"Tot zu sein ist komisch..." singt die Serviererin Magda. Sie findet es befremdlich, den Wirt Chagall so hilflos vor sich liegen zu sehen – er wurde gerade von Vampiren ausgesaugt. Später singt der inzwischen selbst zum Vampir gewordene Chagall: "And´re saugen schließlich auch an mir. Ob mit Zähnen oder Engelsaugen: Jeder Mensch ist nur ein Säugetier." Leider sind die meisten Texte ähnlich holprig und peinlich, die Michael Kunze für die Musical-Adaption des Films "Tanz der Vampire" von Roman Polanski gedichtet hat. "Gott ist tot" trällert Graf von Krolock mit einer Stimme wie Udo Jürgens und philosophiert über die böse Welt, in der es lediglich ums Aussaugen gehe. Die Melodien dazu, komponiert und zusammengestellt von Jim Steinman, sind nur allzu bekannt. Immer wieder hören wir "Totale Finsternis" zu dem Sound von "Total eclipse of my heart" von Bonnie Tyler. Lieder unterschiedlichster Genres werden mit deutschen Schlagertexten versehen und in die kaum veränderte Geschichte des Films verpflanzt.

Der Vampirforscher Professor Abronsius und sein Gehilfe Alfred suchen im kalten, verschneiten Transsylvanien nach einem Schloss, das von Vampiren bewohnt sein soll. Sie finden schließlich ein Wirtshaus, wo dem Knoblauch gehuldigt wird – das Ziel scheint nahe zu sein. Der schüchterne Alfred verliebt sich derweil in die Wirtstochter Sarah, eine gelangweilte Jugendliche, die am liebsten in der Wanne liegt. Doch es gibt einen ernst zu nehmenden Konkurrenten: Graf von Krolock, der Chef der Vampire lockt Sarah in sein Schloss mit dem Versprechen auf Vergnügen und Leidenschaft – anders als im Film geht sie freiwillig aus dem Haus. Nun folgen ihr Vater Chagall, Abronsius und Alfred ins Schloss. Dort wird getanzt und gebissen. Wer nicht schon zuvor zum Vampir wurde, wird es jetzt.

Zwar werden die meisten Gags aus dem Film einfach übernommen, aber der Gesamteindruck ist ein ganz anderer: Die Satire weicht den romantisierenden Konventionen des Musicals. Deshalb muss in der Bühnenfassung Graf von Krolock an seiner Bestimmung zweifeln: Er beklagt sich über seinen ewigen Hunger, die Gier, die andere zerstört. Ob an dieser Stelle auch Roman Polanski bedauert, dass er seinen Film aus lauter Gier noch einmal ausgesaugt und nur einen Untoten zurückgelassen hat?

Bühnen- und Maskenbildner, Sänger und Tänzer beherrschen ihr Handwerk. Die Stimmen sind alle gut, einzelne sogar sehr gut, das Bühnenbild ist nicht originell aber passend. Und richtig Stimmung kommt immerhin nach der Pause auf, als die schaurig geschminkten Vampire für den großen Ball, den Krolock veranstaltet, zuckend und steif aus ihren Gräbern kriechen und im roboterhaften Staccato durch den Saal tanzen. An dieser Stelle ist ausnahmsweise das Musical dem Film überlegen.

Uraufführung war bereits 1997 in Wien. Jeden Tag gibt es mindestens eine Aufführung im Theater Neue Flora in Hamburg. Weitere Informationen zum Stück, Kartenbestellung und ein Forum für die Fans gibt es unter:
http://www.tanz-der-vampire.de/