Wein WeinRouten
Von Bonn nach Miami Beach
Bonn: Fahndung
läuft
Stets ist er mit der verdeckten Ermittlung von Aromen befasst, seine Beweisstücke sammelt er in der Bonner Innenstadt unter der Tarnadresse „Der Weinkommissar“. Donna Leons Commissario Brunetti oder Andrea Camilleris Spürnase Montalbano könnten sein Vorbild gewesen sein, denn die rund 200 Positionen in den Regalen sind ausschließlich italienischer Herkunft. Außer Emilia Romagna und Latium ist jede Region vertreten: Südtirol mit Gewürztraminer von Nals & Magreid Entiklar (18 Euro), Piemont mit Barolo von Cavagnero aus La Morra (41,90 Euro), die Marken mit Verdicchio von Garofoli (5,40 bis 11 Euro) oder Umbrien mit Sagrantino von Antonelli (26,50 Euro). Fast alles Direktimporte vom Winzer – für ein möglichst gutes Preis-Genussverhältnis.
Vorn Handel, hinten Bar – das ist die Arbeitsweise der leitenden „Kommissarin“. Denn dieses Geschäft führt eine Frau: Katrin Modler, die zudem einen Weinladen in der Düsseldorfer Kö-Galerie betreibt.
Das Innenleben des „Weinkommissars“ hat sie geschmackvoll aufgehübscht: Stuckdecke mit großen Kristall-Leuchtern, dazu dunkles Holz. Vorn Stehtische, ein paar Stufen hinauf die Bar und weitere Tische. Offen gibt’s dort Pinot grigio von Attimis aus dem Friaul für fünf Euro oder Chianti classico von Lanciola aus der Toskana für sieben Euro (je 0,2 l). Dazu kleine kulinarische Weinbegleiter wie Schinken, Salami, Käse, Oliven und getrocknete Tomaten. Ab und zu werden verdächtige Winzer vorgeladen, um ihre Weine vorzustellen.
Caro Maurer
Der Weinkommissar
Friedrichstr. 20,
53111 Bonn-Innenstadt,
Tel. 0228-9 65 00 65,
Mo-Fr 11-21 Uhr, Sa 10-20 Uhr
Rostock: Sonne
scheint
Die Weinkarte, wie eine großformatige Zeitung aufgemacht, darf jeder Gast behalten. Sie listet etwas mehr als 100 Gewächse auf, knapp die Hälfte gibt es auch glasweise.
Die „Weinwirtschaft“ öffnet sich im Parterre des Steigenberger-Hotels „Sonne“ direkt zum Rostocker Marktplatz hin. Vorn ein modern eingerichteter Raum mit gut 60 Plätzen, im gemütlichen hinteren Teil gruppieren sich dunkle Holztische mit bequemen Stühlen entlang den terrakotta-roten Wänden.
Mittelpreisige Tropfen aus Deutschland, Frankreich und Italien dominieren das Weinangebot, so der 2004er Bacchus vom Landesweingut Kloster-Pforta aus Saale-Unstrut für 5,40 Euro. Mit 259,50 Euro führt der 1999er Opus One aus dem Napa Valley die Preisliste der Flaschenweine an.
Dazu gibt es Tapas, geeiste Gurkensuppe mit gebeiztem Lachs (3,80 Euro) und Saltimbocca vom Kalb mit Ratatouille und Rosmarinkartoffeln (15,80 Euro). Junger, flotter und gut gelaunter Service.
Axel Pinck
Weinwirtschaft
Neuer Markt 2,
18055 Rostock,
Tel. 0381-497 32 49,
Fax 497 33 51,
weinwirtschaft @hotel-sonne-rostock.de,
www.rostock.steigenberger.de
,
Mo 17-20 Uhr,
tgl. 11-24 Uhr
Wien:
Österreichisch
kombiniert
Gut 50 Weine serviert Tom Strassegger im „Fino“ auch glasweise. Gegen Ende eines jeden Monats mehren sich die „ausgetrunken“-Stempel neben den Weinangeboten. Dann wird es Zeit, die Karte zu überarbeiten. Wer seinen Lieblingswein nicht auf der kleinen Weinkarte findet, schaut in die Raritätenabteilung mit etwa 250 Positionen – große Namen aus Österreich und knapp 50 internationale Tropfen.
Der 2002er Riesling von F.X. Pichler kostet 125 Euro, der 2000er Sangiovese Le Pergole Torte 75 Euro. Die kleine Speisenkarte von Küchenchef Peter Bielek kombiniert österreichische und internationale Gerichte. Das köstliche, kross gebratene Branzinofilet (Wolfsbarsch) mit Paprikakraut und seidig geschlagenem Kartoffelespuma war seine 18,50 Euro wert, der gebackene und mit Rosmarinjus gereichte Ochsenschlepp (Ochsenschwanz) für 15,80 Euro harmonierte wunderbar mit dem Endivien-Kartoffelpüree, außerdem gibt’s preiswerte Crossover-Gerichte.
