BELLETRISTIK

von Benedikt Erenz

Von Fliegen und Menschen
Geschichten und Gedichte, ausgewählt von Margrit Wyder
Insel Verlag, Frankfurt a. M. und Leipzig 2003
it 2933; 267 S., 8,- Euro
Schöne Taschenbuch-Anthologien macht der Insel Verlag, das muss der Leser immer wieder loben! Nicht nur solche, die es in vielen Verlagen gibt, über die Jahres- und Tageszeiten, die Liebe und das Reisen, sondern auch solche über Spinnen, über die alltäglichen Dinge, über den Regen, den Schnee und jetzt über Fliegen. Charmanterweise erscheint dieser Band zugleich mit einem anderen, über Schmetterlinge (ausgewählt von Simone Frieling; it 2882; 194 S., 8,50¤). Charmanterweise und zu Recht, denn die Fliegen sind ja die unscheinbaren Schwestern der Schmetterlinge. Beide gehören zusammen, und erinnern uns die einen an die bunte Flüchtigkeit, so die anderen an die zarte Nichtigkeit des großen Seins. Zwischen Himmel und Scheiße: Welches Tier spiegelte wahrer die menschliche Existenz als dieses allerunscheinbarste, die Fliege. Viele Dichter und Denker hat sie zur Meditation angeregt von Meister Eckart bis Issa, Goethe und Rimbaud und auch den virtuosen rheinischen Satiriker Herbert Eulenberg, der ihr 1911 gleich einen ganzen Roman gewidmet hat: Katinka. „Wir essen, wir fressen, / so ganz in uns vergessen“, singen da die Fliegen am Abend - und auch das sind Zeilen von höchster, steter Aktualität.
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SACHBUCH

von Manfred Sack

Gustav Peichl: Back to the pen, back to the pencil
Verlag Anton Pustet, Salzburg 2003; 87 S., 22,- Euro
Wie eigentlich entstehen Bauwerke? Wie entwerfen Architekten? Womit beginnen sie? Mit ein paar Kuli-Strichen? Am Computer? Oder? Bei dem Wiener Gustav Peichl, dem die spektakuläre Bonner Bundeskunsthalle genauso zu verdanken ist wie ein wunderbares Klärwerk in Berlin oder der etwas affektierte Bundestagskindergarten, kriegen wir es nun in einem mit bibliophiler Leidenschaft gemachten Büchlein vor Augen geführt. Wir sehen die Skizzen, die den Anfang machten, und die, wie die beigefügten Fotos zeigen, erstaunlicherweise dem später Gebauten gleichen. Peichl gehört zu den Altmeistern, denen die Fantasie durch die Hand aufs Papier fließt, die zeichnend denken, die infolgedessen Blei- und Buntstiften sowie der Feder mehr vertrauen als dem Computer. So ist das Büchlein auch eine Augenlust. Aber: Warum muss der Titel englisch sein? Klingt Bleistift zu banal?
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Danièle Pauly: Barragán - Raum und Schatten, Wand und Farbe
Birkhäuser Verlag, Basel 2002; 232 S., Abb., 72,- Euro
Es glückt nicht vielen so wie der Straßburger Autorin, uns das Leben, zugleich aber auch die Baukunst eines Architekten so zu schildern, dass das eine das andere und jedes sich selbst erklärt, sodass man alles, ohne je den Helden noch eines seiner Gebäude gesehen zu haben, vor Augen hat. Es geht um den berühmten Mexikaner Luis Barragán (1902 bis 1988), der in seinen Bauten das Kunststück vollbracht hat, die Tradition seines Landes mit mediterranen Vorlieben und der klassischen Moderne Europas zu vereinen - dabei zwar sehr „modern“, aber es auf gänzlich eigene Weise zu sein. Das zeigt sich in seiner ungemein plastischen, kantigen, äußerst farbenfrohen, virtuos mit Licht und Schatten spielenden Architektur, in der die Mauern, Höfe und Gärten ganz wichtig sind. Pauly beschreibt das so einleuchtend, dass man ihr wie einer Erzählerin folgt.
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