Lange Nächte sind nicht nur in Köln in. Die Museen machten den Anfang und öffnen seit einigen Jahren regelmäßig ihre Tore eine Nacht lang für Besucher. Ausstellungen, Führungen, Installationen und Parties locken seither auch Museumsmuffel in die zahlreichen Ausstellungsstätten der Stadt.

Erst vor zwei Wochen wurde der Versuch gestartet, eine "Cologne Night of Music" ins Leben zu rufen. Ein kläglicher Versuch, der in einer Nacht "Blumfeld" und die "Bläck Fööss" zu vereinen suchte. Der "Express" betitelte das Fiasko mit der hämischen Schlagzeile "Cologne Night of Pleite".
Erfolgreicher verlief die "Kölner Theaternacht" am 2. Oktober. Zum dritten Mal organisierte die Kölner Theaterkonferenz in einer Nacht Auftritte in 38 Spielstätten mit insgesamt 800 Mitwirkenden. Sowohl die städtischen Bühnen als auch die freien Theater waren beteiligt - und nahezu ausverkauft. 5.000 Theatergäste pendelten im Shuttle-Bus zwischen Schäl Sick und Innenstadt, zwischen Ehrenfeld und Rudolfplatz.

20 Uhr: Schauspielhaus

Zur Einstimmung eignen sich die "Short Cuts", in denen das Schauspielhaus-Ensemble zwanzig kurze Szenen aus den Stücken der kommenden Spielzeit zeigt.
Mit dem Ruf "Arsch hoch" drängt sich eine alte Dame an den Stuhlreihen vorbei. "So wie hier schläft man nirgends!" Die Schauspielerin Therese Dürrenberger ist es, die hier das Stück "First love" von Charles Mee ankündigt. Es folgen in atemberaubender Geschwindigkeit Szenen aus Goethes "Torquato Tasso", Kleists "Familie Schroffenstein", Fassbinders "Warum läuft Herr R. Amok". Abgang Bühne links, zwei Sekunden später Bühne rechts der nächste Protagonist. Astrid Lindgrens "Mio, mein Mio" veralbert eine schwarze Fäden webende Fee, den "Totentanz" von Strindberg geben Renate Fuhrmann und Bert Oberdorfer im rechten Seiteneingang in mystischem Licht.

Andris Vater aus Max Frischs "Andorra" hängt in der Halterung der Beleuchtung und verkündet per Megaphon seine Botschaft. Zum Abschluss nutzt Jörn Knebel die Tiefe der Bühne des Schaupielhauses und singt am Flügel "Strawberry Fields Forever". Vierzig Minuten lang Theater an der Oberfläche.

21:15 Uhr: Studiobühne

Eine junge Frau steht in gespannter Haltung auf der Bühne. Ihre Hände zu Fäusten geballt. Ihr Blick starr auf die Zuschauer gerichtet, die allmählich die wenigen Plätze der Studiobühne besetzen. Laute, trashige Musik unterstützt die von der Frau ausgehende Aggressivität.