Dr. Thomas Stavermann: An sich hätte ich fürs Interview ja ein Schalke-Trikot anziehen müssen.

Das Trikot des Vereins, bei dem 80 Prozent der Spieler Fußpilz haben, wie eine Studie der Hautkliniken Bochum und Recklinghausen ergab.
Das traf nicht nur die Schalker, die Dortmunder auch.

Fußpilz scheint ein echtes Problem für die Fußballer zu sein..
Sicherlich. Das sind Infektionen, gefördert durch Duschen oder starkes Schwitzen in Schuhen. Dadurch weicht die Haut auf – ein ideales Milieu für Pilze. Wir stellen zudem fest, dass Fußballer verstärkt Nagelpilz haben. Wenn die Nägel durch dauernde sportliche Belastungen gestört werden, lässt der Schutz vor Außeneinflüssen nach. Dann können sich Pilze in der Nagelplatte vermehren.

Ex-Hertha-Profi Alex Alves musste gar mal wegen Fußpilzes unters Messer. Hat ihm allerdings nur Spott eingebracht.
Zu Unrecht. Wenn Sie einen echten Nagelpilz haben und die Nagelplatte ins Bett einwächst, haben Sie eine dauerhafte Infektion. Vernünftig Fußball spielen geht damit nicht.

Und daran ändern moderne Schuhe nichts?
Nein, wie sollten sie? Bedenken Sie, dass die Fußballer acht Stunden am Tag in diesen Schuhen herumlaufen. Da können dann auch Hightechsocken nicht gegen an. Wenn man Lederschuhe ohne Socken trägt wie Sie, dann ist das übrigens auch nicht gut.

Hmm. Gehen wir mal weg von den Füßen. Was ist mit dem ständigen Duschen? Nach jedem Training, täglich.
Eigentlich kann eine Haut so etwas nicht tolerieren. Aber die Profis haben mittlerweile entsprechende Beratung. Darüber, welche Duschlotionen sie verwenden sollen. Mit möglichst geringem Alkohol- und Duftstoffgehalt. Alkohol greift den Fettfilm der Haut an.

Was hat es damit auf sich, dass viele Profis sich die Beine und womöglich noch woanders rasieren? Manche glauben, dass sie damit schneller sind. Intimrasur – bringt das was?
Das ist doch Blödsinn. Einen sportlichen Wert oder gar einen Spurtvorteil gibt es nicht. Das ist einfach ein Trend: Junge Männer rasieren sich heute gern die Körperhaare. Auch mit Hygiene hat das nichts zu tun. Wenn Fußballer sagen, sie tun das aus sportlichen Gründen, dann ist das nur eine Alibibehauptung. Das hat in Wirklichkeit wohl mehr mit den Wünschen der Freundin zu tun als mit sportlichen Motiven. Das ist nicht mehr als eine Mode, die von jungen Frauen auf junge Männer übergeschwappt ist.

Schadet das Rasieren der Haut sogar?
Haare haben stets Schutzfunktion, auch das Schamhaar. Jede Rasur ist erst einmal eine Reizung der Haut. Und die Gefahr von kleinen Verletzungen und Eindringen von Infektionen in die Haut, gerade wenn man viel schwitzt, wächst. Bei einer anderen Mode der Profis wird diese Schutzfunktion, ob bewusst oder nicht, interessanterweise total ernst genommen. Wenn sich Ballack oder Pizarro die Haare gelen, dann bedeutet das auch einen Schutz der Haare vor Sonnenbelastung. Diese Kahlkopfmode unter Fußballprofis dagegen – die werden in 20 bis 30 Jahren sonnenbedingte Schädigungen haben.

Das Ozonloch als Thema im Profifußball?
Die Sonnenbelastung in den Sommermonaten ist erheblich. Die Spieler werden schon sehen, was sie davon haben, wenn sie jetzt ständig kahlköpfig durch die Gegend flitzen. Was wir jetzt aus Australien im Tennis kennen, dass Schiedsrichter nur mit Kopfbedeckungen arbeiten dürfen, wird auch die Fußballer bald betreffen. Besonders bei diesen Transfers, wenn auf einmal ein Blassgesicht aus Skandinavien in Italien spielt.

Kamerun ist ja mal in diesen engen Einteilern aufgelaufen. Müssten Fußballer aus medizinischer Sicht nicht am besten im Ganzkörpertrikot spielen?
Im Sommer sollten sie unbedingt mehr anhaben. Bei Fußballern würde ich Kleidung nie verringern.

FIFA-Chef Blatter hat für knappere Kleidung im Frauenfußball plädiert.
Das ist Sexismus pur. Blatter und Beckenbauer – die tun sich da besonders hervor.