Festnahme in Zürich Roman Polanski droht Auslieferung an die USA
Der Regisseur und Oscar-Preisträger Polanski wurde bei seiner Einreise in die Schweiz festgenommen. Grund ist ein US-Haftbefehl wegen Vergewaltigung aus dem Jahr 1978.
Der 76-jährige Filmregisseur war auf dem Weg zum Filmfestival Zürich, als er verhaftet wurde. Das bestätigten am Sonntag die Polizei und eine Vertreterin des Filmfestivals in Zürich. Grund für die Festnahme sei der seit 1978 bestehende Haftbefehl der US-Behörden gegen Polanski, der vor mehr als drei Jahrzehnten in Kalifornien eine 13-Jährige vergewaltigt haben soll.
Die Verhaftung war schon längere Zeit von der US-Justiz vorbereitet worden, wie die "Los Angeles Times" berichtet. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Polanski in einem Land festgenommen werden sollte, das ein Auslieferungsabkommen mit den USA abgeschlossen hat, zitiert die Zeitung die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Sandi Gibbons. Wenigstens zweimal schon seien alle erforderlichen Papiere in Los Angeles vorbereitet worden. "Aber offensichtlich bekam er Wind davon und änderte seine Reisepläne", sagte Gibbons.
Der in Polen geborene Filmemacher hatte sich damals schuldig bekannt, im Jahr 1977 in der Villa von Hollywoodstar Jack Nicholson die 13-Jährige mit Champagner und Drogen gefügig gemacht und verführt zu haben. Sex mit einer Minderjährigen gilt in Kalifornien automatisch als Vergewaltigung.
Polanski verbrachte 42 Tage unter psychiatrischer Beobachtung. Er floh aus Angst vor einer längeren Gefängnisstrafe dann aber unmittelbar vor der Urteilsverkündung nach Frankreich. Seitdem hat er die USA nie wieder betreten. Auch zur Oscar-Verleihung im Jahr 2003, auf der er für den Film Der Pianist als bester Regisseur ausgezeichnet wurde, kam er nicht.
Der Filmemacher sei in "provisorische Auslieferungshaft" genommen worden, erklärte Ministeriumssprecher Balmer. Auf die Frage, warum er, der in den vergangenen Jahren mehrfach vollkommen unbehelligt in der Schweiz zu Gast war, gerade jetzt festgenommen wurde, antwortete der Sprecher: "Wir wussten diesmal genau, wann er einreist." Der "Los Angeles Times" sagte er, Polanski könne schon "in wenigen Tagen" dem Gericht in Kalifornien überstellt werden, wenn er seiner Auslieferung zustimme. Umgekehrt könnte sich das Verfahren in der Schweiz "Monate, wenn nicht sogar länger" hinziehen, sagte Guido Ballmer der Zeitung. US-Rechtsexperten zufolge könnte ihm eine Haftstrafe bis zu vier Jahren drohen.
Die Organisatoren des Filmfestivals wurden von der Verhaftung des Regisseurs total überrascht. Die Schweizer Filmszene zeigte sich empört. Das Vorgehen der Behörden sei nicht nur eine "groteske Justizposse, sondern auch ein ungeheuerer Kulturskandal", schrieb der Verband der Regisseure. Die Verhaftung werde dem Land weltweit Schaden zufügen, kritisierte der Verband Filmregie und Drehbuch. Der Regisseur war offiziell von den Schweizer Filmfestspielen als Ehrengast eingeladen worden. Am Sonntagabend sollte der französische Staatsbürger in Zürich mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden. Das Festival verschob die Ehrung "auf einen unbestimmten Zeitpunkt", wollte den Regisseur aber wie geplant mit einer großen "Tribute to Roman Polanski"-Retrospektive würdigen.
Auch die französische Regierung zeigte sich überrascht über die Festnahme. Er sei "höchst erstaunt" über "das Vorgehen gegen den international renommierten Regisseur", erklärte Kulturminister Frédéric Mitterrand im Rundfunk. Präsident Nicolas Sarkozy wünsche "eine schnelle Lösung der Lage". Polanskis Anwalt Georges Kiejman kündigte an, gegen die Festnahme Widerspruch einzulegen. Polanski stammt aus Polen, Mitte der 70er Jahre nahm er die französische Staatsbürgerschaft an.
