AUS DEM INHALT:
1. Literatur: "Goethe noch einmal" von Marcel Reich-Ranicki - mit Leseprobe und Verlosung 2. Literatur: "Das kurze Leben der Jüdin Felice Schragenheim" von Erica Fischer - mit Leseprobe und Verlosung 3. Die Kunst des Schneidens: das Festival "Film+" - mit Verlosung 4. BÜCHERTISCH: Rezensionen von ZEIT-Literaturredakteuren 5. KULTURKALENDER
Theater
Konzerte
Ausstellungseröffnungen
Lesungen 1. "Goethe noch einmal" - mit Verlosung© Deutsche Verlags-AnstaltMarcel Reich-Ranicki: Goethe noch einmal. Reden und Anmerkungen
Deutsche Verlags-Anstalt; Stuttgart, München 2002 Der Band versammelt fünf Aufsätze, zwei Reden und drei Gedichtinterpretationen, darunter auch die Dankrede anlässlich der Verleihung des Goethepreises im August 2002.
Marcel Reich-Ranicki untersucht Goethes Verhältnis zu seinen Werken und zur Kritik, Goethes Urteil über Deutschland und die Deutschen, sein Verhältnis zu Shakespeare, Schiller, zum Verleger Cotta und anderen Zeitgenossen. Einen bisher unveröffentlichten Aufsatz widmet Reich-Ranicki dem Thema "Goethe und das Reisen", und er erläutert: War er wirklich ein guter Dichter, und war er der göttliche Mensch, das Genie, als das er gilt? "Goethe war unter allen großen Deutschen der menschlichste - menschlich in seiner Sehnsucht nach Liebe und Frauen, menschlich in seiner Angst vor Kritik, menschlich in seinem Bedürfnis nach Beifall, in seiner Empfänglichkeit für Lob und in seiner Abhängigkeit vom Erfolg." (Marcel Reich-Ranicki)LeseprobeVorwort
Der Titel dieser kleinen Sammlung folgt einem großen Vorbild. Im Jahre 1821 verteidigte Goethe seinen bedeutenden italienischen Kollegen Alessandro Manzoni gegen dessen einheimische Kritiker; sie waren namlich mit dem neuen Werk Manzonis, dem historischen Trauerspiel "Il Conte di Carmagnola", gar nicht zufrieden. Wenig spater kam Goethe auf dieses Drama uberraschend abermals zu sprechen - vielleicht deshalb, weil er von Manzoni einen für ihn schmeichelhaften Dankbrief erhalten hatte, was er übrigens den Lesern gleich am Anfang seines zweiten Aufsatzes mitzuteilen für richtig hielt. Jetzt verteidigte er Manzoni gegen einen englischen Kritiker. "Theater-Einheit, in Bezug auf vorstehendes Trauerspiel ausgesprochen" lautete der etwas umständliche Titel dieses Beitrags. Goethe hat aber dann einen schöneren und kürzeren gewählt: "Carmagnola noch einmal."Seitdem wird dieses "noch einmal" gern verwendet, nun auch von mir. Aber ich meine es etwas anders. Keineswegs bin ich es, der sich noch einmal über Goethe äußert. Denn alles, was ich in meinem langen Leben zu dem doch gewaltigen Thema verfaßt habe, ist in diesem bescheidenen Buch enthalten. Tatsächlich ist der, sagen wir, Essay, der den Band eröffnet, meine erste Arbeit über Goethe. Sie stammt aus dem Jahre 1979. Ich war damals neunundfünfzig Jahre alt und schon seit Jahrzehnten ausschließlich als Kritiker tätig.Sollte mich jemand fragen, warum ich mich schreibend erst so spät Goethe zugewandt hatte, konnte ich meine Antwort auf zwei Worte beschränken: Angst und Respekt. Der Respekt bedarf keiner Begründung. Aber die Angst?In den Jahren des "Dritten Reiches" widmete ich, der ich damals noch Gymnasialschüler war, viel Zeit der Lektüre einer Zeitschrift, die nicht mehr in Deutschland erscheinen durfte. Wenn man die früheren Jahrgänge dieser Zeitschrift besaß, war man gut beraten, sie im Bücherschrank an versteckter Stelle aufzubewahren. Die roten Hefte sollten bei polizeilichen Haussuchungen, mit denen man damals stets rechnen musste, nicht auffallen, das hätte zu Unannehmlichkeiten führen können. Ich spreche von der "Weltbühne", die einst Siegried Jacobsohn gegründet hatte und die später von Kurt Tucholsky und dann von Carl von Ossietzky geleitet wurde.Ich las in diesen alten Heften mit roten Backen, ich suchte vor allem die Beitrage, die Tucholsky selber zu jeder Nummer beigesteuert hatte. Und ob man es mir glauben wird oder nicht, an manche dieser Aufsätze kann ich mich noch heute, also nach beinahe sechzig Jahren, gut erinnern. So an ein Feuilleton aus dem Jahre 1931, in dem von Neuschnee die Rede ist."Wenn du aufwärts gehst" - schreibt Tucholsky - "und dich hochaufatmend umsiehst, was du doch für ein Kerl bist, der solche Höhen erklimmen kann, du ganz allein - dann entdeckst du immer Spuren im Schnee. Es ist schon einer vor dir dagewesen." Diese Entdeckung sei zuerst - sagt Tucholsky - sehr schmerzlich. So ist das, wenn man meint, man wäre auf Höhen, die noch keines Menschen Fuß je betreten hat, dann sieht man wieder die Spuren im Schnee: "Immer ist einer noch höher geklettert als du es je gekonnt hast, noch viel höher." Doch mit diesem traurigen Befund begnügt sich Tucholsky nicht, er hat keine Bedenken, den Leser zu ermahnen: "Das darf dich nicht entmutigen. Klettere, steige, steige. Aber es gibt keine Spitze. Es gibt keinen Neuschnee." Damit ist, hoffe ich, schon geklärt oder doch zumindest angedeutet, woher jene Angst rührte, die mich lange Jahre zögern ließ, mich über Goethe öffentlich zu äußern. Meine ersten Goethe-Erlebnisse, etwa Mitte der dreißiger Jahre, waren sehr unterschiedlicher Art: "Egmont" auf der Bühne des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt, die "Iphigenie" als Hörspiel im Berliner Rundfunk (ungekürzt und unverändert), ferner die einsame Lektüre des "Faust I" auf der Suche nach der Szene, in der Gretchen geschwängert wird, und schließlich einige Gedichte in der Schule, darunter leider auch schwache und ziemlich schlechte.Ich las damals viel Lessing und Schiller, Kleist und Büchner. Sie gefielen mir, sie beeindruckten und begeisterten mich, ohne mir Angst einzuflößen. Und Goethe? Im Unterschied zu den anderen