Tijan Sila

Home is where the Tod is

Nach 23 Jahren besuchte ich zum ersten Mal meine Heimatstadt Sarajevo. Ich fand Geschichten über Explosionen, Wunden, Hunger und Tumore. War das schön!

© Dado Ruvic/Reuters Pictures

Mich darf man alles Mögliche fragen, auch woher ich komme. Ich komme aus Sarajevo, Bosnien-Herzegowina, das Zuhause des FK Željezničar! Es gibt Menschen mit Migrationshintergrund, die diese Frage kränkt, meistens sind sie in Deutschland zur Welt gekommen und haben darum keine Antwort außer: Hamburg. Oder Rastatt, oder so. Weiter„Home is where the Tod is“

Rainer Merkel

Lieber Herr Schmadtke, können wir uns kurz abstimmen?

Die Bundesliga beginnt und mit ihr die große Depression. Die Hoffnungen und Transfer-Gerüchte des Sommers sind verpufft. Jetzt hilft nur noch beten. Oder wegschauen.

© Christof Stache/AFP/GettyImages

Wie hat das alles angefangen? Diese große Depression kurz bevor es richtig losgeht. Nach dem unendlichen Strom aus Transfer-Nachrichten und Transfer-Gerüchten des Sommers. Wie geht es jetzt weiter? Hilft jetzt nur noch beten? Eine große und rückhaltlose Beichte, bevor der erste Spieltag beginnt? Damals, als jugendlicher Ministrant, verließ man nach dem Acht-Uhr-Gottesdienst frohgemut die Kirche, fuhr schnell nach Hause und zog sich um, schlüpfte in die alte schmuddelige Adidas-Sporthose und radelte zum Park, um mit Klassenkameraden und deren Eltern zwischen den Bäumen in dem von Konrad Adenauer errichteten Kölner Stadtwald Fußball zu spielen. Weiter„Lieber Herr Schmadtke, können wir uns kurz abstimmen?“

Kirsten Fuchs

Vier Thesen zum Zeitphänomen „Große Ferien“

Die Sommerferien waren immer zu lang und zu kurz. Am Lagerfeuer dehnten sie sich ins Unendliche, während sie im Freibad zusammenschnurrten auf einen rasanten Augenblick.

© Tegan Mierle/Unsplash

Was ist nicht schon alles groß genannt worden? Der Große Vaterländische Krieg. Die große Hilde Knef. Der große Gatsby. Die mögen alle groß sein, aber die großen Ferien sind größer. Weder ausreichend noch seriös ist bisher untersucht worden, warum sich die feste physikalische Größe Zeit im Zusammenhang mit den großen Ferien als unfest herausstellt.

Schmilzt die Zeit bei der Hitze? Dehnt sie sich aus wegen der Wärme? Wächst sie, so wie man selbst im Verlaufe der großen Ferien wächst? Wächst also die Zeit, aus der die großen Ferien bestehen, mit einem zusammen, so wie sehr dehnbare Kleidung? Weiter„Vier Thesen zum Zeitphänomen „Große Ferien““

Adriana Altaras

Einmal ordentlich auf die Schnauze fallen, bitte

Spielplätze werden von besorgten Eltern beherrscht. Mit ihrer Angst bringen sie die Kinder um ihren Spaß und ihre Erfahrungen. Es ist zum Fürchten.

Eltern und Kinder auf dem Spielplatz
© Arthur Braunstein/Photocase.de

Letzte Woche war ich auf dem Spielplatz. Es ist eine ganze Weile her, dass ich zuletzt auf Spielplätzen gewesen bin, meine Söhne sind knapp zwanzig, da ist das nicht mehr ganz so nötig. Also, letzte Woche musste ich mit meiner Regieassistentin sprechen, die ist junge Mutter, und da ich mich erinnere, dass Beruf und Kinder nicht wirklich kompatibel sind, habe ich vorgeschlagen, uns auf dem Spielplatz zu treffen und vielleicht dort ein bisschen zu arbeiten. Weiter„Einmal ordentlich auf die Schnauze fallen, bitte“

Michael Ebmeyer

Die linke Leerstelle

Seit G20 in Hamburg ist „die Linke“ in Verruf geraten, und im konservativen Lager kehren selbstherrliche Zeiten zurück. Es ist eine trübe Debatte.

Copyright: Patrik Stollarz/AFP

Auf die Krawalle zum G20-Gipfel folgte die lange Nacht der Leitartikler, und sie ist noch nicht vorbei. Solche Nächte können Wochen dauern, selbst in unserer kurzatmigen Epoche. Ein wenig von dem Dunkel und dem Dünkel solcher Nächte kann sich sogar auf unbestimmte Zeit festsetzen und die öffentliche Debatte eintrüben.

