Kunst für die nächste Generation (3) Raumfahrten
Das All zu erkunden gehört zu den ganz großen Träumen der Menschen. Die Anstrengungen sind gewaltig, die Fortschritte klein. Kein anderes Ziel ist für den Menschen so unerreichbar
Warum wollen Menschen überhaupt ins Weltall? Man stelle sich das vor: Da wohnen auf einem sonnigen, in vielen Teilen schönen und für sie auch nicht gerade kleinen Planeten Erde mikroskopisch winzige, schwächliche Wesen, die nicht mal Sekunden überleben - gemessen am All, das man auf 10 bis 20 Milliarden Jahre Alter und eine ebensolche Größe in Lichtjahren schätzt. Und von diesen Wesen denken, planen und bauen einige über viele Erdenjahre an - wiederum gemessen am All - jämmerlich kleinen und anfälligen Flugkörpern .
Dann laufen sie aufgeregt durcheinander in so genannten Bodenstationen, umgeben von blinkenden Lichtern, Schaltern, Monitoren, Funkgeräten, und bewundern ihre persönlichen Höchstleistungen: 1957 sandte der sowjetische * Satellit (Weltraumsonde) Sputnik 1 die ersten Funksignale auf die Erde. Dann brachte Sputnik 2 die Hündin Leika als erstes Lebewesen ins All. Ab 1962 wurden Fernsehbilder übermittelt. Danach setzte eine Handvoll ausgewählter Menschen ihren Fuß auf den Mond, hisste Landesfahnen und sammelte Gesteinsbrocken. Seit ein paar Jahren nun leben im Wechsel ein paar Leute in einer Raumstation, die um die Erde kreist, währenddessen ab und an eine unbemannte Raumsonde startet, die in ein paar Jahren auf einem der umliegenden Planeten ankommen soll. Und kürzlich durfte der erste Milliardär gegen sehr viel Geld mit auf einen Raumausflug.
In unseren Fantasien sind wir noch viel viel weiter gereist. Das heißt gemessen an der allgemeinen Faszination fürs All sind die tatsächlichen Erfolge klein. Dennoch sind wir ebenso süchtig nach den kleinen Erfolgen wie nach neuen fantastischen Entdeckergeschichten. Woher kommen die hochfliegenden Phantasien und was treibt die Menschen dazu, sie umsetzen zu wollen? Ist es Neugier und ein natürlicher Forscherdrang, wie die Wissenschaft behauptet? Ist es ein Aufbegehren gegen Gott, wie viele Kirchen glauben? Hat das Ganze politische Gründe, oder ist es am Ende bloß die Sensations- und Abenteuerlust unserer Medien- und Spaßgesellschaft? Oder gibt es da noch etwas anderes, etwas, was wir selbst nicht benennen können?
Die Künstler dieser Staffel aus unserer Reihe »Kunst für die nächste Generation« sehnen sich teilweise nach anderen Welten, teilweise kritisieren sie die Weltflucht. Sie zeigen und inszenieren die unklaren, bisweilen verwirrenden Übergänge zwischen technischer Möglichkeit und Einbildung, zwischen politischer Realität und tödlicher Enttäuschung.
** Das Wort sowjetisch heißt übersetzt wörtlich »:rätisch« und bezieht sich auf die ehemalige Sowjetunion (die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken), die das heutige Russland und unabhängige Anrainerländer vor dem Zusammenbruch des Sozialismus umfasste.
Ausstellungstipp:
Rückkehr ins All
Hamburger Kunsthalle, noch bis zum 12.2.2006
Raumfahrten - Künstler und ihr Werk
Die bekannte Schönheit der schönen Unbekannten »
Michael Sailstorfer inszeniert mit
Cast of the Surface of the Dark Side of the Moon
die Rückseite des Mondes
Sterben im All »
Via Lewandowsky errichtet in
Last Call
einen Gedenkraum für den Kosmonauten Komarow, der 1967 in seiner Raumkapsel starb. Eine grausige Inszenierung, in der er sich mit dem High-Tech-Kampf von Supermächten auseinandersetzt
Kunst! Und Unterhaltung »
Mariko Moris Utopie eines Ufos ist sanft und schön, trägt aber auch alle Merkmale eines klassischen Kunstwerks
Völlig losgelöst von der Erde »
Unsere Erde ist uns wichtig. Doch aus dem All betrachtet wirken die Welt und selbst Großereignisse wie das Ende der Weltmacht UdSSR klein und unbedeutend. Das zeigt Andrei Ujicas Film
Out of the Present
Zurück zur Übersichtsseite "Kunst für die nächste Generation" »
- Datum
- Quelle © ZEIT ONLINE, 6.1.2005
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren