuchVon Elisabeth von ThaddenMarsilio Ficino:Über die Liebe oder Platons Gastmahl;
lateinisch-deutsch; hrsg. u. eingel. v. Paul Richard Blum;
Übersetzung von Karl Paul Hasse;
Felix Meiner Verlag, Hamburg 2004; 412 S., 12,80 €
Florenz, vor gut einem halben Jahrtausend: Versammelt sind gelehrte Freunde um den Renaissance-Philosophen Ficino und halten Reden. Ein Gastmahl im Sinne Platons, Thema: die Liebe. Was mehr umfasste als die je aktuelle Gemengelage zwischen Männern und Frauen. Das 1469 entstandene und nun in der zweisprachigen Taschenbuchausgabe handlich edierte Werk zeigt eine versunkene beseelte Welt, in der die irdische Liebe ohne diejenige Gottes nicht denkbar ist und Eros der Vermittler von Kosmos, Schöpfer und Leidenschaft. Ein philosophisches Hauptwerk, auf das historisch jene Ernüchterung folgte, an deren vorläufigem Ende jetzt jeder von der neuplatonischen Vorfahrin der Liebe wenigstens lesen kann. Jacques Derrida/Hans-Georg Gadamer:Der ununterbrochene Dialog;
hrsg. u. mit einem Nachwort v. Martin Gessmann;
es 2357, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2004; 111 S., 9,– €
Heidelberg, Februar 2003: Dem toten Hans-Georg Gadamer zu Ehren, in der Trauerrede, spricht Gadamers philosophisches Gegenüber Jacques Derrida vom Dialog, den er mit dem deutschen Philosophen des hermeneutischen Zwiegesprächs geführt habe. Der Dialog: ein Wort, das ihm, dem Philosophen der Dekonstruktion, fremd sei. Wie sich ja die beiden Denker, die seit 1981 im Gespräch standen, auch über Verstehen, Sinn und Bedeutung nicht einig waren. Dieser knappe Band enthält die Trauerrede und dokumentiert, wie sich Gadamer und Derrida in Celans Lyrik begegnen.
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