"Allegoria Stanza" heißt die jüngste Choreographie von Abou Lagraa. Der französische Choreograf verbindet zeitgenössisches Tanztheater mit modernen Hip Hop-Elementen. Inszeniert wird das Stück von seiner multikulturellen Compagnie La Baraka, die sich aus sieben Tänzern des zeitgenössischen Tanztheaters und vier Hip-Hop Tänzern zusammensetzt.

Die einzige Kulisse bildet eine mächtige Leinwand, die durch das Antippen einer Tänzerin zu Leben erwacht: Es kommen Wellen zum Vorschein, kreisförmig breiten sie sich über die Leinwand aus. Zu sehen sind nun Bilder von funkelnden Meereswellen, auf denen sich die Schatten der Tänzer filigran hervorheben. Laute orientalische Klänge tönen aus den Lautsprechern, während Solotanzeinlagen und Gruppenformationen sich abwechseln. Die einzelnen Szenen kommen einem anfangs etwas langatmig vor, ein leichter Dämmerzustand macht sich im Publikum breit. Doch plötzlich die Wende: das Meer im Hintergrund färbt sich rot, elektronische Beats lösen die arabischen Töne ab. Die Hip Hop Tänzer sind nun wieder am Zuge, mit zackigen, schnellen Bewegungen fegen sie über die Bühne als stünden sie unter Strom. Blitze erhellen den Raum, lautstarker Donner und Regen prasseln aus den Boxen. Mechanisch wie Roboter bewegen sich die Tänzer, manch einer im Publikum kann sich das Schmunzeln bei den oftmals skurrilen Bewegungen nicht unterdrücken. Mit einer Breakdance-Einlage findet das musikalische und tänzerische Gewitter sein Finale, weiße Wolken auf blauem Himmel im Hintergrund lassen wieder Ruhe in den Saal einkehren.

Lagraas Gesamtkonzept geht damit auf: die Verbindung zwischen Himmel und Erde, als Zeichen für Hoffnung und Freiheit - harmonisch dargestellt durch die bewegten Bilder und einer Choreografie, die sich ständig im Fluß befindet. Der Wunsch nach zwischenmenschlicher Harmonie, einem Zusammentreffen verschiedener Kulturen, wird anschaulich durch das Zusammentreffen der unterschiedlichen Tanzstile dargestellt. Es lohnt sich durchaus, sich auf die unkonventionelle aber dennoch höchst professionelles Tanzereignis einzulassen. Die Tänzer sind ausdrucksstark und die Choreografie ausgeklügelt. Die Musik ist aber sicherlich nicht Jedermanns Sache. Wer sich auf "Allegoria Stanza" einlassen will, muss offen sein, für musikalische Extreme und plötzliche Stimmungswechsel. Aber gerade das macht auch den Reiz dieses Stückes aus, es lebt förmlich von seiner Choreografie der Gegensätze.

 "Allegoria Stanza" ist vom 10. -14. Dezember und vom 17. - 20. Dezember um 20 Uhr im Kampnagel Hamburg zu sehen. Weitere Informationen finden sich unter: www.kampnagel.de