KUNST FÜR DIE NÄCHSTE GENERATION (6) Terror
Gewalt aus Überzeugung ist - zumindest als Begriff - in unserem Alltag allgegenwärtig geworden. Künstler hinterfragen ihn: Gibt es Rechtfertigung oder "unschuldige Opfer"? Und wie stellt man Terror überhaupt dar? Sechste Staffel unserer Reihe "Kunst für die nächste Generation".
Terror ist ein modernes Fremdwort. Es verbreitete sich nach der Französischen Revolution, als mit La Terreur die Terrorherrschaft der Jakobiner und ihres Führers Maximilien de Robespierre begann. Dieser erste Terrorist der Geschichte starb am 28. Juni 1794 genauso wie er zuvor wohl an die 40.000 vermeintliche Revolutions- und Demokratiegegner hatte sterben lassen: durch die Guillotine.
Nach Robespierres Auffassung war Terror "nichts anderes als sofortige, unnachsichtige und unbeugsame Gerechtigkeit; folglich [...] ein Ausfluss der Tugend." Mit Terror verfolgten die Jakobiner jeden, der sich nicht freiwillig und ohne Widerspruch dem Gemeinwohl und dem Gemeinwillen unterordnete. Gemeinwohl wie Gemeinwillen waren dabei keine Entwürfe von demokratischen Mehrheiten, sondern hingen von den Entscheidungen einer tugendhaften Staatselite ab. In diesem Fall waren das die Jakobiner. Sie glaubten, im Besitz der Wahrheit zu sein, und entschieden über Leben und Tod der Bürger.
Die Jakobiner begannen mit dem Terror, um die Gegner von Revolution und Freiheit aufzuhalten. Doch sie brachten damit alle revolutionären Ideale zum Untergang. Hier wird der unlösbare Knoten aus Ideologie (einer auf Ideen gebauten Weltanschauung), Sendungsbewusstsein und Machtwillen anschaulich, der den Begriff "Terror" bis heute bestimmt. Immer ist es eine selbst ernannte, sich als wahrhaft tugendhaft begreifende Elite (Führungsschicht), die Terror als Mittel im Kampf für ihre religiöse oder ideologische Version einer gerechten Welt anführt. Diese Gruppe nimmt Terror als legitimes politisches Mittel - und begreift ihn deshalb als etwas grundsätzlich anderes als die willkürliche Gewalt eines Despoten (Willkürherrschers) oder dem blinden Wüten eines aufgebrachten Mobs. Der Terrorist versteht sich selbst als Heilsbringer, als Vollstrecker im Auftrag der guten und wahren Sache, der die Gegner seiner Sache einschüchtert oder zum Verstummen bringt.
Die einfache wie treffende Alltagsbewertung von Terror spiegelt sich dagegen in Floskeln wie Mach keinen Terror oder Was für ein Terror wider. Der Begriff steht für unnötige und unpassende Gewalt, für Streit und Ärger. Wer Terror macht, maßt sich etwas an, zu dem er weder Recht noch Anlass hat. Die terrorisierenden "Eliten" sind stets zu verblendet für solche Einsichten. Doch auch diejenigen, die von Terror bedroht werden, können leicht das Maß verlieren. So bleibt der aktuelle Kampf gegen den Terror eine Gratwanderung: Die westlichen Demokratien sind nicht allein von der Gewalt der anderen, sondern auch von der eigenen Gegengewalt und ihren erschreckenden Auswüchsen bedroht. Sie führen Krieg im Namen des Kampfes gegen den Terror, sie handeln gegen ihre eigenen Grundsätze im Umgang mit anderen Menschen in Gefängnissen wie Abu Ghraib oder Gefangenenlagern wie Guantánamo .
Die Frage ist unumgänglich: Muss, kann, soll oder darf einer Gewalt-Politik mit Gewalt begegnet werden? Haben wir andere Antworten auf Terroranschläge und Terroristen? Wie wird Terror dargestellt? Was sind "unschuldige Opfer"? Wie sind westliche Staaten in terroristische Gewalt verstrickt? Was bleibt von den (deutschen) Erfahrungen aus erlebtem Staatsterror? Die Künstler dieser Staffel beleuchten diese Fragen und finden zu verdichteten Darstellungen von terroristischer Gewalt. Sie schaffen zwiespältige Sinnbilder der Bedrohung, zeichnen komplizierte historische Terror-Hintergründe nach oder machen die öden Trümmer von Terror und Gegenterror zu einer visuellen Erfahrung.
Terror - Vier Künstler und ihre Arbeit
Die Erinnerung in uns »
Bilder wie vom 11. September 2001 hat Robert Longo in ein altarähnliches Werk eingebaut. Im Zentrum steht die Sinnlosigkeit des Todes so vieler Menschen
Vernichtende Ideen »
Lutz Dammbecks Installation "Cabin" erinnert an den Una-Bomber - und daran, dass es keinen Rückzug gibt in einen unschuldigen Zustand
In der Erinnerung verhaftet »
Die Künstlerinnen Jane und Louise Wilson legten mit ihrer Installation "Stasi City" eine Erinnerungsschleife an, die ganz ohne sichtbaren Schrecken auskommt. Und umso erschreckender wirkt
Der Anfang danach »
Mit ihrer Performance "White House" zeigt die afghanische Künstlerin Lida Abdul die Zerstörung in ihrem Land, ein wenig Zukunftsversprechen und Mut: Im Mai wird ihre Aktion erstmals in Kabul gezeigt
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- Datum
- Quelle ZEIT ONLINE, 10.4.2006
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Ich muss keine Kunst ansehen um zu erkennen was Gewalt und Terror anstellen-Rechtfertigung gibt es weder fuer Terror noch fuer Kunst,die sich offenbar abmueht die nicht gefragte Frage zu beantworten.Jeder der die Zeitungen liesst und mal die Nachrichten verfolgt weiss was Ergebnisse Gewalt und Terror nach sich ziehen und das ist mit Bestimmtheit keine Kunst!
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