In der polnischen Hauptstadt Warschau sagte ein Außenamtssprecher, der polnische Botschafter in der Schweiz habe dem Regisseur Konsularhilfe angeboten. Außenminister Radoslaw Sikorski kündigte an, die US-Behörden um Gnade ersuchen zu wollen. Präsident Lech Kaczynski sagte, derartige Fälle seien "verdammt schwierig". Zuständig seien ja nicht die Bundesbehörden, sondern ein US-Staat.
Polnische Filmemacher machten ebenso gegen die Verhaftung von Roman Polanski mobil. In einem Schreiben an die Regierung hätten sie um eine "schnelle Intervention" gebeten, sagte der Chef der polnischen Filmemachervereinigung, Jacek Bromski. Die Verhaftung verstoße möglicherweise gegen das Völkerrecht, erklärte er der Polnischen Presse-Agentur PAP.
Für Unverständnis sorgte die Festnahme bei vielen auch deshalb, weil das damalige Opfer dem Regisseur längst öffentlich verziehen hat. Doch erst im Mai war Polanski endgültig mit seinem Antrag gescheitert, das Vergewaltigungsverfahren in Kalifornien nach 32 Jahren endlich für geschlossen zu erklären. Ein Gericht in Los Angeles hatte sein Ersuchen abgelehnt und das persönliche Erscheinen des Regisseurs gefordert. Für vorsätzliche Vergewaltigung gebe es keine Verjährung.
Der US-Haftbefehl gegen ihn liegt bereits seit 1978 vor, seit Ende 2005 gibt es einen internationalen Haftbefehl. Trotzdem konnte Polanski zum Beispiel im Frühjahr 2009 unbehelligt seinen neuen Film "The Ghost" mit Stars wie Pierce Brosnan und Ewan McGregor in Deutschland drehen, unter anderem auf Sylt. Zwei Tage vor seiner Verhaftung war eine der Mörderinnen von Polanskis hochschwangerer Frau Sharon Tate gestorben. Der Tod von Susan Atkins hatte den Fall in die Medien zurückgebracht. Die frühere Anhängerin des Sektenführers Charles Manson erlag einem Krebsleiden. Sie hatte 38 Jahre lang hinter Gittern gesessen und starb 61-jährig in einem Gefängnis in Kalifornien.
- Datum 28.09.2009 - 08:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Egal, wer wen "verführt" hat, es gibt keine Entschuldigung für solches Handeln: Sex mit einer Minderjährigen, dazu noch Verabreichen von Drogen und Alkohol an selbige... Da spielt es für mich in keinster Weise eine Rolle, ob das "Opfer" ihm inzwischen verziehen hat (oder ob für dieses Verzeihen Geld eine Rolle gespielt hatte).
Mich überrascht es allerdings, dass dieser Herr 32 Jahre lang unangetastet in Europa überall ungehindert ein- und ausging. Wäre das einem "normalen" Bürger auch so geschehen, oder wäre diesem schnell der kurze Prozess gemacht worden?
Es bestätigt mal wieder, dass wir in einer Zweiklassengesellschaft leben: Alle Tiere sind gleich, nur einige sind gleicher!
j
ob sie dem Polanski verzeiht.
Wenn ja, dann sollte der Staat sich da nach 30 Jahren heraushalten.
Wenn sie schwerwiegende Folgen davon getragen hat und nicht verzeihen kann, dann sollte der Prozess stattfinden.
Pädophilie ist zu Recht strafbar! Ich hoffe (wahrscheinlich vergeblich), dass er einsitzen wird.
Pädophilie als solche - d.h. sexuelles Interesse an Kindern vor der Pubertät - ist (zu Recht) keinesfalls strafbar, da sie schlichtweg noch keine Strafhandlung einschließt.
