Bundesligavereine dürfen für Radioreportagen aus ihren Fußballstadien ein besonderes Entgelt von den Sendern fordern. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag entschieden. Der Kartellsenat wies damit eine Klage des Privatsenders Radio Hamburg ab. Dieser wollte gegenüber der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sowie dem Hamburger Sportverein und dem FC St. Pauli einen Anspruch auf kostenlose Live-Übertragungen durchsetzen. © DLF BILD

Mit der Grundsatzentscheidung des BGH-Kartellsenats endet ein rund vierjähriger Rechtstreit, den der Sender Radio Hamburg stellvertretend für den im VPRT organisierten privaten Hörfunk geführt hatte. Die Sprecherin des Senders, Martina Müller, sieht in dem Karlsruher Richterspruch einen "Schlag gegen die Rundfunkfreiheit". Nach Auffassung des Programmdirektors Marzel Becker gehen die kommerziellen Bestrebungen der Vereine "ganz klar zu Lasten unserer Zuhörer".

Der BGH bestätigte mit dem Urteil, was seit einigen Jahren ohnehin Praxis ist. Ähnlich wie beim Fernsehen verlangt die DFL für Radioreportagen inzwischen - je nach Dauer und Reichweite - vier- bis fünfstellige Beträge pro Saison. Die Hörfunksender hatten sich dagegen mit dem Argument zur Wehr gesetzt, Radio sei mit Fernsehen nicht vergleichbar: Der Radioreporter erbringe mit der Schilderung des Spielgeschehens eine eigene kreative Leistung.

Nach Ansicht des BGH bedeutet das von der Vorinstanz den beklagten Vereinen eingeräumte Bestimmungsrecht - dass der Kauf einer Eintrittskarte noch kein Freischein für eine Rundfunkreportage aus dem Stadion bedeutet - noch keine marktbeherrschende Stellung. Das Hausrecht der Vereine bilde eine ausreichende Grundlage dafür, den Zutritt von Hörfunkveranstaltern von der Zahlung von Entgelten für die Berichterstattung abhängig zu machen, stellte der BGH fest.

Auch andere private Radiosender sehen die freie Sportberichterstattung durch das Hörfunk-Urteil des Bundesgerichtshofes gefährdet. Nach Ansicht des Vorsitzenden des Fachbereichs Hörfunk des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT), Hans-Dieter Hillmoth, wird dadurch die Rundfunkfreiheit den kommerziellen Interessen der Vereine untergeordnet.

"Was in einem ersten Schritt für den Hörfunk gilt, kann schnell auch zu einem Thema für unsere Print- und Fotokollegen werden," sagte Hillmoth. Nun werde man intensiv prüfen, wie die verfassungsrechtliche Rundfunkfreiheit künftig abgesichert werden könne. Dies könnte beispielsweise über eine klarstellende Regelung im Rundfunkstaatsvertrag erfolgen. Den Gang zum Bundesverfassungsgericht schloss der VPRT ebenfalls nicht aus.