OECD-StudieDeutschland geizt bei Bildungsausgaben

Deutschland gibt im Vergleich der OECD-Länder zu wenig Geld für Bildung aus. Dabei wäre die Wirtschaftskrise genau der Zeitpunkt, um in die Bildung zu investieren, meinen die Bildungsforscher

Nur die Türkei, die Slowakei, Spanien und Irland lassen sich im Vergleich der OECD-Staaten Bildung weniger kosten als Deutschland. Wie die Organisation in ihrer Studie "Bildung auf einen Blick" darstellt, hat Deutschland 2006 lediglich einen Anteil von 4,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreicht.

Die Spitzenreiter Island, USA, Südkorea und Dänemark investieren dagegen einen Anteil von über sieben Prozent in die Ausbildung. Die Bundesregierung ist damit von ihrem Zehn-Prozent-Ziel noch weit entfernt. Allerdings sind die Zahlen auch schon drei Jahre alt.  Am Dienstag stellt OECD die Studie für 2007 vor.

Anzeige

Der neuen Studie zufolge sank 2007 im dritten Jahr in Folge mit 34 Prozent der Anteil der Studienanfänger an Hoch- und Fachschulen. Der Wert stieg zwar 2008 leicht wieder an - auf 36 Prozent. Die Autoren halten diesen im OECD-Schnitt niedrigen Wert trotzdem für bedenklich: Wegen der Wirtschaftskrise sinke die Aussicht auf neue Arbeitsplätze, aber der Bedarf der Wirtschaft an Hochqualifizierten steige. Die OECD hat ausgerechnet, dass Männer, die direkt nach der Schule beginnen zu studieren, mit einem Einkommensbonus von etwa 150.000 Euro rechnen können. Das nutzt dem Einzelnen ebenso wie der Volkswirtschaft. Außerdem ist in Deutschland ein Studium langfristig ein guter Schutz gegen Arbeitslosigkeit.

Darüber hinaus seien Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen politisch aktiver, gesünder und vertrauensvoller. Die Rendite ist also nicht nur finanzieller Natur, sondern auch sozialer.

Ebenfalls negativ wird die geringe Weiterbildungsbereitschaft in Deutschland bewertet. Einen umfassenden Überblick gibt es zwar darüber nicht. Vergleichen kann man jedoch die Zahl der älteren Studierenden. In Deutschland liegt der Anteil der 30 bis 40-jährigen Hochschüler gerade mal bei 2,5 Prozent. Länder wie Schweden, Finnland oder Australien erreichen hier Quoten von 13 Prozent.

"Wenn Deutschland gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren", sagte die OECD-Direktorin für Bildung, Barbara Ischinger, bei der Präsentation der Studie. "Dies gilt für die Erstqualifikation wie auch für die Weiterbildung."
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Buker
    • 08. September 2009 10:04 Uhr

    Seit Jahren das gleiche Spiel, alle Politiker labern über Ideengesellschaft und wie wichtig Bildung ist, dass mehr getan werden muß und so weiter und so fort...
    Ich kann es langsam echt nicht mehr hören! Während die Rentenzuschüsse Jahr um Jahr steigen wird Deutschland an der Bildung kaputtgespart.
    Nicht dass ich falsch verstanden werde, die Lebensleistung der älteren Generationen soll gewürdigt werden, aber doch nicht auf Kosten der Zukunft dieses Landes!!!

  1. ist ja irgendwie auch klar, es ist schlichtweg kein geld mehr da, und bildung ist einer der wenigen bereiche wo man geld abzweigen kann, bei den pensionisten geht es ja nicht, das sind viele wähler, kinder dürfen nicht wählen, werden daher von der politik vergessen, und omi und opi denken auch nicht an die enkelkinder, da wirkt sich das verlorene oder nie erlernte wissen in mathe aus

    aber das ist anderen europäischen staaten nicht viel anders, die bildung ist in den europäischen staaten im eimer

    • Chali
    • 08. September 2009 11:40 Uhr

    Wir versuchen lediglich, den Haushalt in Ordnung zu bringen. Und wenn da 100 Mia durch den Schornstein gehen, bleibt für den nebensächlicheren Rest eben nicht mehr so viel übrig!

  2. Seit Jahren redet die Politik vom "Bildungsstandort Deutschland" und vom "Standortvorteil". Kürzlich erst wurde mal wieder von einem Politiker über die ach so schlechte Arbeitsmoral im Ausland hergezogen.

    WANN WACHEN DIESE LEUTE ENDLICH AUF????

    Bildung gibt es nicht umsonst. Deutsche Unis sind schon seit Jahrzehnten im Abschwung. Forschungstalente wandern ins Ausland ab. Die Arbeitsmoral ist in den allermeisten Ländern nicht mehr das, was sie vielleicht in den 60ern mal war (wenn überhaupt, denn Deutschland war schon immer Meister -- der Selbstüberschätzung). Vielfach sind Schüler, Studenten und Arbeitnehmer in anderen Ländern motivierter, einfach, weil sie noch "hungrig" auf einen angenehmen Lebensstandard sind. Das weiß jeder, der einmal beruflich mit Chinesen, Rumänen, Ungarn etc. pp. zu tun hatte. Firmen haben das längst erkannt und wandern in Scharen ab.

