Fotografie : iPhonografie wird bald zum Klassiker

Smartphone-Fotografie befördert nicht den Niedergang der klassischen Digitalfotografie. Vielmehr sind es Facetten derselben Kunstform, schreibt Leser Frank Wöllnitz.

Über einige Reizwörter regen sich viele Anhänger der digitalen Spiegelreflexkamera derzeit auf, etwa Social Networks, Bildercloud, Hipstamatic und Instagram. Sie warnen vor dem Niedergang der klassischen Digitalfotografie, verursacht durch neumodische Smartphonetechnik.

Das ist nichts anderes als der immerwährende Generationenkampf von Alt gegen Neu. Schon in den Zeiten der Analogfotografie tobte dieser Kampf. Dogmatisch gefärbte Auseinandersetzungen wurden bereits über Großbild- versus Kleinbildkamera und zwischen Schwarzweiß versus Farbe geführt.

Alles was neu auf den Markt kam, musste sich gegen das Althergebrachte und den damit verbundenen Glaubenssätzen durchsetzen. Wer redet heute noch über die Einführung des Farbfilms oder der Kleinbildkamera?

Lediglich die Schlagzahl bei der Einführung neuer Techniken und Trends hat sich verändert. Die auf Spiegelreflexkameras basierende Digitalfotografie hat keine 100 Jahre Zeit für ihren Höhenflug gehabt. Nach nicht einmal 15 Jahren wird die Digitalfotografie zunehmend von Smartphones geprägt.

Man kann sich streiten, ob es sich dabei um eine Konkurrenz oder um eine Erweiterung der Möglichkeiten digitaler Fotografie handelt. Tatsache ist, dass Smartphone-Fotografie durch Instagram und Facebook zu einem Massenphänomen geworden ist. Durch Hipstamatic entwickelte sich die iPhonografie außerdem zu einer neuen Kunstform.

Der vermeintliche Gegensatz zwischen Spiegelreflexkamera und Smartphone beruht auf den unterschiedlichen Denkansätzen ihrer Vertreter. Anhänger der mobilen Fotografie sagen: Wir wollen keine kalte Perfektion mehr in unseren Bildern, keine Fußballfeldgroßen Ausdrucke, keine technische Objektiv-, Stativ- und Lichtorgie.

Smartphone-Fotografie steht für spontanen Spaß, nah am Motiv. Ihre Anhänger sagen: Wir wollen uns überraschen lassen, was am Ende für ein Bild entsteht. Wir wollen uns selber bewegen müssen, um das perfekte Bild zu kriegen. Und wir wollen mit den verschieden Effekten spielen, die uns das neue Medium zur Verfügung stellt.

Diese Aussagen stehen konträr zu den Idealen, die Anhänger der Spiegelreflexkamera vertreten. Hinzu kommt die Leichtigkeit samt niedrigen Kosten, mit der ein iPhonograf Erfolge erzielen kann. Und Erfolge werden erzielt: Es entstehen neue Plattformen, es werden Preise gewonnen und sogar der ehrwürdige National Geographic widmet dem Thema ein eigenes Buch.

Schon bald redet kein Mensch mehr darüber, dass man mit Smartphones gute Bilder machen kann. Dann redet man über die nächste Generation von Fotografie, was immer das auch sein mag.

Kommentare

36 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Nanana....

"Dabei stellt es keineswegs nur eine geringfügig nutzbare Alternative zu einer Spiegelreflexkamera dar, sondern es ersetzt die 'richtige' Kamera vollständig."

Vieles von dem, was Sie schreiben, würde ich ja glatt 1:1 unterschreiben. Aber eben nicht alles. Ein Smartphone ersetzt keine Spiegelreflexkamera, es ergänzt sie höchstens. Oder anders ausgedrückt, wenn Sie eh nur Schnappschüsse machen, ersetzt es sicher eine Spiegelreflexkamera, wenn Sie sich aber mehr mit Fotografie, Einfluss einer Blende, Zeit, Belichtung und Co. beschäftigen, dann sicher nicht.

Fotografie ist eben mehr als nur ein Draufhalten, um den Moment festzuhalten. Fotografie hat auch oft etwas mit Bildgestaltung, Experimentieren und ähnlichem zu tun und da stößt ein Smartphone irgendwann an seine Grenzen. Ich nutze mein Smartphone auch oft, um Schnappschüsse festzuhalten, aber richtig Spaß bringt es erst mit einer Spiegelreflex. Wobei ich eine Systemkamera ohne Spiegel habe, allerdings mit Wechselobjektiven, vergleichbar mit einer Spiegelreflex.