‹ Alle Einträge

Der schauerliche Traum von einer europäischen Festung

Immer mehr Menschen schreien nach Abschottung. Wenn wir dieser völkischen Raserei nachgeben, werden wir für Jahrzehnte in einen gesellschaftlichen Abgrund stürzen.

© Laszlo Balogh
© Laszlo Balogh

In Zeiten der grassierenden Paranoia auch noch Edgar Allan Poe zu lesen, klingt wie keine gute Idee, kann aber sehr hilfreich sein. Poe war ja für einiges ein Spezialist. So auch für den Wahn von der Festung – eben den Wahn, der zurzeit in weiten Teilen Europas um sich greift und sogar als politisches Prinzip gehandelt wird. Das ganze Szenario der Abschottung einer Gruppe von Wohlhabenden gegen Elend und Terror hat Poe schon durchgespielt, kompakt und symbolträchtig, wie es seine Art war, und bis hin zum grauenvollen Ende.

The Masque of the Red Death (auf Deutsch als Die Maske des Roten Todes bekannt; wörtlich übersetzt würde der Titel „Das Maskenspiel des Roten Todes“ lauten) ist die rabiateste seiner Horrorgeschichten. Ein Fürst mit dem sprechenden Namen Prospero – also der, dem es prächtig geht – verbarrikadiert sich mit tausend Höflingen in einer Festung, weil ringsum eine Epidemie wütet. Während draußen der „Rote Tod“ die Menschen dahinrafft, feiern drinnen Prospero und seine Gesellschaft einen makabren Maskenball in erlesenem Ambiente. Nur der durchdringende Schlag einer Standuhr aus Ebenholz lässt das Fest zu jeder vollen Stunde kurz erlahmen. Aber schon im nächsten Moment rauscht es weiter. Und immer weiter. Bis auf einmal eine Figur auftaucht, die zuvor keiner bemerkt hat. Ihre Maske gleicht dem starren Gesicht einer Leiche, und ihr Gewand ist blutgetränkt, so wie bei den Opfern des „Roten Todes“. Da hört für alle, selbst für den Fürsten mit der Vorliebe fürs Bizarre, der Spaß auf.

Beim Versuch, den Frevler zu töten, fällt Prospero selbst tot um. Als einige Höflinge dann dem „Eindringling“ Maske und Kostüm vom Leib reißen wollen, stellen sie entsetzt fest, dass „keine fassbare Gestalt“ dahinter steckt. Die kleine Erzählung schließt mit dem Satz: „Und Finsternis und Verwesung und der Rote Tod hatten grenzenlose Herrschaft über alles.“

Ich will Die Maske des Roten Todes nicht überbeanspruchen. Weder betrachte ich sie als Prophezeiung noch als eindeutige politische Parabel. Was mich interessiert, ist, wie sie bestimmte Denk- und Verhaltensmuster anschaulich macht, die heute in der sogenannten Flüchtlingsdebatte und in der Terrorismusdebatte allzu oft den Ton angeben.

Nehmen wir den Wunsch, sich abzuschotten. Umgeben von schlimmster Not („keine Pest war je so tödlich gewesen“), versuchen die, die in Saus und Braus leben, nicht etwa zu helfen, sondern machen ihre Wohlstandsblase dicht. „The external world could care of itself“ – „Die Außenwelt konnte sehen, wo sie blieb“: Nach diesem Motto igeln sich die Happy Few ein. Und die Vorräte waren reichlich, heißt es bei Poe. Wie dieser Reichtum begründet, auf wessen Kosten er angehäuft worden ist und ob die Art, wie er zustande kommt, vielleicht in einem Zusammenhang steht mit der Pest, die draußen wütet, wird nicht erklärt, verbleibt also als Frage im Raum. So wie diejenigen, die heute Flüchtenden die Grenzen verschließen wollen, ungern Gedanken daran verschwenden, warum eigentlich Millionen Menschen verzweifelt ihr ganzes Leben zurücklassen.

