Mit dem Modern Soul ist es so eine Sache. Den echten Soulfans ist er zu seicht, den Jazzern zu simpel, den HipHop-Freunden zu poppig. Den Popfans wiederum hat er zu viel Soul. Warum sich also Beyoncé ausgerechnet Luther Vandross, den Vorzeige-Modern-Souler der frühen Achtziger, für ein Duett auserkoren hat, weiß nur sie. "The Closer I Get To You" säuseln die beiden, bis die Butter aus dem Kühlschrank fließt. Das Stück geht so schnell wieder aus dem einen Ohr heraus, dass man sich fragt, ob es je durch das andere hereingekommen ist.

Beyoncé Knowles, Frontfrau des erfolgreichen Trios Destiny’s Child, ist nicht wenig stolz darauf, Songwriterin und Coproduzentin zu sein. Auf "Dangerously In Love" (Columbia Records), ihrem ersten Soloalbum, steht sie endlich ganz allein im Mittelpunkt. Wahrscheinlich hätte sie auch lange suchen müssen, um einen Produzenten zu finden, der den amtlichen Hitparaden-Mainstream so glänzend verinnerlicht hat wie sie. Das Album kommt dank guter Mechaniker (Jay-Z, Sean Paul, Missy Elliott) angedonnert wie ein frisierter Fünfzehntonner, aber spätestens beim fünften Stück merkt man, dass der Wagen gar keine Ladung an Bord hat. Weder findet sich jener tanzbare Groove, der guten R ’n’ B nun einmal ausmacht, noch Spaß am Experiment. Ganz zu schweigen von der Spiritualität des Gospels, die große Soulalben auszeichnet. "Dangerously In Love" verströmt glamouröse Selbstzufriedenheit, vom Duett mit Vandross über zahlreiche langsame Balladen, die lasziv wirken sollen, aber doch nur einlullen, bis hin zum "Hidden Bonustrack", einer kitschigen Hommage an ihren Daddy und Manager Mathew Knowles.

Viel Pathos und wenig Soul - schon das Cover ließ es ahnen. Es zeigt eine überirdisch schöne Frau, die ihren von glitzerndem Geschmeide kaum bedeckten Oberkörper ins Rampenlicht rückt. An Diven wie Diana Ross, Dionne Warwick oder Whitney Houston soll man denken, doch der Weg, den Beyoncé bis zu solchem Glanz noch zurücklegen muss, ist weit. Vielleicht hat es damit zu tun, dass es bei dieser Musik um nichts anderes mehr geht, als erfolgreich zu sein und dabei möglichst sexy auszusehen - die Zeiten der "race music" sind vorbei.

Beyoncé Knowles ist in ihrem Herzen Daddy’s Girl geblieben. Rebellion oder Avantgarde sind für ein bildschönes, behütetes Mädchen aus Texas wie sie zwangsläufig leere Begriffe. Mit ihren 21 Jahren gehört Beyoncé zur selben Generation wie Britney Spears. Und wer würde von der schon etwas anderes erwarten als "Oops"?