Das Wort "Heimat" klingt altmodisch, irgendwie unpassend in einer vernetzten, grenzenlos gewordenen Welt. Wir nennen sie sogar globalisiert. Und ist in Deutschland das Reden über Heimat nicht sowieso anrüchig, weil unsere Geschichte die schrecklichsten Seiten der Heimatverbundenheit gezeigt hat? Heute ist Multikulturalismus, die bunte Mischung der Kulturen, angesagt gegen die ewig Gestrigen, die die Grenzen dicht machen und alle "Fremden" abschieben wollen. Doch mit der einfachen Gegenüberstellung von "Multikulti" und "Deutschland den Deutschen" ist man offenkundig in eine Sackgasse geraten. Statt auf ein fröhliches Fest der Kulturen trifft man im Alltag auf deutliche Trennungen zwischen deutschen und ausländischen Mitbürgern. Die Eingliederung kommt nicht voran und betroffen sind vor allem die Kinder und Jugendlichen. Darüber nachzudenken, was einem selbst Heimat bedeutet, welche Freiheiten und Probleme mit ihr verknüpft sind, macht aufmerksam für die Probleme der unfreiwillig Heimatlosen und all derjenigen, die zwischen verschiedenen Heimaten hin und her gerissen sind.

Im glücklichsten Fall kann man sich Heimat als einen Raum vorstellen, der Geborgenheit und Sicherheit gibt und doch ausreichend groß ist, um für andere und Unbekanntes offen zu stehen. Viele Menschen haben dieses Glück nicht. Die Künstler und Künstlerinnen dieser zweiten Staffel, "Heimat", (die erste Staffel beschäftigte sich mit Monstern ) zeigen Heimatverluste an sehr verschiedenen Orten der Welt, die durch den Zusammenbruch von Staaten, durch Kriege, Vertreibung oder wirtschaftliche Not entstanden sind. Ihre Arbeiten verbindet die Erfahrung, dass Heimat nicht ein paar gute und ein paar schlechte Eigenschaften besitzt, zwischen denen man wählen kann. Man kriegt (und verliert) sie nur ganz - mit allen ihren guten und schlechten Seiten. Und sie lässt sich nicht nach Belieben neu erfinden. In ihren Arbeiten fragen die Künstler deshalb: Woran knüpft sich Identität, also das, worin sich ein Mensch erkennt und findet? Wie stellt sich Heimat dar? Was hat sie mit Macht zu tun? Ist sie an ein bestimmtes Gebiet gebunden? Ist Heimat teilbar oder unteilbar; und kann man eine andere als eine geographische Heimat finden? Wie lässt sich eine alte Heimat in eine neue Heimat überführen? Wie fühlt es sich an, unwillkommen zu sein?

Ausstellungstipp:
Projekt Migration , 1. Oktober 2005 bis 15. Januar 2006
Kölnischer Kunstverein, Die Brücke, Hahnenstraße 6, D-50667 Köln

Heimat - Künstler und ihr Werk