Mörderischer Eindringling

In Poes Erzählung ist es der Schlag der Uhr, der die Festgesellschaft noch manchmal an die Wirklichkeit jenseits der Blase erinnert. Dann gerät sie kurz in Panik, bloß um anschließend weiterzumachen wie bisher. Es ist der gleiche Mechanismus, nach dem heute in der Festung Europa die meisten politischen und sozialen Debatten verlaufen; der gleiche Mechanismus, mit dem die EU jahrelang versucht hat, die „Flüchtlingskrise“ abzuhandeln. Und nun, da klar geworden ist, dass sie sich nicht abhandeln lässt, schrillt es bis weit in die angebliche politische Mitte hinein, man müsse die Festung fester machen. „Seht ihr denn auch nach den Morden von Paris nicht“, so zetern die Verfechter der Abschottung, „dass der Dschihad-Terror, dieser Rote Tod unserer Tage, bereits bei uns eingedrungen ist?“

„À propos!“, könnten sie fortfahren: „Auch bei Poe ist doch der, der das Verderben bringt, ein ‚Eindringling‘ – einer, der ‚wie ein Dieb in der Nacht‘ auftaucht, um alles zu zerstören. Wenn Die Maske des Roten Todes für unsere Gegenwart eine Botschaft haben soll, dann diese: Das Unheil kommt von auswärts; wenn wir es hereinlassen, droht uns der Untergang. Und eben davor warnen ja Pegida/AfD/Seehofer …“

Nun. Schauen wir uns Poes mörderischen Party-Pooper etwas genauer an. In der Tat wird er im Text einmal als „intruder“ bezeichnet, als Eindringling, und auch den Satz „He had come like a thief in the night“ haben wir Schwarz auf Weiß. Doch beide Aussagen werden aus der Perspektive der Höflinge getroffen. Sie sind ebenso haltbar oder nicht wie am Anfang der Geschichte die Beteuerungen, dass die Festung sicher abgedichtet sei. Für die Feiernden ist derjenige, der ihnen die Feier verdirbt, eh ein Eindringling, auch wenn er aus ihrer eigenen Mitte kommt. Sie wollen hinter der Maske unbedingt einen Anderen, einen Nicht-Zugehörigen dingfest machen. Doch das gelingt ihnen nicht. Die Maske ist hohl, die Gestalt gestaltlos: „Finsternis und Verwesung“ haben keine andere Herkunft als die Festung selbst.

Ideologisch verzerrt

Ob die Festung ganz dicht sein kann, ist nicht die Frage. Trotzdem sollten wir sie kurz stellen, denn sie ist ein guter Weg, um im Abschottungswunsch den Wahn zu erkennen. Dauernd wird gemahnt, hinter der Parole „Wir schaffen das“ – also „das“ mit all denen, die zu uns flüchten – stehe kein Konzept. Dabei ist so ein Konzept erstens nicht die Quadratur des Kreises, und wenn es nicht (oder nur undeutlich) formuliert wird, darf man als Grund dafür weitaus eher politische Feigheit vermuten als Ratlosigkeit. Zweitens aber lassen sich gesellschaftliche Umbrüche nur in den seltensten Fällen Zeit, bis für sie ein Konzept ausgearbeitet ist.

Was den Vorwurf jedoch noch lächerlicher macht, ist, dass es für die Gegenhaltung, also „Wir schaffen das nicht“, erst recht kein Konzept gibt. Für „Wir schaffen das nicht“ kann es gar kein Konzept geben, es sei denn, man hält apokalyptisches Dröhnen für ein Konzept. „Wir schaffen das nicht“ ist bloß ein hasenfüßigerer Ausdruck für „Die Außenwelt soll sehen, wo sie bleibt“. Dahinter steht mehr oder weniger verbrämte Feindseligkeit gegen das „Fremde“, vor allem aber die Angst vor Veränderung. Wer möchte, kann solche Gründe nachvollziehen oder versuchen, sie seriös einzukleiden; sie vernünftig zu finden, ist aber unmöglich. Immer beruhen sie auf einem willkürlichen, ideologisch verzerrten Status quo oder auf einem nicht minder in die Tasche gelogenen Zustand vor dem Eintritt des „Fremden“ in den eigenen Horizont. Rechtfertigen lassen sich diese Gründe nur im Rahmen einer perfiden „Scheinrationalität“, wie sie Sascha Lobo neulich als Lieblingsargumentationsverfahren unserer Zeit entlarvt hat.

