Ein wahrlich großes Geschenk: 350 000 Pfund wollte Gert-Rudolf Flick der Universität Oxford schenken, zur Einrichtung eines "Flick Lehrstuhls für europäisches Denken" – doch höflich sagte man ihm ab. Die Uni mochte sich kein Geld schenken lassen, von dem ein Teil aus dem Vermögen des Rüstungsfabrikanten Friedrich Flick stammt, der 40 000 Zwangsarbeiter ausgebeutet hatte. In Berlin hingegen ist man da weniger zimperlich: Gern bereitet man Friedrich-Christian Flick, dem Bruder von Gert-Rudolf, einen glanzvollen Empfang und zahlt viele Steuermillionen, um vom Herbst an seine Flick Collection in der Hauptstadt zeigen zu dürfen. Dabei geht es dem Sammler keineswegs nur ums Ästhetische, wie er in einem Leserbrief an die "Welt" bestätigt. Er hoffe darauf, so schreibt er, "der dunkleren Seite meiner Familiengeschichte eine hellere Seite hinzufügen zu können". Er sammelt Kunst nicht allein um der Kunst willen, sondern missbraucht sie, um seinen Namen zu rehabilitieren – und wundert sich darüber, dass ihm "das übel genommen wird". Noch verwunderlicher ist, dass Bund und Länder bei dieser Aufhellung der Vergangenheit freudig mitmachen – während sie nur ein paar hundert Meter Luftlinie von der künftigen Flick Collection entfernt die Aufarbeitung der Tätergeschichte schamlos verschleppen. Dort, in der Topografie des Terrors, ruhen die Bauarbeiten nun schon seit vielen Jahren. Niemand versteht, warum der Bund das Projekt nicht längst ganz an sich gezogen hat, so wie das Jüdische Museum. (rau)