Zur Welt des HipHop, wie wir sie aus Funk und Fernsehen kennen, bildet dieser Mann die lebende Antithese: irischer Abstammung statt afrikanischer, grobschlächtig statt groovy, die akustische Gitarre statt einer Goldkette um den Hals. So einer berichtet nicht von Bandenkriegen in den schwarzen Ghettos, sondern von Familienhändeln im weißen Trailer-Park, fabuliert nicht von heißen Girls und schnellen Autos, sondern klagt über Einsamkeit und Scheitern. Wer die Lektion nicht begreifen will, dem buchstabiert Everlast sie nunmehr zum vierten Mal vor. White Trash Beautiful (Island/ Universal) heißt die jüngste CD, auf der er seine Rolle als Anwalt der weißen amerikanischen Unterschicht weiterführt. Das Personal seiner im schleppenden Tempo daherrollenden Songs stammt ausnahmslos vom unteren Rand: Drogenabhängige, Huren und Zuhälter, Lastwagenfahrer und Kellnerinnen. Es sind die Alleingebliebenen und Beladenen, für deren alltägliche Sorgen geworben wird, wo der HipHop, der momentan die Charts beherrscht, pornografische Fantasien verkauft, dealt Everlast mit einer Überdosis Realität.Everlast rappt den Blues des kleinen Mannes, als hätte er ihn von Bruce Springsteen gelernt. Auch musikalisch hat sich seine Variante des Sprechgesangs längst entfernt von den HipHop-Wurzeln, ist bei einer Fusion von Rock und Country angelangt, deren Käuferschichten immer schon jenseits der großen Versprechungen des Kapitalismus angesiedelt waren. Everlast singt vom schwankenden Boden, auf den eines Mannes Schicksal gegründet ist, er schließt an Traditionen des Protestlieds und der Western-Moritat an. Dass er trotzdem ebenso vehement Klischees aufsitzt wie die schwarzen Kollegen, ist dem Umstand geschuldet, dass seine Raps Sozialkritik zu oft mit Sozialromantik verwechseln. "Reality bites" reimt sich auf "pit bull fights", "get blown away" auf "shit happens everyday".Der Versuch, dem gedemütigten Individuum ein bisschen Würde zurückzugeben, verliert sich selbst gern in Sentimentalitäten. Raubmörder werden zu kleinen Heroen stilisiert, die gegen die Herrschaft des Immergleichen aufbegehren, und in mehr als einem Titel wird die gewerkschaftlich abgesicherte Mär vom bescheidenen Glück aufgewärmt. Was übers Klischee hinausweist, ist diese Stimme: grummelnd und schnarrend, von predigerhaftem Bekenntniszwang getrieben und in den endlosen Wiederholungen hypnotisch. Gefangen im Groove, möchte man ihr verzeihen, dass sie den Seifenopern von Glück und Geld auch nichts entgegenzusetzen hat als eine endlose Litanei der Verlierer.