Die moderne Einrichtung in den hohen Räumen, mit Nussbaumdekor und schwarzen Polsterbänken, wirkt auf den ersten Blick recht cool, entfaltet aber schnell eine kommunikative Atmosphäre. Kein Wunder, dass sich das „Fino 7“ in kurzer Zeit zum after work-Weintreff für die Angestellten aus den nahe gelegenen Büros gemausert hat.
Alexander Jürgens
Fino 7
Kirchengasse 21,
A-1070 Wien,
Tel. 0043-1-5263899,
www.fino.at
, Mo-Sa 11-1 Uhr
Paris:
Dicker
Wälzer
Draußen wabert der Odeur von Kebab durch die Gassen, es riecht nach altem Fett und frischem Bier. „La Truffière“ liegt in unmittelbarer Nähe der Rue Mouffetard, einst historische Marktstraße, heute Vergnügungsviertel. Die französisch-englische Karte passt sich der touristenfreundlichen Atmosphäre an, ebenso das rustikale Ambiente mit Kellergewölben aus dem 17. Jahrhundert. Nur Stammgäste wissen, dass hier eine der besten Weinkarten der Kapitale gehütet wird. Die wiegt mindestens soviel wie das Telefonbuch von Paris und Umgebung und erstaunt durch den Mix von kleinen Entdeckungen und großen Klassikern. Von Flaschen aus dem Fitou ab 20 Euro bis zu einer kleinen Yquem-Sammlung ab 1921 ist alles dabei. Beeindruckend auch die Liste legendärer Jahrgänge unter den über 2400 Referenzen: 1961 ist u.a. mit Lynch-Bages, Cheval-Blanc oder Clos de l’Oratoire (280 Euro) vertreten.
Die Küche hält es mit Frankreichs Südwesten, lässt Schnecken-Cannelloni mit Steinpilzen, Entenleber mit Kartoffeln und Trüffelvinaigrette, gebratenes Schwein mit Lakritzjus oder Taube in zwei Gängen servieren, dazu kreative, moderne Desserts. Sommelier Vincent Martin kennt für jedes Gericht die passende Bouteille und empfiehlt auf Nachfrage gern glasweise servierte Weine.
Sehr freundlicher, aber leider auch omnipräsenter Service, der immer dann anrückt, wenn der Gast gerade Liebesschwüre murmelt oder den Füller zu einer Vertragsunterzeichnung zückt. Abends etwas überteuert.
Jörg Zipprick
La Truffière
4,
Rue Blainville,
F-75005
Paris,
Tel. 0033-146 33 29 82, Fax 146 33 64 74,
latruffiere@ wanadoo.fr,
Di-Sa 12-14, 19-22.30 Uhr,
Weihnachten geschl.
Massa Marittima:
Starke
Tropfen
Nur zwei Schritte vom Domplatz im beschaulichen Massa Marittima (Provinz Grosseto) entfernt liegt die „Enoteca Il Bacchino“. Der aus Ägypten stammende Magdy Lamel war lange Jahre General Manager bei Hilton, seine Frau Monica Bargelli stammt aus dem Ort. Neben lokalen Weinen wie dem Monteregio DOC – für zwei Euro das Glas im offenen Ausschank – wartet das sympathische Paar mit der Crème de la Crème italienischer und internationaler Tropfen auf.
Weine von Gaja, Biondi-Santi, Ornellaia, Sassicaia und Planeta finden sich in den Holzregalen – insgesamt 500 Positionen.
Zwei Ebenen bieten Platz für rund 25 Gäste. Kleine Leckereien wie Wildschweinsalami und -schinken, eine Auswahl von Pecorini, auch von Toni Ballarin, der legendären Käsemacherin (Salami-Käse-Teller 12 Euro), dazu Olivenöle, Marmeladen, Honig, Aceto Balsamico und Amedei-Schokolade.