Klassikern hatte sein Werk etwas Einschüchterndes,und zwar in hohem Maße. Es schien mir wie ein gigantisches Gebirge ohne Anfang und Ende mit Gipfeln, eingehüllt im Nebel und in Wolken. Jedenfalls war es mir ganz und gar unmöglich,diesen Komplex zu überblicken. Zwischen uns sei Wahrheit - sagt Orest in der "Iphigenie". Also unter uns: Dabei ist es bis heute geblieben. Das soll heißen: Ich kann ihn immer noch nicht ganz überblicken.Einen großen Teil dessen, was in Goethes Werkausgaben gedruckt wird, habe ich nie gelesen. Nie habe ich die rund tausend Seiten "Zur Farbenlehre", nie die "Schriften zur Morphologie" (immerhin rund tausenddreihundert Seiten), nie die "Schriften zur allgemeinen Naturlehre, Geologie und Mineralogie" (ebenfalls tausendfünfhundert Seiten) zur Kenntnis genommen. Nie habe ich mich mit seinen "Amtlichen Schriften" (weit über tausend Seiten) beschäftigt. Zweierlei hat mich bei Goethe wirklich interessiert: sein literarisches Werk und seine Biographie. Der Schriftsteller Klabund, der leider schon beinahe vergessen ist, hat einmal schön gesagt: "Goethe: dessen Leben selbst das vollkommenste Dichtwerk war, das je gelebt wurde."Schiller war der erste, von dem ich gelernt habe, daß der Autor oft durch seine Werke schreitet: Er, Schiller, als Karl Moor und Ferdinand, als der Kronprinz Carlos und der Marquis von Posa, als Wallenstein und Max Piccolomini. Bei Goethe ist es anders. Natürlich können wir Figuren in seinem Werk aufzählen, die ihm auffallend ähneln und nennen gleich sowohl den Faust als auch den Mephisto. Aber damit ist es nicht getan. Denn von ihm habe ich gelernt, daß bei manchen großen Dichtern so gut wie alles, was sie geschrieben haben, auf Selbstdarstellung hinausläuft. Für Shakespeare gilt das nicht, er sprengt alle Grenzen, wohl aber für Goethe. Ja, er spricht unentwegt über sich - und zugleich über uns alle. Dies ist wohl der tiefste Grund seines Erfolgs. Auf einem Spaziergang mit Golo Mann, übrigens auf dem Friedhof in Kirchberg, wo seine Eltern begraben sind, rezitierte er, auf meine Bitte hin, auswendig ein Goethe-Gedicht nach dem anderen. Als ich ihn dann fragte, was ihm denn dieser Dichter bedeute, antwortete er spontan, Goethe sei für ihn so notwendig "wie die Luft, die wir zum Atmen brauchen, wie das Licht, ohne das wir nicht leben können".Da ich schon mal, in einem Erdloch verborgen, dem Ersticken nahe war, kann ich mich dem Bekenntnis Golo Manns nicht anschließen. Doch kann ich sagen, daß Goethe nie aufgehört hat, mich zu interessieren und zu irritieren, mich zu begeistern und nicht selten zu betören. Wann immer ich seine Werke las oder auf der Bühne sah, wann immer ich über ihn schrieb - ich war auf der Suche nach Goethe. So könnte auch diese Sammlung betitelt sein.Wenn ich mich aber für den Titel "Goethe noch einmal" entschieden habe, so weil ich auf meine Gewissensbisse diskret hinweisen wollte. Vor meinen Augen unzählige Würdigungen und Erörterungen, allesamt wieder ein Gebirge, aufgetürmt in zwei Jahrhunderten und gewiss nicht kleiner oder übersichtlicher als jenes, zu dem sich seine Werke zusammenfügen, wage ich es, mit noch einem Buch uber Goethe zu kommen. Und ich tue es, obwohl ich doch weiß, dass es keinen Neuschnee gibt. Aber ich hatte ein Bedürfnis, das keinem ordentlichen Kritiker unbekannt ist: Ich wollte auch andere teilnehmen lassen - an der Freude und an dem Glück, die ich Goethes Werken verdanke. Frankfurt am Main,im November 2002
M. R.-R.
Copyright: Deutsche Verlags-Anstalt; Stuttgart, München 2002 Verlosung:
Gemeinsam mit der Deutschen Verlags-Anstalt verlost ZEIT-Online drei Exemplare von "Goethe noch einmal". Senden Sie uns bis zum 28. November, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de . Stichwort: Reich-Ranicki
Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mehr zum Buch und online-BestellmöglichkeitWeitere Veröffentlichungen Reich-Ranickis bei dvawww.dva.de 2. "Das kurze Leben der Jüdin Felice Schragenheim" - mit Verlosung © Deutscher Taschenbuch-VerlagErica Fischer: Das kurze Leben der Jüdin Felice Schragenheim
dtv, München 2002 Erica Fischers Buch "Aimée & Jaguar" (1994) und der gleichnamige Film haben das Leben Felice Schragenheims auf einfühlsame und eindringliche Weise einem breiten Publikum nahegebracht. Erica Fischer (Text) und Christel Becker-Rau (Fotos) dokumentieren nun in Anlehnung an die von ihnen konzipierte Ausstellung die Geschichte der lesbischen Jüdin, die bis zu ihrer Deportation im Sommer 1944 in Berlin überlebte.....Ihre letzte Liebe galt "Aimée", der "Arierin" und vierfachen Mutter Lilly Wust, die die Dokumente der Freundin aufbewahrt hat: Fotos, Schulzeugnisse, Ausweise, Visumsanträge, Bescheinigungen, Behördenkorrespondenz, Postkarten und Briefe aus den Lagern, Gedichte. Kurze historische Hinweise und die Zeit dokumentierende Fotos beleuchten vor allem den Alltag der in Berlin verbliebenen Juden und nehmen durch die enge Verknüpfung mit dem Leben Felices und ihrer Freunde eine beklemmende Unmittelbarkeit an.LeseprobeNachts
Ich liebe das: Mich über dich zu neigen
und in dein schlafendes Gesicht zu sehen,
wenn durch das dichte dämmergraue Schweigen
nur deine leisen Atemzüge wehen.
Wenn meine Augen über deine klaren
und mir so sehr vertrauten Züge streifen,
kann ich von jenem zarten Wunderbaren,
das du mir gibst, unendlich viel begreifen.
Wie in ein Kunstwerk, das ein Großer schuf,
so senke ich mich tief in dich hinein
und lausche deiner stummen Lippen Ruf.
Doch plötzlich fühle ich: Ich bin allein!
Weit fort bist du. In lähmendem Erschrecken
erkenne ich die Ferne, die dich hält -
und reiße dich empor, um dich zu wecken,
damit du wiederkehrst in meine Welt.