Der Fehler der Festung liegt nicht in ihrer Konstruktion, sondern in ihrem Prinzip. Daran ändert auch Schönfärberei im Stil von „Wir wollen ja nur vorübergehend dichtmachen, bis sich draußen der Sturm gelegt hat“ nichts. In der Festung wird, es ist bloß eine Frage der Zeit, der Verfolgungswahn regieren. Der Terror wird kommen, man wird versuchen, ihn für fremd zu erklären, und man wird sich dabei hoffnungslos verheddern. Ist der Terrorist, der in der Festung geboren wurde, keiner von uns, solange er noch einen Namen trägt, den wir nicht als einheimisch wahrnehmen? Ist schon verdächtig, wer sich als Muslim bezeichnet? Oder wer zweisprachig aufwächst? Und warum waren die NSU-Terroristen so furchtbar unverdächtig? Warum werden die Hassverbrecher, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden, so wenig belangt?

Zetern der Vernagelten

Ach ja, und wer alles müsste eigentlich raus, damit in der Festung nur die verlieben, die wirklich „dazugehören“? Wäre es in Deutschland damit getan, die Bevölkerungszusammensetzung von Ende 1944 wiederherzustellen? Oder müsste auch noch die Einbürgerung der Hugenotten rückgängig gemacht werden? Unter den sich überschneidenden Bedürfnissen „Für uns soll sich nichts ändern“ und „Wir wollen unter uns bleiben“ klafft ein Abgrund der völkischen Raserei – ein Abgrund, in den heute jeder Pegida-Aufmarsch und jeder besorgtbürgerliche Forumkommentar schamlos Einblick bieten. Es ist dieser Abgrund, aus dem das Unheil in die Festung kommt.

Hier könnte zum Beispiel ein pfiffiger, festungsaffiner Sozialdemokrat einwenden: „Aber uns geht es doch nicht nur um Deutschland, uns geht es um Europa!“ Das ist Gewäsch, denn die Europäische Union stand ja einmal für das Gegenteil des Prinzips Festung. Lange Zeit konnte man sie mit ein bisschen Idealismus als den Versuch betrachten, das Prinzip Offenheit in einem ziemlich großen politischen Rahmen zu verwirklichen. Seit sie diesen Grundsatz aufgegeben und sich dem Festungswahn ergeben hat, sehen wir die EU zerfallen.

Ich fürchte, die Spaltung in Anhänger des Prinzips Festung und Anhänger des Prinzips Offenheit ist die tiefste, die unsere Gesellschaft seit Jahrzehnten erlebt hat. Und noch viel zu wenig setzen wir dem Zetern der Vernagelten entgegen. In der Maske der Scheinrationalität sickert fatales Ressentiment in den gedanklichen Mainstream: von den kaum noch hinterfragten allgemeinen Stigmatisierungen der Muslime über die spezielle Angst alternder deutscher Männer vor jungen Flüchtlingen bis hin zu hetzerischem Komplett-Irrsinn über angebliche UN-Pläne, die deutsche Bevölkerung auszutauschen. „Die Stimmung kippt“, frohlocken die Propagandisten der Festung gerne. Wir müssen dagegenhalten, mit voller Kraft. Mit Mut, mit Wahrheit, mit Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit. Denn das Prinzip Festung wird nie zu etwas anderem führen als zu „Finsternis und Verwesung“. Das Prinzip Offenheit dagegen mag fürs Erste erschreckend unübersichtlich und unwägbar erscheinen. Aber es bietet alle Chancen; und zwar nicht zuletzt für unsere – gesellschaftliche und geistige – Freiheit.

Noch einmal ganz kurz zurück zur Maske des Roten Todes. Wie fast immer bei Poe kann man die Erzählung auch so lesen, dass sie sich ganz im Gemüt eines einzelnen Menschen zuträgt. Zum Beispiel eines „patriotischen Europäers“, der seinen Kopf zur Festung ausgebaut hat. Immer tiefer verbohrt er sich in seinen Wahn, bis er schließlich durchknallt und selbst zum Terroristen wird.

Wie gesagt, ich möchte diese Geschichte nicht für eine Prophezeiung halten.

_________________

Sie möchten keinen Freitext verpassen? Aufgrund der großen Nachfrage gibt es jetzt einen Newsletter. Hier können Sie ihn abonnieren.