Verführung/Vergewaltigung Minderjähriger ist wie jede andere Form sexueller Zwangshandlungen jedoch zu Recht strafbar und Polanskis Schuld steht ausser Zweifel. Wobei wiederum bemerkt werden muss, dass Geschlechtsverkehr mit einer 13-Jährigen tendenziell eher nicht pädosexuell motiviert ist - hier liegt (allerhöchstens) Parthenophilie vor. Es ist demnach wahrscheinlich falsch im Falle Polanskis von Pädophilie zu sprechen.
Pädophilie als solche - d.h. sexuelles Interesse an Kindern vor der Pubertät - ist (zu Recht) keinesfalls strafbar, da sie schlichtweg noch keine Strafhandlung einschließt.
Verführung/Vergewaltigung Minderjähriger ist wie jede andere Form sexueller Zwangshandlungen jedoch zu Recht strafbar und Polanskis Schuld steht ausser Zweifel. Wobei wiederum bemerkt werden muss, dass Geschlechtsverkehr mit einer 13-Jährigen tendenziell eher nicht pädosexuell motiviert ist - hier liegt (allerhöchstens) Parthenophilie vor. Es ist demnach wahrscheinlich falsch im Falle Polanskis von Pädophilie zu sprechen.
Pädophilie als solche - d.h. sexuelles Interesse an Kindern vor der Pubertät - ist (zu Recht) keinesfalls strafbar, da sie schlichtweg noch keine Strafhandlung einschließt.
Verführung/Vergewaltigung Minderjähriger ist wie jede andere Form sexueller Zwangshandlungen jedoch zu Recht strafbar und Polanskis Schuld steht ausser Zweifel. Wobei wiederum bemerkt werden muss, dass Geschlechtsverkehr mit einer 13-Jährigen tendenziell eher nicht pädosexuell motiviert ist - hier liegt (allerhöchstens) Parthenophilie vor. Es ist demnach wahrscheinlich falsch im Falle Polanskis von Pädophilie zu sprechen.
das Lolita Phänomen und die verlogene Moral Amerikas
...und natürlich die verlogene deutsche Moral, die sich stets über die als verlogen bezeichnete Moral Amerikas erhebt.
...und natürlich die verlogene deutsche Moral, die sich stets über die als verlogen bezeichnete Moral Amerikas erhebt.
...und natürlich die verlogene deutsche Moral, die sich stets über die als verlogen bezeichnete Moral Amerikas erhebt.
Es kommt uns heute, da wir im Themenfeld Jugend und Sex ähnlich hysterisiert sind wie die USA, fremd vor, aber 1978 herrschte in Europa noch ein freiheitlicherer Geist. Nur so ist es zu erklären, daß Polanski unbehelligt geblieben ist. Wäre der Vorfall dieses Jahr passiert, würde Polanski auch bei uns gesteinigt werden, und die Boulevardpresse würde jubeln. Außer natürlich, das ganze hätte sich in der Türkei zugetragen.
Im Ernst: Ich hoffe, daß man von symbolischen Gesetzen, die vor allem der Bequemlichkeit bei der Beweisführung geschuldet sind ("Sex mit Minderjährigen? Kann nur Vergewaltigung sein: Fall erledigt"), endlich wieder zu einer sachlichen Prüfung des konkreten Vorfalls übergeht, um GERECHTE Urteile zu ermöglichen.
Von "God's own country" wird man das allerdings nie erwarten können.
Wurde nicht vor Kurzem erst die enttabuisierte Gesellschaft verkündet?
Udo Jürgens sang als über 30-Jähriger von "siebzehn Jahr, blondes Haar", was heute ein handfester Skandal wäre.
Auch sieht man im Schwimmbad allenfalls die über Fünfzigjährigen mal "oben ohne", was angeblich früher auch mal anders war.
Kurz: wir werden bald so prüde und verklemmt sein wie die Amis.
PS: Wobei ich Polanskis Tat nicht verharmlosen möchte, aber die allgemeine Hysterie nervt(siehe Kinderpornos-Netzt-Zensur).
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