(Liebesgedicht von Felice an Lilly) Abgeholt
Der 21. August 1944 ist hochsommerlich heiß. Aimee und Jaguar fahren mit den Rädern zum Baden an die Havel. Lola, die Untermieterin, hat einen freien Tag und hütet das Haus. Der Strand ist menschenleer. Jaguar hat ihre alte Fotokamera mitgebracht, doch Aimee ziert sich wie immer, wenn Jaguar sie fotografieren will. Mehr Spaß macht es Aimee, mit der Kamera Jaguars lange Beine abzutasten, die sie die meiste Zeit in Hosen versteckt. Es entstehen mit Selbstauslöser die letzten Fotos von Aimee und Jaguar. Außer Atem von der langen Radstrecke in der heißen Nachmittagssonne laufen die Freundinnen zur Wohnung hoch. "Waren sie brav?", trällert Lilly, sobald die Tür geöffnet wird. Doch Lolas graublaue Augen sind weit geöffnet vor Schreck. "Gestapo", formt sie lautlos mit den Lippen. Im selben Augenblick treten hinter ihr zwei Männer aus dem Dunkel der Wohnung. "Wer sind Sie? Kommen Sie rein." Aimée und Jaguar werden ins Wohnzimmer gestoßen, Lola muss zu den Kindern ins Kinderzimmer. "Sie brauchen gar nicht erst zu leugnen", herrscht der schneidige Schwarzhaarige in der SS-Uniform Felice an, "Sie sind die Jüdin Schragenheim." Er hält ihr ein Foto unter die Nase, aufgenommen 1941 auf Muttis Balkon. Während beide Männer sich mit Lilly beschäftigen, schleicht Felice in einem unbeobachteten Augenblick hinaus. Weil alle Fenster und Türen offen stehen, entsteht Zugluft, als Felice die Wohnungstür öffnet. Eine Tür fällt krachend ins Schloss. Der Kleine in der braunen Uniform stürzt Felice hinterher. "Haltet das Weib", schreit er. Felice jagt die Stiegen hinunter, ihre Sprünge hallen durchs Treppenhaus. Durch den Garten rennt sie, hinein ins Gartenhaus und hoch zu Frau Beimling. Die alte Beimling erfasst die Lage in Sekundenschnelle und schiebt Felice hinter die Couch. "Da, da ist sie hinauf", schreit der dicke Rauche, der im Unterhemd aus seiner Parterrewohnung gelaufen kommt. Mit Fußtritten holt der Kleine Felice hinter der Couch hervor, schleift sie die Treppe hinunter und wieder hinauf in Lillys Wohnung. Die Verhöre gehen weiter. Nach ungefähr zwei Stunden kommen von unten mehrere SS-Männer, die einige Häuser weiter vorn in einem Lastwagen gewartet haben. Schweigend streift Felice den Ring mit dem grünen Stein vom Mittelfinger, gibt ihn Lilly und küsst sie auf die Stirn. Dann wird sie abgeführt.
Copyright: dtv, München 2002 Verlosung:
Gemeinsam mit dem Deutschen Taschenbuch-Verlag verlost ZEIT-Online fünf Exemplare von "Das kurze Leben der Felica Schragenheim". Senden Sie uns bis zum 28. November, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de .
Stichwort: Jaguar
Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mehr Informationen zum Buch und die online-Bestellmöglichkeit finden Sie hier . www.dtv.de 3. Die Kunst des Schneidens: das Festival Film+ - mit Verlosung Das Festival "Film +", das in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet, hat sich ganz dem Schnitt als einem der wichtigsten Basisbausteine des Films verschrieben. Im Programm werden Filmvorführungen und Diskussionen kombiniert. So bekommen Editoren die Möglichkeit, gemeinsam mit Regisseuren und Schauspielern über Theorie und Praxis ihrer Arbeit zu reden und in Panels, Werkstattgesprächen sowie einem Nachwuchs-workshop ihr Wissen weiterzugeben.In diesem Jahr wird darüber hinaus das Lebenswerk des Editoren Klaus Dudenhöfer gewürdigt, der bereits seit über fünfzig Jahren in diesem Geschäft wirkt und an so bedeutenden Filmen wie "Des Teufels General" und "Serengeti darf nicht sterben" gearbeitet hat. Aber auch Jungeditoren können sich über die Methoden ihrer Ausbildung austauschen und von den erfahreneren Kollegen Impulse für ihren weiteren Weg geben lassen.Höhepunkt dieses Filmevents ist die Verleihung des 4. Schnitt-Preises in Höhe von Euro 7500,-, der die künstlerisch beste Schnitt-Leistung in einem deutschen Kinospielfilm prämiert. Hierfür hat eine prominent besetzte Jury, bestehend u.a. aus dem Regisseur Didi Danquart, dem Schauspieler Axel Prahl und der Editorin und Preisträgerin des Vorjahres Monika Schindler, fünf Filme ausgewählt. Nominiert für den Preis sind Mona Bräuer für "Bella Martha", Martina Matuschewski für "Engel & Joe", Hanna Müllner für "Der Felsen", Peter Przygodda für "Tattoo" und Horst Reiter für "Mondscheintarif". Alle fünf Filme werden während des Festivals gezeigt, so dass jeder Filmfan sein Bild dieser Filme einer Überprüfung unterziehen kann.Verlosung
Gemeinsam mit dem Festival Film + verlost ZEIT-Online drei Buchpakete zum Thema ("Das Schweigen der Bilder. Stanley Kubrick" von Kay Kirchmann, "Um sie weht der Hauch des Todes / Der Italowestern. Die Geschichte eines Genres" und "Das ortlose Kino" von Lars Hendrik Gass) und drei Jahresabos des Filmmagazins "Schnitt" (erscheint 4x jährlich).
Senden Sie uns bis zum 28. November, 12 Uhr mittags, eine eMail, bitte mit Namen und Adresse, an kulturbrief@zeit.de .
