Huber-Nachfolge Käßmann führt Evangelische Kirche

Erstmals ist eine Frau an die Spitze der evangelischen Kirche in Deutschland gewählt worden. Die Synode wählte Margot Käßmann mit großer Mehrheit zur Ratsvorsitzenden.

Nachdem der Rat der Evangelischen Kirche am Mittwochmorgen erwartungsgemäß Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann für den Ratsvorsitz vorgeschlagen hatte, stimmten 132 der 142 Wahlberechtigten für die Bischöfin. Damit tritt die 51-Jährige die Nachfolge von Bischof Joachim Huber an.

Lediglich fünf Wahlberechtigte stimmten mit Nein, vier enthielten sich, eine Stimme war ungültig. Zum Vize-Vorsitzenden wurde der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, nominiert.

Anzeige

In ihrer neuen Funktion als Ratsvorsitzende ist Käßmann formal die oberste Repräsentantin der Kirche. Der Rat bildet zusammen mit der Kirchenkonferenz und der Synode die drei Gremien der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD). Während die Synode eine Art oberstes Kirchenparlament der demokratisch aufgebauten evangelischen Kirche ist, ist der Rat im Kirchenkonstrukt einer "Regierung" gleichzusetzen und somit oberstes Leitungsgremium.

Käßmanns Wahl ist eine kleine Revolution

Käßmann ist seit mehr als zehn Jahren Bischöfin der größten Evangelischen Landeskirche in Deutschland. Jetzt repräsentiert sie knapp 25 Millionen Protestanten in Deutschland. Sie hat angekündigt, mit einer zeitgemäßen Kirche mehr Menschen für den Glauben gewinnen zu wollen. Die innerkirchlichen Diskussionen um ihre Scheidung spielten bei der Jahrestagung in Ulm keine Rolle mehr.

Dennoch ist der Antritt der geschiedenen Mutter für die Kirche eine kleine Revolution. Allerdings auch eine nüchterne Sachentscheidung: Ohne einen ähnlich profilierten Mitbewerber fiel die Wahl bei der Jahrestagung der Protestanten in Ulm klar auf die 51-Jährige. Mit Charme und Nachdruck vertritt sie die Anliegen der Kirche in der Öffentlichkeit. Die Wahl der populären Bischöfin zeugt vom Modernisierungswillen der Kirche, aber auch von der Notwendigkeit einer starken Führungsperson.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 28.10.2009 um 12:20 Uhr

    ...Familie und zu weniger Kinder. Wer als junge Frau denkt, dass jede Familie platzt, muss in einem Kind das Risiko sehen, dass sie in die Unterschicht absteigt. Eine Gesellschaft in der die Leitfiguren (auch Schröder oder Fischer waren solche) zunehmend häufig geschieden sind, muss die Frau denken, dass die Wahrscheinlichkeit der gescheiterten Ehe groß ist. Umgekehrt wirkt eine Leitfigur auf die Einstellungen der Bevölkerung, also der Einzelnen, die die Ehe nur noch als vorübergehenden Lebensabschnittssache sehen. Das scheint an der Entwicklung der Zahlen bei uns sich zu bestätigen.
    Das destabilisiert die traditionelle Form der Sicherheit gebährender Frauen und verlagert ebenfalls die Kosten der Reproduktion. Oft muss der Staat (also das Geld unbeteiligter Dritter) Ausgleich schaffen. Die Instabilen Familienverhältnisse führen weiterhin zu schulischen und andere Probleme der Kinder. Auch diese Kosten treffen die Allgemeinheit.
    Ob Scheidungen nun gut oder schlecht sind, sei dahingestellt. Dass der Steuerzahler aber die Rechnung nehmen muss ist fragwürdig. Leitfiguren zu bestimmen, die geschieden sind ist daher ebenfalls merkwürdig.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann dem Geschriebenen auf: aus-biblischer-sicht.de über die Kirchen nur zustimmen. Die Kirche und der biblische Glaube, haben rein gar nichts gemeinsam. Es geht diesen Institutionen, unter dem Deckmantel der Nächstenliebe, ausschließlich um Geld und Macht. Und so wird sich immer neu dem Zeitgeist angepasst werden, um die "gläubigen" Finanzierer nicht zu verstimmen.

