Fridolin Schley

In der Unruhe liegt die Kraft

Angeblich können wir uns jeden Tag neu erfinden. Stattdessen jammern wir über Alternativlosigkeit. Schluss damit. Lernen wir wieder, mit unseren Möglichkeiten produktiv umzugehen.

Credit: Will van Wingerden/Unsplash
Credit: Will van Wingerden/Unsplash

Trump – unmöglich, dass der gewählt wird. Der Flüchtlingsdeal mit der Türkei – schmutzig, aber halt zwingend. Die sedierten Reformen der großen Koalition – tja, Realpolitik. Zugeständnisse an Putin – bitter, aber man braucht ihn eben. Merkel tritt noch mal an – Mutti bleibt die Beste! Weiter„In der Unruhe liegt die Kraft“

Fridolin Schley

Noch einmal fliegen und sein Herz verlieren

Wenn alle Götter jung sind wie Neymar oder Kroos, müssen viele gestandene Helden frühzeitig abdanken. Dabei zeigt uns der Fußball doch, wie anmutig das Alter sein kann.

© Marcus Brandt/dpa
© Marcus Brandt/dpa

Er fliegt, noch immer fliegt er. WM 2014 in Brasilien, ein unerwartet nickliges Vorrundenspiel gegen Ghana. Ich konnte es nicht sehen, sondern nur blechern hören über die Kopfhörer eines alten, kleinen Taschenradios, das ich immer wieder leise fluchend nach stabilem Empfang auf meinem Schoß ausbalancierte, auf einer Busfahrt über Long Island, New York, umgeben von Amerikanern, denen Soccer kaum mehr bedeutet als eine weitere europäische Extravaganz und die ungläubig den Kopf schütteln, wenn sie hören, dass so ein Spiel tatsächlich 0:0 enden kann. Weiter„Noch einmal fliegen und sein Herz verlieren“

Fridolin Schley

Die Folgen können tödlich sein

Vor Jahren glaubten wir, den Rechtsradikalismus überwunden zu haben. Nun müssen wir den Riss erkennen, der unser Land durchzieht. Er könnte nicht bedrohlicher sein.

© Tobias Schwarz/Getty Images
© Tobias Schwarz/Getty Images

Ein Haarriss ist eine potenziell wachsende statische Materialschwäche. Besonders gefährlich sind solche Risse, wenn sie sich unbemerkt vergrößern, um dann in einer plötzlichen Kettenreaktion zu eruptiven örtlichen Absprengungen und Stabilitätsversagen zu führen. Diese können in der Folge tödlich sein.

Immer wieder frage ich mich, wann das begonnen hat, wann wir es haben einreißen lassen; und warum es mich so unruhig macht, keinen Anfang zu finden, nicht zu wissen, ob und wann sich da irgendwo ein einzelner Haarriss in uns gebildet und unerbittlich weitergeschoben, immer tiefer gebohrt hat – bis nun täglich etwas von diesem Land absprengt. Bis Politiker fordern dürfen, mitten in Europa auf hundeelende Familien zu schießen. Und es damit zweistellig in die Länderparlamente schaffen, und zu Anne Will ins Studio. Bis Menschen sich im Netz ganz offen gegenseitig ins Gas wünschen. Oder johlend und klatschend dabeistehen, wenn Notunterkünfte in Flammen aufgehen. Weiter„Die Folgen können tödlich sein“