Stichwort: Film +
Die Gewinner werden unter allen Einsendern ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. "Film +" ist eine Veranstaltung des Filmmagazins "Schnitt" in Zusammenarbeit mit der Filmförderung NRW und der Stadt Köln.www.filmpluskoeln.de 4. BÜCHERTISCH: Rezensionen von ZEIT-LiteraturredakteurenBELLETRISTIKvon Benedikt ErenzJohann Friedrich Reichardt: Autobiographische Schriften
hrsg. von Günter Hartung; Mitteldeutscher Verlag, Halle 2002; 248 S., Abb., 16 Euro
Er ist eine der faszinierendsten Gestalten des Klassischen Zeitalters: Johann Friedrich Reichardt, Komponist und Kapellmeister, Journalist, politischer Kopf und leidenschaftlicher Gärtner, geboren vor genau 250 Jahren in Königsberg, gestorben 1814 bei Halle. Vergessen war er nie. Seine brillanten Reportagen aus dem Paris der Revolution, seine Musikschriften wurden neu aufgelegt, 1992 widmete ihm Dietrich Fischer-Dieskau ein Buch. Jetzt ist Reichardts temperamentvolle Autobiografie seiner frühen Jahre (mit wunderbaren Porträts von Claudius und Gluck, Corona Schröter und Friedrich II.) in gleich zwei Ausgaben erschienen. Einmal in einer populäreren Fassung unter dem Titel Der lustige Passagier beim Aufbau-Verlag (237 S., 18 Euro), gut kommentiert. Zum zweiten, leider ohne Anmerkungen und Register, in einer wissenschaftlichen Textedition, herausgegeben von Günter Hartung, dessen große Reichardt-Biografie noch immer eines Verlages harrt! Texte zum Tod von Allen Ginsberg, hrsg. von Florian Vetsch
Der Sanitäter 9/02; Verlag Peter Engstler, Ostheim 2002; ISBN 3-929375-31-1; 108 S., Abb., 9 Euro
Ein großer Dichter? Ein globaler auf jeden Fall. Alles wollte Ginsberg mit allem verknüpfen in seinen uferlos sich verströmenden Gedichten, alle Kulturen, Zeiten... Ezra Pound mit der Beat-Lyrik, jüdische Tradition mit der Weisheit des Buddhismus. So schrieb er um die Welt. Und so nehmen die Autoren dieses Bandes (Amerikaner, Europäer, eine Japanerin) in ihren Texten Abschied von ihm wie von einem Mitreisenden, der zurückblieb, am 5. April 1997 in Manhattan - um in neue Welten aufzubrechen. SACHBUCHvon Volker UllrichErich Schairer: Bin Journalist, nichts weiter. Ein Leben in Briefen
hrsg. v. Manfred Bosch u. Agathe Kunze; Silberburg-Verlag, Tübingen 2002; 232 S., 19,90 Euro
Er sei "unbequem für alle" gewesen, "denen Anpassung alles bedeutet", so rief ihm die Deutsche Rundschau im August 1956 nach. Ein Unbequemer war der schwäbische Journalist Erich Schairer, der Gründer der legendären Sonntags-Zeitung (1920 bis 1937), von Anfang an. Weil er sich nicht anpasste, erteilten ihm die Nazis Berufsverbot. Nach 1945 wurde er als Mitherausgeber der Stuttgarter Zeitung zu einer der wichtigsten Stimmen der Nachkriegspublizistik. In diesem Band mit Briefen an Familie und Freunde lernen wir den unerschrockenen Mann auch von seiner privaten Seite kennen. Ein Vorbild für Journalisten, gerade heute. Sonja Sonnenfeld: Es begann in Berlin. Ein Leben für Gerechtigkeit und Freiheit
Donat Verlag, Bremen 2002; 142 S., 12,80 Euro
Als Neunjährige saß sie auf den Knien von Walther Rathenau. Später steppte sie mit Josephine Baker und schloss Freundschaft mit Jean Gabin. In ihrer Autobiografie ruft Sonja Sonnenfeld (Jahrgang 1912) die "Goldenen Zwanziger" in Erinnerung, als Berlin noch Weltstadt war. Nach dem November-Pogrom 1938 kehrte die Jüdin mit schwedischem Pass nach Stockholm zurü ck. Dort engagierte sie sich für Flüchtlinge. Seit Ende der siebziger Jahre bemü hte sie sich vergeblich darum, das Schicksal des schwedischen Diplomaten Raul Wallenberg aufzuklären, der Tausenden ungarischen Juden das Leben gerettet hatte und 1945 von der Roten Armee verschleppt worden war. Ein bemerkenswertes Leben, authentisch erzählt. 5. KULTURKALENDERTheater22. November: "Vorher/Nachher"
Uraufführung
von Roland Schimmelpfennig, Regie: Jürgen Gosch
Deutsches Schauspielhaus Hamburg , Beginn 20 Uhr
Das Stück zeigt Momentaufnahmen, fast wie Fotos oder Bilder. Menschen auf der Durchreise, denen der Zuschauer in verschiedenen Etappen des Lebens immer wieder begegnet. Die Bilder setzen sich zusammen und ergeben ein bestimmtes Klima, möglicherweise das Klima der Umstände, in denen wir leben. Roland Schimmelpfennig ist einer der meistgespielten, jüngeren Autoren und war in der Spielzeit 01/02 Hausautor am Deutschen Schauspielhaus.
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Premiere
von Gregory Burke, Inszenierung: Oliver Schamberger
Deutsches Theater Göttingen , Beginn 20 Uhr
Die Arbeiter Eddie und George wollen gegen die menschenverachtenden Auswirkungen der Globalisierung vorgehen und entführen kurzerhand den Berater eines multinationalen Unternehmens, einen Japaner, wie sie glauben. Der Spezialist aus Fernost ist beauftragt, ein Gutachten über die Wirtschaftlichkeit der Fabrik abzugeben und soll nun zum Märtyrer seines Brutalo-Kapitalismus werden. In einer Lagerhalle nehmen Eddie und George den Gekidnappten ins Kreuzverhör. Bevor sie ihn lynchen, stellen sie fest, dass der Entführte gar kein Japaner ist, sondern aus derselben Gegend stammt wie sie: aus einer ehemals kommunistischen Hochburg. Der Plan ist offensichtlich gescheitert. Aber Eddie erklärt, dass es ihm ohnehin nur um das Ausleben von Gewalt geht...
Der schottische Autor Gregory Burke gewann mit seinem dramatischen Erstling beim Edinburgh-Festival 2001 den Fringe First Award.
zur Homepage 23. November: "Die Dreigroschenoper"
Premiere
von Bertolt Brecht und Kurt Weill
Theater Augsburg , Beginn 19:30 Uhr
1928 wurde Brechts und Weills "Dreigroschenoper" nach der Vorlage von John Gays "The Beggar's Opera" in Berlin uraufgeführt. Sofort war das Stück ein enormer Erfolg. Bettler, Huren und Räuber treten auf und stellen die dunkle, kriminelle Seite der großstädtischen Welt dar. Trotz ihrer Ansiedlung im viktorianischen England kritisiert die "Dreigroschenoper" mit Satire und Spott die bürgerlich- kapitalistische Welt der Weimarer Republik. Die Musik Kurt Weills enthält Elemente des Jazz, der Unterhaltungsmusik sowie Kirchen- und Opernmelodien. Vor allem die eingestreuten Balladen wie das "Lied der Seeräuber-Jenny" oder die "Moritat von Mackie Messer" sichern dem Stück bis heute anhaltende Beliebtheit.
