Belletristik

Von Konrad Heidkamp

Der Rock ’n’ Roll-König
Die Neuauflage seiner Geschichte vom Gitarre spielenden König erschien ein paar Wochen vor dem Tod des 59-jährigen Universalisten Volker Kriegel im Juni dieses Jahres: vom "King" mit dem verheerenden Timing, der immer die Pausen in "Satisfaction" versaute, daher verjagt wurde und dabei ein Mädchen fand, dem die Töne wichtiger als die Pausen waren. Als das Kindermärchen für Erwachsene 1982 erschien, konnte man es als anspielungsreiche, liebenswert boshafte Parabel lesen. Jetzt, da nur noch ältere Zeitgenossen das Spiel verstehen, gehört das Märchen endgültig den Kindern – mit seiner Geschichte von der Last des Ruhms, den Wonnen der Musik, den unerträglich eitlen Künstlern und den seltsamen Wegen der Liebe. Also doch was für Größere.
Volker Kriegel: Der Rock ’n’ Roll-König; Eichborn, Frankfurt 2003; 76 S., 14,95 Euro

Von Konrad Heidkamp

Olaf taucht ab
Da die schlimmste Seite des Jazz die Humorlosigkeit seiner Anhänger ist, hat sich der Jazzgitarrist Volker Kriegel dem Kinderbuch zugewandt. Seine Erzählungen und Zeichnungen vom Elch Olaf wurden zum Dauerbrenner bei Kindern samt vorlesenden Eltern. Zwar fehlt Olaf eine Schaufel, und das Abenteuer mit seinem Freund, dem Weihnachtsmann, und den drei Seeräubern, die seit 200 Jahren am Grunde des Meeres leben, geht nicht ganz störungsfrei aus, aber bei seinem Lieblingsgericht (Pilze mit Heidelbeeren, Rotwein) lässt sich das verschmerzen. Morgen fahren sie dann eine Runde Wasserski. So sollte das Leben sein, so denkt man an Volker Kriegel.
Volker Kriegel: Olaf taucht ab; Eichborn Verlag, Frankfurt 2002; 48 S., 12,95 Euro

Sachbuch

Von Manfred Sack

Idea and Form – Häuser von Szyszkowitz + Kowalski
Michael Szyszkowitz und Karla Kowalski entwerfen und bauen seit gut dreißig Jahren eine Architektur von äußerster Eigenart und Ausdruckskraft. Doch auch da, wo die beiden mit dem Bizarren spielen, tun sie das mit Verstand. Sie reizen Umgebung, Topografie, den Ort bis zum Äußersten aus und schaffen gebärdenreiche Gebäudefiguren, Grundrisse, Räume und Raumfolgen von außerordentlich gebrauchstüchtiger Fasson bis in die Details der Gestaltung. Und also hat man oft Anlass zum Staunen und lässt sich faszinieren. Karin Wilhelm beschreibt diese "leidenschaftlichen Häuser" inspiriert, sehr gründlich. Es wäre übrigens kein Zufall, wenn sich jemand an Scharoun oder Wright erinnert fühlte.
Karin Wilhelm: Idea and Form – Häuser von Szyszkowitz + Kowalski; dt./engl.; Birkhäuser, Basel 2003; 224 S., 65,– Euro