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Makronen! Meine Fresse!

Das war kein sehr schönes Jahr. Voller Auf und Ab, nur dieses Mal halt ohne Auf. Deshalb: Backen Sie diese dringend notwendigen Adventskekse. Versuchen Sie es wenigstens.

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© Getty Images

Wir wissen das alle: Das waren leider keine sehr schönen Wochen. Doch nun beginnt ja der Advent, die heilige Zeit, die Zeit der heiligen Plätzchen. Lassen wir also all die schlechten Nachrichten kurz hinter uns, ziehen uns unsere Schürzen über, klatschen in die Hände und fangen an zu backen. In schweren Zeiten gibt es schließlich keine bessere Ablenkung als das Backen. Hier exklusiv die besten Rezepte gegen die 2016-Tristesse:

Lebkuchenmännchen

Mehl, Butter, Honig, Zucker und Lebkuchengewürz unter ständigem Rühren erwärmen, anschließend zu einem Teig verkneten und abkühlen lassen. Rollen Sie den Teig dünn aus, stechen Sie kleine Figuren daraus. Im vorgeheizten Backofen etwa sieben Minuten bei 200 Grad backen und im Anschluss mit Perlen und Zuckerguss verzieren. Ihrer Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Leider. Stellen Sie sich beim Verzieren also vor, wie schlimm alles ist und wie viel schlimmer alles noch werden wird. Sagen Sie den Lebkuchenmännchen, dass sie viel zu gut für diese schlimme Welt sind und essen Sie sie schnell auf. Reden Sie dabei beruhigend auf die Männchen ein.

Vanillekipferln

Vermengen Sie Mehl, Butter, Zucker, Eigelb, Mandeln und Vanillemark mit leicht angefeuchteten Händen vorsichtig zu einem glatten Teig und lassen ihn anschließend kurz ruhen. Betrachten Sie den Teig ausdruckslos. Kneten Sie dann weiter. Immer weiter. Und weiter. Hören Sie nicht damit auf. Hören Sie niemals damit auf. Wenn Ihr Partner in die Küche kommt und fragt, ob alles in Ordnung sei, antworten Sie, dass nichts in Ordnung sei, dass überhaupt nichts in Ordnung sei, nichts glatt, nichts weich, nichts warm, sondern alles nur mürbe, unendlich mürbe. Wenn Ihr Partner Sie daraufhin in den Arm nehmen will, stoßen Sie ihn weg und kneten weiter. Besprenkeln Sie sich anschließend mit Vanillezucker.

Zimtsterne

Vermengen Sie Mandeln, Puderzucker und Eischnee zu einem lockeren Teig. Fügen Sie einen Teelöffel Zimt dazu, wenn Sie Zimt finden. Wenn nicht, auch egal. Ist ja alles egal. Lassen Sie den Teig anschließend über Nacht im Kühlschrank ruhen. Legen Sie sich dazu. Schließen Sie die Kühlschranktür, damit es schön dunkel ist. Schön kalt und schön dunkel, wie es sich offenbar gehört. Schmiegen Sie sich an den Teig. Weinen Sie leise. Weinen Sie etwas lauter.

Heidesand

Lassen Sie 300 Gramm Butter in einem Topf auf kleiner Flamme schmelzen, bis sie eine leicht bräunliche Farbe annimmt. Lassen Sie die Butter dann weiter schmelzen, bis sie eine dunkelbraune Farbe annimmt. Lassen Sie die Butter schmelzen, bis sie vollkommen schwarz ist und krustige Blasen wirft, die Sie böse anzischen. Schmelzen Sie die Butter, bis die Küche komplett voller Rauch ist. Rufen Sie um Hilfe. Spüren Sie, wie erleichternd es ist, um Hilfe zu rufen. Warten Sie auf Hilfe. Wenn Hilfe tatsächlich kommen sollte, lassen Sie sie nie wieder los.

Rum-Rosinen-Kipferl

Waschen und trocknen Sie die Rosinen, füllen Sie in ein verschließbares Gefäß und geben ein Schnapsglas Rum dazu. Verschließen Sie das Gefäß und werfen es weg. Trinken Sie die restliche Flasche Rum aus. Wenn eines Ihrer Kinder fragt, wann die Plätzchen fertig seien, sagen Sie: „Gleich, Schnuckiputzi.“ Die Kinder sollen sich ruhig schon einmal an die Enttäuschung gewöhnen. Wiederholen Sie anschließend mehrmals leise das Wort „Schnuckiputzi“, bis es kaum noch zu hören ist.