zur Homepage 24. November: "Ladies Night"
Premiere
von Stephen Sinclair und Anthony McCarten
Elisabethbühne Schauspielhaus Salzburg , Beginn 19 Uhr
Sechs arbeitslose Metallarbeiter fassen einen heroischen Entschluss: Sie gründen die erste rein britische Männer Strip-Gruppe: die "Wilden Stiere". Vom Rausch der Gründungsfeier bleibt der Kater des ersten Probentages. Was macht eine originelle Nummer aus und einen Strip perfekt? Was turnt Frauen wirklich an und warum? Aus einer "Schnapsidee" wird beinharte Arbeit. Und dann gehen die Lichter an: der erste Auftritt. In einer tänzerisch-erotischen Verzweiflungsaktion vor kreischenden Frauen legen die Jungs ihre erste Show hin. Erleben Sie die amüsante Erfolgsstory der mutigen Men-Stripper und überzeugen Sie sich selbst: auch strippen will gekonnt sein! Das Stück wurde unter anderem durch die Verfilmung bekannt, die in den deutschen Kinos unter dem Titel "Ganz oder gar nicht" lief.
zur Homepage 24. November: "Jackie und andere Prinzessinnen - Der Tod und das Mädchen IV und V"
Uraufführung
von Elfriede Jelinek, Regie: Hans Neuenfels
Deutsches Theater Berlin , Kammerspiele, Beginn 20 Uhr
Berühmte Frauen bevölkern das literarische Totenreich von Elfriede Jelinek. Prinzessinnen und zeitgenössische Vorzeige-Damen begegnen uns darin als Wiedergängerinnen. In Elfriede Jelineks "Prinzessinnen"-Zyklus sind - als Auftragswerke des Deutschen Theaters - zwei neue Teile hinzugekommen: Jackie O. schleift in "Der Tod und das Mädchen IV" ihre Toten hinter sich her "wie beim Tauziehen"; die Dichterinnen Sylvia Plath und Ingeborg Bachmann steigen in "Der Tod und das Mädchen V" hinab ins Totenreich, um - wie einst Odysseus - die Seelen der toten Helden zu befragen.
zur Homepage 28. November: "Weg in den Dschungel"
Uraufführung
von Kai Hensel, Regie: Olga Wildgruber
Schlosstheater Dresden , Beginn 20 Uhr
Cynthia will sich von ihrem anstrengenden Job als Fachfrau für Corporate Communication erholen - ganze zweiundsiebzig Stunden lang. Gegen Bezahlung mit Kreditkarte gleich bei Ankunft. Dafür gibt es dann auch Ursprünglichkeit in ihrer reinsten Form: Moskitos in der Hängematte, "Coconut-Dream" auf der Holzterrasse, Trommelrhythmen aus dem Dorf unterhalb des Hotels. Und Frühstück mit Hörnchen, Milchkaffee und Vitamintabletten. Ein Abenteuerurlaub im Dschungel wie aus dem Ferienkatalog - unter lauter Gästen aus dem gehobenen Management. Das Ende wird grausam, vor allem für Cynthia, die noch vor Ablauf ihres Urlaubs eine ganz unerwartete Rückreise antreten muss.
zur Homepage 28. November: "Finnisch oder Ich möchte dich viel berühren"
Premiere
von Martin Heckmanns, Regie: Anna Schildt
Schauspiel Frankfurt am Main , Zwischendeck, Beginn 22 Uhr
Einsam und alleine? Keine Lust auf "Fisch-sucht-Fahrrad"-Partys oder Kontaktanzeigen? Es geht auch anders: Ein junger Mann wartet auf ein Paket. Er hat es sich selber geschickt. Der Grund: Er will die Postbotin kennen lernen. In der Stunde vor der erhofften Begegnung spielt er verschiedene Varianten der Kontaktaufnahme durch. Mal unverschämt, mal schüchtern, mal beiläufig cool oder betont geistreich. Er plant und verwirft Situationen und Sätze, schweift ab, bringt sie auf den Punkt. Es geht nur darum, den Anfang zu machen: unverfroren, wehmütig, urkomisch.
zur Homepage 29. November: "Janis Joplin - Ein Stück Rock 'n' Roll"
Uraufführung
Von Thomas Guglielmetti, Inszenierung: Matthias Fontheim
Schauspielhaus Graz , Beginn 19:30 Uhr
"Live fast, love hard, die young" - Janis Joplin hat die Beatnik-Philosophie der Hippies konsequent gelebt; zwischen Bühne, Bett und Whiskey, von dem sie zeitweise bis zu einem Liter täglich konsumierte. Nachdem sie über fünf Jahre kreuz und quer durch Amerika getrampt war, kam sie 1966 nach San Francisco, wo sie sich der Band "Big Brother and the Holding Company" anschloss und zur unbestrittenen Königin der Rockmusik wurde. Ihre Auftritte am Monterrey- und Woodstock-Festival sind legendär. Der Erfolg währte jedoch nicht lange: Noch während der Aufnahmen zu ihrem dritten Album fand man sie heroinvergiftet in einem Motelzimmer. Die 2500 Dollar, die sie bar hinterließ, vertranken 200 Freunde ihrem Wunsch gemäß auf einer Party in Kalifornien.
zur Homepage 1. Dezember: "Autofahren in Deutschland"
Uraufführung
von Ulrike Syha, Regie: Monika Gintersdorfer
Thalia Theater Hamburg , Beginn 20 Uhr
Leben auf der Überholspur. Hugo ist Grafikdesigner, fährt einen BMW und hat sich auf das Entwerfen virtueller Mammuts spezialisiert. Seinem Finanzberater Lorenz steht der Sinn mehr nach amerikanischen Straßenkreuzern. Er ist nicht nur Hugos vermeintlich bester Freund, sondern hat auch ein Verhältnis mit dessen Lebensgefährtin Marthe - oder versucht es zumindest, während ihnen die Steuerfahndung auf den Fersen ist. Autofahren ist für die beiden mehr als nur eine Frage des Lebensgefühls, es ist ein Bekenntnis. Doch der Wille zur Mobilität und totaler Kontrolle schlägt endgültig um in Verfolgungswahn und Flucht, als Lorenz' verunglückt geglaubte Ex-Frau Cleo wiederauftaucht - der schlimmstmögliche Alptraum.
zur Homepage Konzerte21. November und 22. November: "Radio Symphonie Orchester Frankfurt"
Alte Oper Frankfurt , Beginn 20 Uhr
Unter der Leitung seines Schülers Hugh Wolff, Chefdirigent des Radio Symphonie Orchesters, spielt der berühmte Konzertpianist Leon Fleischer Ravels Klavierkonzert für die linke Hand. Kein anderer Pianist interpretiert das einhändige Stück wie Leon Fleischer, bei dem 1964 auf dem Höhepunkt seiner Karriere eine plötzliche Lähmung der rechten Hand auftrat. Seit 1995 kann der Künstler wieder beidhändig konzertieren. Erweitert wird das Programm um Felix Mendelsohn Bartholdys "Meeresstille und eine glückliche Fahrt", einer Vertonung zweier Gedichte Goethes, und der 1. Symphonie von William Walton.
