Projekt "weltwärts" Entwicklungshilfe beginnt in DeutschlandSeite 2/2
Er fordert zudem einen verantwortungsvollen Umgang mit den Fördermitteln an die Entsendeorganisationen. So wird bezweifelt, ob die 70 Millionen Euro, die das Programm umfasst, sinnvoll angelegt sind, denn "auch mit wenig Geld ließen sich in der Dritten Welt dramatische Verbesserungen der Lebensumstände erreichen". Die 100 Euro Taschengeld beispielsweise, müssten an die Lebensbedingungen im jeweiligen Land angepasst werden. Es könne nicht sein, dass eine ungelernte Hilfskraft mehr verdiene als eine Fachkraft.
Im August diesen Jahres organisierte Wienberg die Rückkehrerkonferenz "undjetzt?!". Rund 150 ehemalige Freiwillige trafen sich in Potsdam, um sich zu entwicklungspolitischem und zivilgesellschaftlichem Engagement auszutauschen und weiterzubilden. Am Ende der Konferenz stand eine Erklärung mit Verbesserungsvorschlägen für weltwärts.
Besonders das ehrgeizige Ziel der Ministerin, im Jahr 2010 zehntausend Freiwillige zu entsenden, sehen die Rückkehrer kritisch: "Qualität vor Quantität" müsse die Devise lauten. Die Erklärung fordert, dass weltwärts "im entwicklungspolitischen Sinne" seine Verantwortung wahrnimmt und auch jungen Menschen aus Entwicklungsländern globales Lernen in Form eines Freiwilligendienstes in Deutschland ermöglicht.
Eine weitere Anregung: Der Freiwilligendienst endet nicht mit dem letzten Tag im Ausland. Viele Freiwillige wollen ihre gesammelten Erfahrungen in langfristiges Engagement umzusetzen – die Konferenz selbst ist das beste Beispiel dafür.
Das Ministerium hat reagiert: Um besondere Initiativen und Projekte der Freiwilligen nach ihrer Rückkehr zu stärken – sei es die Gründung eines Vereins, die Organisation einer Fotoausstellung oder Vorträge an der alten Schule – stellt das Bundesentwicklungsministerium über das Projekt weltwärts und danach Mittel in Höhe von einer Millionen Euro pro Jahr bereit, die zusätzlich zu der Finanzierung der Freiwilligendienste vergeben werden.
Auch Marie Lessing hat einen Antrag gestellt. Ein halbes Jahr nach ihrem Freiwilligendienst in Indien sitzt sie stellvertretend für 1800 Rückkehrer gemeinsam mit Heidemarie Wieczorek-Zeul in der Aula der Leibniz-Schule in Berlin-Kreuzberg. Die Ministerin zieht Bilanz, stellt einen bunten Zahlenreigen vor: 62 Prozent Frauen, 213 Entsendeorganisationen, 78 Länder. Lessing hingegen erzählt, dass Indien nun immer bei ihr sei. Nach ihrer Rückkehr gründete sie die Dependance Berlin des Vereins Deutsch-Indische Zusammenarbeit und am Leibniz-Gymnasium bietet sie eine AG für Abiturienten an, die auf den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst vorbereiten soll.
Für viele Teilnehmer beginnt Entwicklungshilfe dort, wo weltwärts aufhört: in Deutschland. Christian Wienberg sagt, man müsse sich von dem Gedanken lösen, weltwärts sei Entwicklungshilfe, messbar in gebohrten Brunnen und gefüllten Kindermägen. Vielmehr ist es ein Inlands-Dienst: "Es geht um Erfahrung und darum, das Bewusstsein für Entwicklungshilfe in Deutschland zu schärfen."
- Datum 11.09.2009 - 22:41 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ein guter Schlusssatz, der Kritik und positive Punkte vereint - und mit dem ich nicht wirklich gerechnet hätte. Denn dass die Investition ins Ausland (via Entwicklungshelfer) gleichzeitig eine Investition in die deutsche Mentalität ist, das war mir bisher so nicht bewusst.
Ich finde es toll das der deutsche Staat Freiwillige unterstützt die Entwicklungshilfe leisten wollen! Oft habe ich nämlich das Gefühl als sei Entwicklungshilfe Menschen vorenthalten die sich es einfach finanziell nicht leisten können.
Die ungelernten Hilfskräfte aus Deutschland -gerade wenns um Abiturienten oder Studenten geht (und das ist bei "weltwärts" ja die Regel) haben meist eine bessere (allgemeine!) Ausbildung als die lokalen Fachkräfte. Und das weiß ich aus eigener Erfahrung. Das Problem ist vielmehr, jemanden mit guter Ausbildung als Hilfskraft zu beschäftigen (das haben wir in D. genauso), weil da Ressourcen verloren gehen. Wie wärs mit einer Reform des Programmes hin zu weiterbildenden Stellen, in Stile von inwent? Statt Arroganz wär das doch was.
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