Ein Kino als Lesesaal? - eine gute Idee, wenn das Lesen im Mittelpunkt steht. Doch bei Mario Giordanos "Der aus den Docks" ging es weniger um das Buch, als um die Verfilmung dazu. Mario Giordano las nur kurz aus seinem Buch vor.
Nach kaum fünf Minuten, in denen es gerade mal ruhig geworden war, schlug der Autor das Buch wieder zu. Die Lichter gingen aus, und der Vorhang öffnete sich für den Film. Allem Anschein nach sollte das alles gewesen sein in punkto Lesung. Trotzdem fieberten die Teenager bei dem Film wahrlich mit. Das Thema: illegale Tiergeschäfte im Hafenmilieu von Hamburg. Für jeden war eine Identifikationsperson dabei, vor allem den Außenseitern sprach eine der Hauptpersonen aus tiefstem Herzen: "Viele sagen ich hab einen Knall, ich sage: Ich bin meiner Zeit voraus!" In der anschließenden Diskussion verteilten die Kinder überwiegend gute bis sehr gute Noten. Eine Fünftklässlerin lobte den Film, weil "der Spannungsbogen immer wieder abflachte und dann wieder nach oben stieg" - schon sehr professionell.
Nur an das Buch dachte am Ende keiner mehr. Mario Giordano: Der aus den Docks
Abenteuer im Hafen Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2003, Paperback, 5,50 Euro
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