zur Homepage 23. November: "Konstantin Wecker"
Fabrik Hamburg , Beginn 20 Uhr
Konstantin Wecker hadert wie eh und je mit der Politik und schwelgt in Träumereien. Nach fünf Jahren des Experimentierens mit Brecht, Kinderliedern, Musicals und der Schauspielerei erschien letzten Herbst mit "Vaterland" wieder eine Liederplatte des Münchners, die er auf einer ausgedehnten Deutschland-Tournee vorstellt.
zur Homepage "Klangwelten - Festival der Weltmusik""
26. November: St.-Johannis-Kirche Hamburg , Beginn 20 Uhr
28. November: Kunst- und Ausstellungshalle, Bonn , Beginn 20 Uhr
(weitere Termine entnehmen Sie bitte dem Programm auf der Festival-Homepage)
Das Klangwelten-Festival präsentiert ein ausgefallenes Konzertprogramm mit einer Kombination verschiedenster traditioneller und zeitgenössischer Musikstile der Welt. Seit 1987 hat sich das Festival als erfolgreiches deutsches Welt-Musik-Festival etabliert. Der Schwerpunkt liegt auf der stilreinen Darstellung traditioneller Musikkulturen und auf einem kulturübergreifenden Zusammenspiel der Musikerinnen und Musiker.
Im 3-stündigem Abendprogramm begeben sich die Musiker und das Publikum auf eine musikalische Weltreise. In diesem Jahr sind zehn Musiker aus fünf Ländern beteiligt; darunter eine Gruppe aus Afrika, die noch nie außerhalb ihrer Heimatregion gespielt hat.
zur Homepage 28. und 29. November: "Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks"
Herkulessaal der Residenz, München , Beginn jeweils 20 Uhr
Der Bariton Matthias Goerne singt Monologe aus "Jedermann" von Frank Martin, nach Texten von Hugo von Hofmannsthal. Unter der Leitung von Fabio Luisi werden außerdem zwei Sinfonien von Honegger (Nr. 5) und Brahms (Nr. 4) gegeben.
zur Homepage "Terence Blanchard Group / Nils Landgren Trio & Strings"
29. November: Musikhalle Hamburg , Beginn 20 Uhr
30. November: Stilwerk Berlin , Beginn 20 Uhr
Unter der Leitung seines Schülers Hugh Wolff, Chefdirigent des Radio Symphonie Orchesters, spielt der berühmte Konzertpianist Leon Fleischer Ravels Klavierkonzert für die linke Hand. Der Trompeter Terence Blanchard und der Posaunist Nils Landgren sind Meister des Jazz. Gemeinsam touren sie nun durch Deutschland.
Für sein Album "Wandering Moon" erhielt Terence Blanchard im vergangenen Jahr eine Grammy-Nominierung in der Kategorie "Best Instrumental Jazz Solo Performance". Das neue Meisterwerk heißt "Let's Get Lost" und ist dem legendären Jimmy McHugh gewidmet, dessen Standards Blanchard völlig neu interpretiert. Unterstützt wurde er dabei von den Jazz-Sängerinnen Diana Krall, Jane Monheit, Dianne Reeves und Cassandra Wilson.
www.musikhalle-hamburg.de
www.stilwerk.de 1. Dezember: "Adventskonzert des Gewandhausorchesters Leipzig"
Gewandhaus Leipzig , Beginn 20 Uhr
Bereits seit über zehn Jahren wird im Gewandhaus am Abend des ersten Advents ein Konzert zu Gunsten der Unicef gegeben. In diesem Jahr dirigiert Herbert Blomstedt Mozarts Ouvertüre zu "Die Zauberflöte", Ausschnitte aus der "Aladdin-Suite" von Carl Nielsen, die "Feuervogel"-Suite in der Fassung von 1919 von Igor Strawinski, "Das Märchen von der schönen Melusine" op. 32 von Felix Mendelssohn-Bartholdy, "Der Schwan von Tuonela" op. 22 Nr. 2 von Jean Sibelius und "Der Zauberlehrling" von Paul Dukas.
zur Homepage Ausstellungseröffnungen22.11.2002 bis 9.3.2003: "Uhren aus fünf Jahrhunderten"
Museum Huelsmann, Bielefeld
Aus dem Besitz des Hessischen Fürstenhauses
Aus ihrem reichen Schatz von Uhren hat die Hessische Hausstiftung 60 besonders wertvolle Exemplare ausgesucht, die sie nun in einer Sonderschau präsentiert. Die frühesten Beispiele kommen aus dem 16. Jahrhundert, die späten Beispiele datieren in den Jugendstil. Die meisten der Exponate stammen aus Familienbesitz und waren ursprünglich in den Residenzen der Landgrafen, Kurfürsten und Großherzöge von Hessen aufgestellt. Andere Uhren sind schon als Sammlerstücke erworben worden, wie etliche aus dem ehemaligen Besitz von Kaiserin Victoria. Viele der gezeigten Uhren "leben" noch, so dass der Besucher der Ausstellung es ticken und zur vollen Stunde schlagen hört. Ein eindrucksvoller Beweis des Zusammenwirkens von Kunst und Technik.
zur Homepage 22.11.2002 bis 26.1.2003: "Junge Video-Kunst aus Japan"
Museum für ostasiatische Kunst Berlin
Das Mori Art Museum in Tokio initiierte einen Wettbewerb für junge in Japan tätige Video-Künstler. Aus den über 80 Teilnehmern wurden acht Beiträge prämiert und 13 weitere besonders ausgezeichnet. Bis zum Ende 2002 werden in einem Turnus von jeweils zwei Wochen die Arbeiten der acht Preisträger und in einer Sonderausstellung die Videos der 14 Finalisten im Informationszentrum des Mori Art Museums gezeigt.
Als erstes Museum außerhalb Japans wird das Museum für Ostasiatische Kunst alle 21 Video-Künstler vorstellen, manche Videos werden somit zuerst in Berlin und dann in Tokio zu sehen sein.
zur Homepage 24.11.2002 bis 16.2.2003: "Edvard Munch: 1912 in Deutschland"
Kunsthalle Bielefeld
Die Ausstellung des Kölner Sonderbunds 1912 enthielt einen Ehrensaal mit einer Retrospektive von 32 Gemälden Edvard Munchs. Mit seinen Porträts, Landschaften und symbolischen Darstellungen kam dem norwegischen Maler die Rolle des bedeutendsten lebenden Künstlers neben Picasso zu. Diese Ausstellung behandelt ein Stück Kunstgeschichte kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Munch wird zu einem Zeitpunkt berühmt, wo er das Landleben sucht und menschliche Nähe meidet. Während er seine Lehr- und Wanderjahre für abgeschlossen hält und diese Ergebnisse schicksalhaft als Absturz begreift, nimmt das Publikum seine Motive und seine kontinuierlich junge Maltechnik begierig als künstlerischen Höhenflug auf.
zur Homepage 25.11.2002 bis 12.1.2003: Paul Flora. Zeichnungen 1938-2001"
Paul Flora gehört zu den bedeutenden Zeichnern der Gegenwart. Treffsicher in der Linie, hintergründig in der Erzählung, geistreich im Witz. Er erzählt sanft und manchmal leicht ironisch.