115 Kommentare

  1.   Ruman

    Immer diese unangenehmen Wahrheiten, – ätzend! Und doch ist es wie es ist: „Wir haben Angst und müssen doch mutig sein“.

  2.   Orankesee

    „Das Prinzip Offenheit dagegen mag fürs Erste erschreckend unübersichtlich und unwägbar erscheinen. Aber es bietet alle Chancen; und zwar nicht zuletzt für unsere – gesellschaftliche und geistige – Freiheit. “

    Erschreckend unübersichtlich und unwägbar ist noch sehr freundlich formuliert. Wenn wir die Grenzen nicht sofort abriegeln wird Deutschland sehr bald genauso aussehen wie der Nahe Osten.
    Schade, dass der Herr so merkwürdig unkonkret wird, wenn es um die „Chancen“ geht. Die einzige Chance ist der Import des Mittelalters und des permanenten Bürgerkriegs. Köln war da nur ein kleiner Vorgeschmack.

  3.   Nicht das ich alles gelesen hätte,

    aber wie hält es der Autor wohl persönlich? Lässt er nachts seine Haustür offen, falls es den Obdachlosen kalt ist oder noch jemandem was fehlt…
    Wenn nein, wieso nicht? Warum nicht das Prinzip erst mal im kleinen testen und dann seine Schlüsse daraus ziehen, bevor man Millionen von Menschen Teil eines solchen Experimentes werden lässt.
    Wir schaffen das haben schon andere deutsche Politiker mit verheerenden Folgen proklamiert. 1000 Jahre sinds dann aber dochnicht geworden…

  4.   beksen

    Wer ein offenes Europa ohne Grenzen möchte, kann gerne dafür eintreten. Es ist sein gutes Recht. Ich jedenfalls werde solange ich lebe dafür kämpfen, dass die Festung Europa ausgebaut wird. Warum tue ich das? Ganz einfach, ich bin ein rational und logisch denkender Mensch, der sich an fünf Fingern abzählen kann was mit Europa passiert, wenn bei der weiteren Bevölkerungsexplosion Afrikas und des nahen Ostens, keine „Festung“ Europa entsteht. Da überzeugen mich auch nicht die wirren Geschichten eines Sozialromantikers wie Poe.

  5.   Bárðarbunga

    „um im Abschottungswunsch den Wahn zu erkennen.“

    Da werfen wir das Buch von Poe mal kurz weg und machen eine Zeitreise ins Palästina des Jahres 1882:

    „Die erste Gruppe von 14 Personen ging am 6. Juli 1882 in Jaffa an Land, die zweite Gruppe mit 34 Personen kam zwei Jahre später. Ebenfalls ab 1882 begann der in Frankreich lebende Baron Edmond Rothschild in sechzehn Musterdörfern 12.000 Juden anzusiedeln…“

    Natürlich war der Abschottungswunsch – sollten die Araber ihn gehabt haben – nur ein kleiner Wahnsinn. Denn die folgende Einwanderung war ausgesprochen gut für sie… die Wirtschaft boomte, die Entwicklung ging spürbar voran. Nein, eine Abschottung wäre absolut falsch gewesen…

  6.   seh ich anders

    Es muss doch was zwischen schwarz (ganz zu) und weiß (ganz auf) geben.
    Weder der Abgrund noch die Alternativen sind mir in dem Text klargeworden.
    Weitermachen wie bisher?

  7.   Dieter P.

    „völkischen Raserei“

    Deutschlands geht mit seinen offenen Grenuzen einen Sonderweg, den das Land in ganz Europa isoliert. Ergebnis u.a. Aufbruchstimmung in Arabien und Afrka. Die Probleme dieser Politik werden immer offensichtlicher.

    Und die Verteidiger dieser Politik sehen es natürlich immer noch nicht ein, sondern reden von „völkischen Raserei“ wenn es darum geht, diese Entwicklung zu stoppen. Noch absurder als „völkischen Raserei“ kann man es vermutlich einfach nicht mehr formulieren.