Makronen

Backen Sie Makronen. Probieren Sie die Makronen. Spüren Sie, wie wenig Makronen helfen. Warum sollten auch ausgerechnet Makronen helfen? Makronen? Allen Ernstes? Geben Sie sich eine Ohrfeige, weil Sie so dumm sein konnten, auf Makronen zu hoffen. Die Welt geht vor die Hunde, und Sie kommen hier an mit Makronen. Tolle Idee! Friedensnobelpreisverdächtig! Wirklich! Glückwunsch! Makronen! Meine Fresse!

Spekulatius

Googeln Sie, wie man Spekulatius backt. Bleiben Sie dabei, obwohl Sie es sich vorgenommen hatten, genau das nicht zu tun, wieder auf einer Nachrichtenseite hängen. Gehen Sie in den nächsten Supermarkt und kaufen sich eine Tüte Spekulatius. Essen Sie die Spekulatius noch an der Kasse auf. Fühlen Sie sich anschließend schuldig. Reden Sie sich ein, dass es doch gut ist, überhaupt noch irgendetwas zu spüren. Glauben Sie sich das halbwegs. Gehen Sie zurück in den Supermarkt und kaufen noch eine Flasche Rum für das nächste Blech Rum-Rosinen-Kipferl-ohne-Rosinen-und-ohne-Kipferl. Trinken Sie auch diese Rumflasche noch an der Kasse aus. Singen Sie auf dem Heimweg Weihnachtslieder. Singen Sie die Lieder inbrünstig. Singen Sie sie so schön wie nie zuvor. So schön wie ein Engel. Wie ein schuldiger, betrunkener, heillos torkelnder Engel.

10 Kommentare

  1.   kallemann

    /Achtung HUMOR:
    der Author hat doch einen an der Waffel, äääh am Keks.
    /HUMOR-Ende

  2.   Montfort

    „Adventskekse“? Ich weiß ja nicht, wie das in Bielefeld ist (soweit es überhaupt existiert) – aber im Rest von Deutschland backt man zu Weihnachten Plätzchen.

  3.   alice_42

    >> Wiederholen Sie anschließend mehrmals leise das Wort „Schnuckiputzi“, bis es kaum noch zu hören ist. <<

    Trippy. Schöne Rezepte. Ich würde allerdings den Schritt mit dem leisen Weinen übergehen, ist zu aufwendig. Einfach direkt zum Rum greifen. Gelingt sicher.

  4.   reniarr

    Man kann die Rezepte sicherlich noch etwas verfeinern und variieren. Nimmt man etwa statt normalem Rum gleich Strohrum, geht es viel schneller, bis kein „Schnuckiputzi“ mehr über die Lippen kommt.
    Auch braucht man vom Supermarkt nicht mehr nach Hause laufen, vor der Kasse auf Ex getrunken schafft man es höchstens noch durch die selbige und knallt dann direkt hin. Lustige Lieder lallend setzt man dann einfach beim zweiten Tel des Heidesandrezeptes an und wartet auf Hilfe – gebacken kriegt man dann eh nix mehr. Höchstens noch einen Keks, der sich bemerkbar macht, sobald man aus dem Koma erwacht und merkt wie alle auf ihm he-Rum trampeln. 😉

  5.   Karen Ready

    Besten Dank für die Rezepte! Ich sehe aber keine Mengenangaben–??

  6.   Kevok

    suuuper süüüß 🙂

  7.   Frieda1975

    Großartig! Das mich nach dieser Arbeitswoche noch jemand mit einem Artikel über Kekse zum Lachen bringt, chapeau!

  8.   Cosmea

    Danke für die Backanleitungen. Werde sehr viel Spass beim Backen haben, was manches in diesem Jahr ausgleichen wird. Sicher und gut Nuss 😉


  9. […] Wir haben ja diese Saison schon außergewöhnlich früh angefangen, Plätzchen zu backen. Traditionell hören wir dabei immer Ritter Rost feiert Weihnachten*, ein irrsinnig lustig-bescheuertes Kinderhörspiel, dass Kindern Spaß macht und Erwachsene das besinnliche Elend ein bisschen besser ertragen lässt. Die passenden Plätzchenrezepte für alle, die es mit der Weihnachtsstimmung auch nicht so leicht haben, gibt es hier: Makronen, meine Fresse! […]


  10. […] Adventsplätzchen backen macht gute Laune? Dann lest das hier: http://www.zeit.de/freitext/2016/11/25/advent-apokalypse-kekse/ […]