Flora ist ein Denker und Grübler (Friedrich Dürrenmatt), dem es gelingt, räumliche und dynamische Dimensionen in seine Bilder einzubringen. Sein Blick auf die Welt ist mehr als nur ein gewöhnliches Schauen. Er enthält Gedankenfülle und oft Explosivstoff für den Betrachter, der sich - je nach Thema - aber vor allem von den Zeichnungen verzaubern lassen kann.
zur Homepage 28.11.2002 bis 11.3.2003: "Die öffentliche Tafel. Tafelzeremoniell in Europa 1300-1900"
Deutsches Historisches Museum, Kronprinzenpalais, Berlin
In den Kirchen und an den Höfen des Mittelalters und der frühen Neuzeit gehörten Zeremonien und Rituale zu den wichtigsten Formen der nonverbalen Kommunikation. Während heute das gemeinsame Essen ein beliebter Anlass zu zwangloser Geselligkeit ist, entwickelte sich das Speisen an den Höfen zu einem streng reglementierten Akt. Jedes Detail dieses Aktes hatte Symbolcharakter. Hohe Potentaten wie der Papst in Rom oder der Kaiser in Wien speisten grundsätzlich allein und signalisierten dadurch ihre Sonderstellung. Die Ausstellung, die die Zeit vom 14. bis zum 20. Jahrhundert behandelt, zeigt eine Auswahl der schönsten Tafelgeräte. Zahlreiche zeitgenössische Bildquellen geben einen Eindruck von der Verwendung dieser Geräte, der räumlichen Situation und der Form des europäischen Hofzeremoniells.
zur Homepage 30.11.2002 bis 2.2.2003: "Dissimile - Prospektionen: Junge europäische Kunst"
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
In einem Zeitraum von elf Wochen stellt die Kunsthalle innovative Tendenzen aus den Bereichen Bildende Kunst, Design und Architektur vor. Theater-, Tanz-, Musik- und Filmaufführungen, Performances, Club-Nächte, Workshops und Künstlergespräche begleiten die Ausstellung.
Mehr als 70 Künstlerinnen und Künstler aus den verschiedenen Kunstszenen europäischer Großstädte sind an diesem Projekt beteiligt. Internationalität wie auch das Interdisziplinäre ihrer Positionen stehen für die kulturelle Vielfalt, für Konstellationen von Ähnlichem (lat. simile) und Unähnlichem (dissimile).
zur Homepage 30.11.2002 bis 6.1.2003: "Abstraktion - Von Arp bis Poliakoff"
Rupertinum Salzburg
Durch das Auftauchen der abstrakten Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die moderne Kunst revolutioniert. Abstrakte Kunst, also "ungegenständliche", "informelle", "konstruktivistische" oder "monochrome" Kunst, schließt viele Möglichkeiten der malerischen und formalen Bildsprache ein. Mit Beispielen aus der Sammlung Würth in Künzelsau wird anhand von raren Werken u.a. von Hans Arp, Max Bill, Josef Albers, Sonia Delaunay, Lucio Fontana, Alberto Magnelli und Serge Poliakoff diese vielschichtige Kunstrichtung dokumentiert.
zur Homepage 1.12.2002 bis 16.3.2003: "Monet - Slevogt - Beckmann. Meisterwerke einer norddeutschen Privatsammlung"
Ernst Barlach Haus Hamburg , Stiftung Hermann F. Reemtsma
Die Stiftung Hermann F. Reemtsma ist eine kleine Sammlung - 22 Arbeiten - die jedoch absoluten Museumsrang hat: Meisterwerke von Claude Monet, Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt, Ernst Barlach, Lyonel Feininger und Max Beckmann. Das Thema Landschaft spielt eine große Rolle - hier stehen zwei Gemälde Monets am Anfang. Sieben eindrucksvolle Landschaftsgemälde Slevogts von dessen pfälzischer Heimat unterstreichen das Leitmotiv der Sammlung; so auch Corinths Gemälde vom Walchensee oder Liebermanns Schilderung seines Wannseegartens. Fünf Gemälde Beckmanns, darunter wichtige Strandbilder aus den Jahren der niederländischen Emigration von 1942 und 1944, öffnen die Sammlung zum Expressionismus. Hervorzuheben sind ferner zwei Schlüsselwerke Ernst Barlachs: die beiden Holzskulpturen "Sterndeuter", die er während des Florenzaufenthaltes 1909 schuf.
Es erscheint ein Katalog, ca. 17,- Euro.
zur Homepage 1.12.2002 bis 26.1.2003: "Jessica Stockholder"
Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg
Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
Der Freundeskreis des Wilhelm Lehmbruck Museums e.V. würdigt mit der Verleihung des August Seeling-Preises an die amerikanisch-kanadische Künstlerin Jessica Stockholder (geb. 1959) einen bedeutenden Beitrag zur zeitgenössischen Skulptur. Die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg und die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf realisieren gemeinsam eine inhaltlich komplementäre Ausstellung des Werkes von Jessica Stockholder. Während die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in ihrem Ausstellungsraum eine neue, temporäre Installation mit der Künstlerin präsentiert, vermittelt die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum einen Überblick über das künstlerische Werk der letzten zwölf Jahre.
Lehmbruck Museum
Kunstsammlung NRW Lesungen23. November: "Christoph Janacs und Fritz Popp"
Literaturhaus Salzburg , Beginn 20 Uhr
Zur Salzburger Buchwoche stellen zwei heimische Autoren ihre neuen Erzählbände vor. Christoph Janacs liest mexikanische Geschichten aus dem Buch "Der Gesang des Coyoten". Es sind sehr unterschiedliche Texte, und doch speisen sie sich aus einer gemeinsamen Quelle: einem Land, in dem die uralten Mythen der Azteken und Maya so lebendig sind wie der aktuelle Kampf ums Überleben.
