Mit Blick auf die leeren Priesterseminare sei der Mangel vorhersehbar, sagte Erzbischof Robert Zollitsch am Freitag zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda. "Nur wenn wir doppelt so viel Neuaufnahmen hätten wie im Augenblick, dann wäre im Zusammenhang mit den anderen pastoralen Diensten eine Seelsorge, wie ich meine, verantwortbar durchführbar." Von einer Krise wollte Zollitsch aber nicht sprechen. "Wir hatten in Zeiten des Kulturkampfes im 19. Jahrhundert einen weitaus größeren Priestermangel als heute."

Die Kirche will nun verstärkt auf Werbung für das Priesteramt setzen, sagte der DBK-Vorsitzenden. "Es geht doch darum, wirklich Berufungen zu wecken, sie zu entdecken, zu begleiten und zu ermutigen", sagte Zollitsch. Er sei zuversichtlich, dass das im Sommer begonnene "Jahr des Priesters" helfe, Begeisterung für die Aufgabe in der katholischen Kirche zu wecken. Dennoch sei klar: "Die Zahl der Priester, die wir jetzt haben - und auch die der jungen, die nachfolgen - die ist zu gering. Da muss einiges mehr geschehen."

Kritikern zufolge sind das Eheverbot des Zölibats und die Überalterung der Kirchengemeinden mit daran Schuld, dass die Priesterseminare so leer sind. So fordert etwa die kirchenkritische Reformbewegung "Wir sind Kirche", dass auch Frauen der Zugang zum Priesteramt gewährt werden solle. Diese Entscheidung sei aber eine theologische Grundsatzfrage und liege nicht in der Macht der deutschen Bischöfe, hatte Zollitsch bereits in der Vergangenheit betont.

Eine der sichtbarsten Folgen des Priestermangels ist die Fusion vieler Kirchengemeinden in den vergangenen Jahren. Als Resultat müssen die Pfarrer immer öfter eine wachsende mehr Gläubige betreuen. Gab es früher noch regelmäßig Gottesdienste in jeder Kirche, wechseln die  Andachten heute zunehmend von einem Gotteshaus zum anderen. Nicht selten werden Kirchengebäude aus Sparzwang auch aufgegeben. Laut Zollitsch droht aber keine Kirchenschließungswelle. "Für mich hat Priorität, wenns um Sparmaßnahmen geht, dass wir uns von anderen Immobilien, die nicht Kirchen sind, trennen." Er sei zuversichtlich, dass die Gemeinden um ihre Kirchen kämpfen, auch wenn das für sie teuer werde. "Gerade, wenn ich an die Dörfer denke, werden sich die Menschen engagieren, um ihre Kirchen zu erhalten."