Diesmal hat sich der Diskursnebel über „die Linken“ gesenkt. Wobei wir uns „die Linken“ als ein gigantisches Ungeheuer vorzustellen haben, dessen Schwänzchen sich im kreuzbraven SPD-Ortsverein ringelt und dessen Kopf bei den potenziellen „Mordbrennern“ (Martin Schulz) aus den berüchtigten autonomen Kreisen um sich schnappt. Weiter„Die linke Leerstelle“

Tilman Rammstedt

Balkoniens Hinterland soll ja sehr schön sein

Es ist Urlaubszeit, aber Sie wollen nicht schon wieder nach Dänemarkösterreichitalienfrankreich, nicht schon wieder auf einen dieser öden Segeltörns und auf keinen Fall schon wieder mit dem GöGa in die FeWo nach MeckPomm? Dann bleiben Sie doch einfach zu Hause.

© Ján Jakub Naništa/Unsplash

Mit den folgenden Tipps wird Ihr Sommer garantiert unvergesslich.

1. Erkunden Sie Ihre eigene Stadt. Wenn Ihnen das zu anstrengend ist, erkunden Sie Ihre Wohnung. Wenn Ihnen das immer noch zu anstrengend ist, erkunden Sie Ihren Kühlschrank. Vorteil: Auch im Sommer herrschen dort angenehm kühle Temperaturen. Nachteil: Es ist halt ein Kühlschrank. Weiter„Balkoniens Hinterland soll ja sehr schön sein“

Adriana Altaras

Immer diese Löffeldiebe

In Italien wimmelt es bekanntlich von Verbrechern. Die 97-jährige Tante unserer Autorin hat sich deshalb eine Überwachungskamera installieren lassen. Was die Videos nicht alles zeigen!

© Alex Harvey/Unsplash.com

Meine Tante lebt in Italien und hat schreckliche Angst vor Dieben. Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass sie bei ihr ein- und ausgehen, Dokumente stehlen und gelegentlich auch die Milch austrinken. Manchmal nehmen sie auch kleine Löffel mit. Wenn ich Tantchen frage, wer denn kleine Löffel mitnimmt statt echter Kostbarkeiten, antwortet sie selbstsicher: „Na, wer kleine Löffel braucht!“ Weiter„Immer diese Löffeldiebe“

Norbert Niemann

Unsere Leitkultur heißt Bauchgefühl

Populisten geben primitive Antworten auf komplexe Fragen. Wenn sich weltweit – auch in Deutschland – so viele Menschen von ihnen angesprochen fühlen, müssen wir dringend unsere Kommunikationsformen ändern.

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Die Populisten, ach – wir haben uns doch inzwischen schon fast an sie gewöhnt. Ihre Peinlichkeiten, Entgleisungen, irren Ansichten sind Alltag. Sie beginnen uns zu langweilen. Zumindest sind wir uns einig, wie am besten mit ihnen umzugehen ist: Wir machen uns über sie lustig. Einerseits erregen wir uns zwar weiterhin und vollkommen zu Recht über ihre Forderungen, ihre Vorhaben und – wo sie an der Macht sind – ihre Entscheidungen. Andererseits – was für Idioten! Donald Trump ist natürlich ihr Obertrottel. Längst gibt es ganze Witze-Seiten über ihn im Netz. Weiter„Unsere Leitkultur heißt Bauchgefühl“

Lucy Fricke

Zum Amüsieren fehlt mir die Lust

Es gibt viel schönere Dinge, als mit irgendwelchen Männern die Laken zu zerwühlen. Verschont mich also mit Dating-Quatsch. Und: Danke, es geht mir gut.

Copyright: Matt Glm/unsplash.com

Es gibt so viele Worte für sexuelle Orientierungen, dass nichts mehr normal scheint. Die Freiheit, alles sein zu können, führt zum Zwang, etwas sein zu müssen. Als ich zum ersten Mal den Begriff „sapiosexuell“ las, lachte ich noch laut. Sexuelles Begehren, das eher durch den Intellekt des anderen als durch äußerliche Attraktivität ausgelöst wird. Ach was. Für wen etwas anderes gilt, betreibt im Übrigen Downdating. Mit Menschen ins Bett gehen, die sozial und intellektuell unter einem stehen (aber geil aussehen!). Weiter„Zum Amüsieren fehlt mir die Lust“

Jochen Schmidt

Wir nannten es Erholung

Das große Kind kotzt schon im Auto zum Flughafen. Das Baby wacht morgens um fünf Uhr auf. Und dann auch noch die Schwiegereltern! Über die Tücken des Familienurlaubs

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Das Wichtigste am Familienurlaub mit kleinen Kindern ist, nicht mit der Erwartung zu fahren, sich zu erholen, dann kann man auch nicht enttäuscht sein, und es gibt hinterher keine Vorwürfe. Im Urlaub fehlt die Entlastung durch den Kindergarten, aber vor allem hat man nicht die Ausrede, arbeiten zu müssen, dadurch ziehen sich die Tage in die Länge wie Kaugummi, was im Urlaub ja eigentlich von Vorteil wäre, wenn man irgendetwas davon hätte. Schon im Taxi zum Flughafen muss der Kleine „spucken“, und wir haben für die kurze Strecke nicht an eine Tüte gedacht. Weiter„Wir nannten es Erholung“