Telsche Peters
Il Bacchino
Via Mancini 8,
I-58024 Massa Marittima (Gr),
Tel. u. Fax 0039-05 66 94 02 29,
info@ilbacchino.com, tgl. Apr.-Okt. 9-24 Uhr,
Nov.-März
8-13 und 16-20 Uhr
New York:
Göttlicher
Feierabend
„Beer o’clock“ sagt der Australier gern, wenn er Feierabend meint. „Wine o’clock“ müsste es dann wohl in Manhattan heißen, wenn die Büros schließen. Dann wird es voll im „Divine“. Denn für viele Gäste gibt es nichts Schöneres, als die Last des zurückliegenden Arbeitstages bei einem Glas kalifornischen Chardonnay zur happy hour in den Hintergrund zu rücken. Shari Schneide orientierte sich bei der Gründung 1996 an italienischen Weinbars und spanischen Tapas-Bars, und das Konzept funktioniert noch heute. Abends ist der lange Tresen bis auf den letzten Platz gefüllt – ebenso die ruhigeren Plätze auf der Empore: Mini-Lounges mit bequem gepolsterten Sofas. Sommers sind die Tische unter freiem Himmel auf der Dachterrasse heiß begehrt. Übrigens gibt es noch ein „Divine“ in New York – auch in Midtown East wird den Dürstenden aller Schreibtische geholfen (244E, 51st Street).
Die Karte mit mehr als 60 offenen Weinen, auch Ports und Sherrys, dazu eine Bubbly List mit über einem Dutzend Champagner und Schaumweinen, ist originell aufgebaut: Flights fassen diverse Tropfen unter einem Thema zusammen – „International Sauvignon blancs“ etwa oder „The Riesling“. „Merlot, Merlot, Merlot“ listet Weine dieser Rebsorte aus Napa, Chile, Sonoma und dem Languedoc auf. Sie können als Probierschluck, Glas oder Flasche – einzeln oder als Serie – geordert werden.
Auf der üppigen Speisenkarte wird zu jeder Tapa ein Wein empfohlen und zum Inklusivpreis angeboten. Eine 2003er Riesling Spätlese von Johannes Leitz aus Rüdesheim kostete 7,60 Euro das Glas, ein 2002er Merlot aus dem chilenischen Maipo 6,80 Euro. Dazu eine ordentliche Portion Miesmuscheln für moderate 7,20 Euro. Der kleine überbackene Artischocken-Parmesan-Dip mit Yuca Chips war dagegen mit 7,60 Euro etwas zu happig kalkuliert.
Axel Pinck
Divine
236 W 54th St.,
New York,
NY-10019,
Tel. 001-212-265-9463,
Mo-Fr 14.30-1.30 Uhr,
Sa 19-3 Uhr, So 18-1 Uhr
Miami Beach:
Ruhige Sache
Dezenter Jazz schwebt im „Vino“ durch den Raum. Keine laute Party-Atmosphäre wie am nahen Ocean Drive. Abgedimmte Halogenstrahler beleuchten ein Regal mit mehr als 200 Weinen.
Die 34-jährige Patronin Gigi Olah ist ausgebildete Konzertpianistin, sie entstammt einer ungarisch-kubanischen Gastronomenfamilie und hatte sich schon lange daran gestört, dass es in Miami zwar an jeder Ecke Cocktails, aber keine Weinbar gab. Und so zog sie mit ihrer Bar im September 2005 ins Epizentrum der Metropole in Miami Beach, nur einen Muschelwurf vom schicken South Beach entfernt.
Die wöchentlich wechselnde Karte umfasst rund 400 Positionen, viele von kleineren Weingütern. Gut 60 Tropfen werden glasweise ausgeschenkt, darunter ein weißer Burgunder Montagny 1er Cru 2003 von Pierre André für 8,80 Euro und ein 2003er Pinot noir von Erath Vineyards aus Oregon für 9,60 Euro.
Unter den Flaschenweinen ist auch ein 2003er Merlot der Kellerei Pedestal aus dem Columbia Valley für 92 Euro, kreiert
von flying winemaker Michel Rolland. Günstiger: 2003er Albariño der Bodega Valdamor aus Rías Baixas für 31 Euro.
Die Speisenkarte beschränkt sich auf einige appetitliche Happen „Winefood“: eine Platte mit französischem Käse (13 Euro), spanische Chorizo mit Manchego-Käse und Roma-Tomaten (9 Euro) oder geräucherter schottischer Wildlachs mit Frischkäse auf Tortillas (11 Euro).
Zwei Mal pro Woche gibt’s Jazz oder Rhythm & Blues live, einmal wöchentlich werden neue Weine vorgestellt. Wer nach dem Strandbesuch auf ein Gläschen vorbeikommt, darf sich freuen. Denn unter der Woche kosten diverse Rote und Weiße „by the glass“ bis 19 Uhr pauschal nur vier Euro.
lexander Jürgens
Vino Miami
1601
Washington Ave,
Suite 110
(Eingang 16th Street),
Miami Beach, FL 33139, USA,
el. 001-786-207 8466,
www.
vinomiami.com
, Di-Do 16-2 Uhr,
r-Sa 16-3 Uhr, So 18-2 Uhr,
Happy Hour Di-Fr 16-19 Uhr
- Datum 13.02.2007 - 03:37 Uhr
- Serie geniessen
- Quelle WeinGourmet/Jahreszeiten Verlag
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