Fritz Popp konfrontiert den Leser in seiner düster-ironischen Schwarzprosa aus "Warten, was der Fluss so bringt" mit oft verdrängten Realitäten des Alltags: Da tummeln sich menschliche Wölfe in kaputten Familien, entwickeln Ärzte kriminelle Energien, treffen sich "abgeschobene" Senioren mit nervtötender Regelmäßigkeit im selben Bus auf dem Weg zum wöchentlichen Begräbnis.
zur Homepage 24. November: Thomas Hettche - "Der Fall Arbogast"
Kundenhalle der Sparkasse Gießen , Beginn 11 Uhr
"Sie lachte wie über etwas, das sie gerade entdeckt hatte, und sah sich nach ihm um. Er ging auf dieses Lachen zu und ließ dabei die beiden Flügel der Schwingtür langsam über die offenen Handflächen gleiten und dann sehr vorsichtig los. Es gab nahezu kein Geräusch, als die Tür zurückschwang, er in den Dämmer des Abends hinaustrat und in ihr Lachen hinein. Immer würde er sich später an diesen Moment der Stille erinnern und wie das kühle und glatte Holz der Türblätter über seine Hand wischte, als ermunterte man ihn. Das war der Moment, als es begann."
Essayist, Journalist und Romanautor Thomas Hettche überschreitet die Grenzen des Genre-Krimis. Willfähriges Opfer, schuldloser Täter: Gut und kein Böse sind hier nicht fest definiert, nach einer eindeutigen Wahrheit kann der Leser suchen.
zur Homepage 24. November: Evelyn Grill - "Ins Ohr"
Theater Freiburg , Beginn 20:30 Uhr
"Zu unserem 20. Hochzeitstag hatte mich mein Mann zu einem feinen Abendessen eingeladen. Als mein Mann das Glas hob und sagte: ‚Ich nehme die heutige Gelegenheit wahr, dir zu sagen, dass ich die Absicht habe, mich von dir zu trennen. Deshalb möchte ich mit die auf die Jahre anstoßen, die noch vor uns liegen und die wir getrennt voneinander verbringen werden', glaubte ich, dass es sich dabei nur um einen schlechten Scherz handeln konnte und lachte etwas forciert."
Ins Ohr" ist das Protokoll einer Frau im Umbruch und im Aufbruch. Evelyn Grill legt die seelischen und körperlichen Befindlichkeiten dieser Frau frei. Die Autorin beschreibt Momente von Hoffnung, Enttäuschung, Verliebtheit, Selbstzweifel, Größenwahn, zeichnet das Diagramm einer Frau in den besten Jahren. Die Erzählung "Ins Ohr" erschien im Oktober 2002 im Suhrkamp Verlag
www.theater-freiburg.de
www.suhrkamp.de 26. November: Gerhard Roth - "Der Strom"
Literaturhaus Berlin , Beginn 20 Uhr
Thomas Mach, ein junger Österreicher aus Wien, reist nach Ägypten. Er soll an die Stelle Eva Blums treten, einer jungen Reiseleiterin, die sich kurz zuvor aus dem Fenster ihres Hotelzimmers in Kairo gestürzt hat. Geleitet von Evas Tagebuch und seiner inneren Stimme, die ihn vor Gefahren warnt, aber auch immer wieder in Schwierigkeiten bringt, begibt sich Mach auf die Spur der Frau. Als plötzlich der Ehemann der Verstorbenen zusammen mit einem Detektiv auftaucht, scheinen sich die Dinge zum Kriminalfall zu entwickeln. War Eva in einen Schmuggel mit antiken Kunstgegenständen verwickelt? Wie viele Leben hat sie geführt, und war ihr Tod wirklich nur ein Unfall?
Gerhard Roth, geboren 1942 in Graz, hat nach Abschluss seines Romanzyklus "Die Archive des Schweigens" mit den Romanen "Der See", "Der Plan", "Der Berg" und dem soeben erschienenen Reiseroman "Der Strom" einen neuen, wiederum siebenteiligen Zyklus begonnen: "Orkus".
zur Homepage 27. November: Wladimir Kaminer - "Die Reise nach Trulala"
Buchhandlung Aigner, Ludwigsburg , Beginn 20.30 Uhr
"Boris nahm einen Sack mit sowjetischen Konserven und ein russisch-französisches Wörterbuch mit. Der Flug nach Paris dauerte sechs Stunden. Die ersten zwei Tagen versuchte er vergeblich, von seiner Gruppe abzuhauen. Jedes Mal, wenn sich die Gruppe unten im Aufenthaltsraum des Hotels versammelte, ging Onkel Boris aufs Klo und saß dort so lange wie es ging, in der Hoffnung, die Gruppe würde ohne ihn in die Stadt gehen. Doch als er herauskam, standen alle vor dem Toilettenraum und warteten geduldig auf ihn. Danach fuhren sie zusammen mit dem Bus ins Zentrum, um Einkäufe zu erledigen."
Wladimir Kaminer wurde 1966 in Moskau geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk und studierte anschließend Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin, wo er inzwischen als freier Autor und kreatives Multitalent so bekannt wie erfolgreich ist. Kaminer veröffentlicht regelmäßig Texte in der FAZ, hat eine Kolumne in der taz und organisiert im Kaffee Burger die "Russendisko".
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www.russendisko.de 28. November: Robert Gernhardt - "Leben im Labor"
Literaturhaus Hamburg , Beginn 20 Uhr
Die Lust, Gedichte zu lesen, ist uns abhanden gekommen. Sind daran die Dichter schuld, oder etwa die Leser? Waren Gedichte nicht ein Lufthauch, eine Verführung, ein Versprechen, ein Spiel? Und kann das Gedicht denn nicht immer noch, um an Enzensberger anzuschließen, was nur das Gedicht allein kann?
In seinem Text "Leben im Labor" ist der Dichter Robert Gernhardt einem Missverhältnis, ja einem Missstand auf der Spur. Er geht den Fragen nach, warum Gedichte immer weniger Leser finden, obwohl sie immer noch nach allen Regeln der Kunst verfasst werden, und warum nur noch wenige Leser Gedichte richtig zu lesen verstehen.
Gernhardt liest den Text anlässlich des 40-jährigen Jubiläum des Radius Verlags. Sein poetologischer Essay erscheint in der Zeitschrift "Das Plateau" Nr. 74.
zur Homepage 29. November: Donna Leon - "Das Gesetz der Lagune"
Burgtheater Wien , Beginn 20 Uhr
Zu nachtschlafender Stunde erschüttert ein gewaltiger Knall das Fischerdorf Pellestrina auf dem schmalen Landstreifen, der die venezianische Lagune von der Adria trennt. Zu Tode kommen zwei Muschelfischer. Commissario Brunetti verlässt die vertrauten Gassen Venedigs, um in Pellestrina zu ermitteln, doch die Bewohner schweigen.
Donna Leon wurde 1942 in New Jersey geboren, wo sie auch ihr Universitätsstudium abschloss. Derzeit lehrt sie Englische Literatur in Vicenza bei Venedig, wo sie auch lebt. Zu ihrem 60. Geburtstag ist Donna Leon zu Gast im Burgtheater und liest gemeinsam mit Elisabeth Orth aus ihrem aktuellen Bestseller.
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