    Bei Hugenotten, ging es übringens darum, dass eine verfolgte Minderheit von Protestestanten einen katholischem Land flohen und Zuflucht in protestantischen Ländern fanden. Nicht darum, dass Muslime aus muslimischen Ländern fliehen und Zuflucht in nicht-muslimischen Ländern suchen. Und um einen viel geringere Anzahl.

  8.   aehrenr

    Es ist schon ein wenig schockierend zu lesen, wie sich der Autor in seine Ansicht hineinsteigert.
    In der vollen Überzeugung in Besitz der wahren Ideologie zu sein, der gefälligst alle folgen sollten und die, falls falsch auch alle mit ausbaden sollen. Wer anderer Meinung ist, ist „völkisch“. Was auch anderes kann man in deutschen Diskussionen an Beleidigungen verwenden, wenn es einem ernst ist, als das Gegenüber gleich mal zum Nazi zu machen.
    Vielleicht hilft ein Eimer kaltes Wasser um wieder runter zu kommen?
    Dann könnte der Autor mal überlegen, dass die deutsche Regierung (mal abgesehen von den Österreichern) mit der Auffassung der offenen Grenzen ganz alleine dasteht in Europa, in der Welt, ja sogar in der Geschichte.
    Alleine diese Einsicht, abseits aller weiteren Argumente die man problemlos in diversen Foren findet, sollte den Autor zumindest in leichten Zweifel versetzen. „Alle anderen sind blöd, nur ich weiss es besser“ stimmt in den allermeisten Fällen nicht.

  9.   Zitronenkuchen

    „…keine Pest war je so toedlich gewesen…“
    „…versuchen die, die in Saus und Braus leben, nicht etwa zu helfen, sondern machen ihre Wohlstandsblase dicht…“

    Hier wird bildhaft versucht ein Gleichnis zur heutigen Zeit darzustellen. Ein sehr, sehr konkretes Bild entsteht, der Leser assoziiert.
    Leider kommt der Autor nicht um gewisse „Schlagworte“ drumrum. Schade. So wird der Leser mittels Parabel belehrt und nicht neutral einer muendigen Meinungsbildung ueberlassen.
    Ich mag Poe.

  10.   Kleine Waldhexe

    Ich kann hier nur für mich selbst sprechen, aber ich finde, die Existenz einer Grenze ist ein elementares Kennzeichen eines Staates.
    Auf ein rechtsstaatliches Prozedere beim Übertreten einer Staatsgrenze zu pochen (z.B. Kriterien für Einreiseberechtigungen zu formulieren), hat mit „völkischer Raserei“ nichts zu tun – auf diesen Trick falle ich nicht herein.
    Ähnliches gilt für die Behauptung, dass derjenige, der nicht jeden Flüchtling dieser Welt in Deutschland aufnehmen will, „nach Abschottung schreit“.
    Auf diese zuspitzende, Fronten verhärtende Rhetorik lasse ich mich nicht ein.
    Es besteht sogar die Möglichkeit, dass das gegenwärtige Einreiseprozedere an der deutsch-österreichsischen Grenze sich nicht unbedingt gut mit den zentralen Aufgaben unseres Staats verträgt:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/fluechtlingspolitik-bund-bleibt-verantwortlich-fuer-einreisekontrolle-14010167.html

    „In der Festung wird, es ist bloß eine Frage der Zeit, der Verfolgungswahn regieren. Der Terror wird kommen, man wird versuchen, ihn für fremd zu erklären, und man wird sich dabei hoffnungslos verheddern.“

    Lieber Herr Ebmeyer, das konnten Sie beim Schreiben dieses Artikels natürlich noch nicht wissen, aber inzwischen hat es schon wieder einen Terroranschlag gegeben, dieses Mal in Istanbul.
    Wenn das „Fremde von da draußen“ zu uns kommen will, dann soll es bitte freundlich auftreten. Sich gegen Fremdes abschotten zu wollen, ist lebensnotwendig, wenn dieses „Fremde“ so oft gewalttätige Formen annimmt.
    Ich persönlich finde es sogar wichtig, dass man Terror für etwas Fremdes erklärt. Was sollte es denn auch sonst sein? Gewalt auszuüben, andere Menschen zu töten und zu verletzen – dafür werde ich nie Verständnis aufbringen können, das wird mir immer fremd bleiben , und daran werde ich auch nichts ändern.