    Das Einzige, was Deutschland in dem Kontext retten kann (eine Ausweitung auf chinesische Arbeitszeiten ist nun wirklich nicht anzustreben), ist eine (Arbeits-)Gesellschaft basierend auf hoher Qualifikation und Know-how. DAS ist in der modernen Welt der Standortvorteil. Die Grundlage dafür muss bereits in der Schule gelegt und an der Uni in innovativen, flexiblen Studiengängen gefestigt und vertieft werden.

    Wenn das nicht passiert, sehe ich für die Zukunft schwarz...

    Aber immerhin, als Arbeitnehmer hat man die selben Möglichkeiten wie Firmen -- man kann auch dorthin abwandern, wo die Bedingungen besser sind.

    j

  3. Auch wenn ich die beschriebene Tendenz für bedenklich halte, so finde ich die Relation Bildungsausgaben/BIP etwas verzerrend. Wir leben nun mal in keinem kinderreichen Land, und würde man die Ausgaben in Relation zu den Schüler- und Studentenzahlen setzen, käme vielleicht ein anderes Ergebnis heraus, zumal wir eine geringere relative Studentenzahl haben. Ein weiterer Effekt dürfte sein, dass wir noch immer keine flächendeckenden Ganztagsschulen haben. In Ländern, die dies bereits seit langem haben, fließen sicher auch Gelder in Schulspeisungen und ähnliches, während bei uns familiär gekaufte Nahrungsmittel kaum dem Bildungsetat zugerechnet werden dürften. Was mich z.B. erstaunt, ist der hohe Wert in den USA, deren allgemeines Schulsystem wirklich nicht zu den besten zählt. Ich denke mal, dass dort sehr viel Geld in Eliteschulen und Eliteunis fließt. Der absolute Wert lässt deshalb noch keine Rückschlüsse auf die Verteilung zu.

  4. ....an die Wahlversprechen 98!
    Gerhard (Gasprom) Schröder: "Wir müssen wieder in die Bildung investieren!"

    Was davon geblieben ist zeigt diese Studie. Wenn man sieht, das sogar Ungarn mehr Geld ausgibt und das im Verhältnis zu ihrem wesentlich niedrigeren BIP, dann wird man schon nachdenklich. Die haben doch auch wesentlich weniger Einwohner/ Kinder.

  5. "Der neuen Studie zufolge sank 2007 im dritten Jahr in Folge mit 34 Prozent der Anteil der Studienanfänger an Hoch- und Fachschulen. Der Wert stieg zwar 2008 leicht wieder an - auf 36 Prozent."

    Moment mal - was wir wirklich nicht brauchen sind noch mehr Sozialwissenschaftler und BWLer, bzw. mediokre Jurastudenten. Stattdessen brauchen wir mehr Spitzenkräfte. Die Schweiz ist in dieser Hinsicht interessant: hier studiert nur eine Minderheit, der Grossteil der Schulabgänger macht eine Lehre. Kleine aber feine Universitäten sind die Folge und die wenigen Studenten können hier unter optimalen Bedingungen lernen und forschen. Dieses System scheint zu funktionieren. Die Schweiz ist einer der innovativsten Staaten der Welt und in der Forschung ganz weit vorn. Arbeitslosgkeit gibt es so gut wie nicht und auch der Sozialneid ist wesentlich geringer ausgeprägt als bei uns.
    Deshalb: mehr Mut zur Selektion! Tod den Massenunis! Macht diese grauen Stätten der Durchschnittlichkeit endlich dicht und gibt den Leuten eine ordentliche Ausbildung.

  6. ...nach mehr Geld für die Bildung und eben das bringt mich auf Gedanken, ob da alles sauber ist?! Warum sollte es Jemanden nicht einmal einfallen: Kommen, schauen Mal wir mit staatlichem Auge, wie das Geld, dass wir in die Schulen investieren, verwendet wird?! Hier, bitte, Kommentar 2. dazu:
    http://bildungsklick.de/a...
    In NRW z.B. sollten 4000 Lehrer fehlen, jetzt stellt sich fest, -fehlen 8000! Keine rote, grüne, rechte oder linke fragen Frau Sommer, wie sie jahrelang ohne 8000 Lehrer ausgegangen ist?! Wenn ein Lehrer 2000. Euro verdient, sind das bei 200. Mio. Euro pro Jahr. Die Frage ist: Haben sie dort das Geld gespart oder doch „verteilt“? Vielleicht deshalb schreien alle Parteien nach mehr Geld...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bundesregierung | OECD | Arbeitslosigkeit | Ausbildung | Autor | Bildung
Service