    Ich kann dem Geschriebenen auf: aus-biblischer-sicht.de über die Kirchen nur zustimmen. Die Kirche und der biblische Glaube, haben rein gar nichts gemeinsam. Es geht diesen Institutionen, unter dem Deckmantel der Nächstenliebe, ausschließlich um Geld und Macht. Und so wird sich immer neu dem Zeitgeist angepasst werden, um die "gläubigen" Finanzierer nicht zu verstimmen.

  1. Frau Käßmann,
    wenn Sie wirklich ihre evangelische Kirche reformieren wollen, sollte eine Änderung gegenüber den Menschen stattfinden.
    Nicht die Kirchengebäude, die Glocken und Orgeln sollten im Mittelpunkt stehen, sondern der Mensch, der nach Hilfe schreit.

    Wir wurden im schlimmsten Leid von unserer ev. Kirche alleine gelassen. Aber wir haben lernen dürfen:

    "Gott, der die Welt gemacht hat und alles,
    was darin ist, er, der Herr des Himmels und der Erde,
    wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind."
    (Apg. 17, 24)

    denn

    "Gott ist Geist,
    und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten."
    (Joh. 4,24).

    Dazu bedarf es keiner Kirchenzugehörigkeit:
    "Denn welche der Geist Gottes treibt,
    die sind Gottes Kinder."

    Wenn man so wie wir, nach dem Mord an unserer Tochter, nach Hilfe schreit, und kein Seelsorger einen tröstet, oder hilft, dann kann man die Worte aus Hiob 6, 14 verstehen:
    "Wer Barmherzigkeit seinem Nächsten verweigert,
    der gibt die Furcht vor dem Allmächtigen auf."

    und Jesus sagt in Matthäus 24, 12:
    "Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird,
    wird die Liebe in vielen erkalten."

    Wir haben den Glauben an Gott, Jesus und den heiligen Geist, nach dem Mord gefunden, obwohl man meinen sollte, diesen zu verlieren. Aber den Glauben an eine "tröstende Kirche" und eine "gerechte Justiz", den haben wir verloren.

    Wir wünschen Ihnen in Ihrem neuen Amt, als "evangelische Päpstin", dass es eine wirkliche Reformation der ev. Kirche gibt.

  2. Eine gute Entscheidung nicht weil sie eine Frau ist. Scheidung oder nicht Scheidung. Sie ist wie sie ist.
    Allerdings, die katholische Kirche wird da so ihre Schwierigkeiten haben.
    Hier leben die Priester idealisiert im Zölibat d.h. die Männlichkeit ist geistig kastriert.

  3. Wir brauchen ein erneuertes Christentum, denn unsere Welt ist mündig geworden. In einer modernen Welt muß Religion vor allem ein Ziel haben: Wir müssen unsere Not und unser Leid teilen und damit auch das Leiden Gottes,
    in einer gottlosen Welt. Wir brauchen viel mehr als eine Religion der frommen Worte. Wir brauchen Glauben und in seinem Zentrum Jesus Christus.
    "Wahres Christentum heißt: Teile des anderen Schmerz."

    Wir können den Tag nicht voraussagen, an dem berufene Menschen, das Wort Gottes wieder so aussprechen, daß sich die Welt darunter verändert und erneuert. Aber, wenn dieser Tag kommt, wird es eine neue Sprache sein. Vielleicht ganz unreligiös, aber befreiend und wirklich erlösend, so wie die Sprache Jesu. Sie wird die Menschen entsetzen. Entsetzen, durch ihre Gewalt. Diese Sprache einer neuen Wahrheit, verkündigt den Frieden Gottes, mit den Menschen.

    Jede christliche Gemeinschaft muß wissen, daß nicht nur die Schwachen die Starken brauchen, sondern daß auch die Starken nicht ohne die Schwachen sein können.
    Die Ausschaltung der Schwachen, ist der Tod der Gemeinschaft.

    Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.

  4. Daran entscheidet sich heute Gewaltiges, ob wir Christen Kraft genug haben, der Welt zu bezeugen, daß wir keine Träumer und Wolkenwandler sind. Daß wir nicht die Dinge kommen und gehen lassen, wie sie nun einmal sind. Daß unser Glaube wirklich nicht das Opium ist, das uns zufrieden sein läßt, inmitten einer ungerechten Welt. Sondern daß wir gerade, weil wir trachten, nach dem was droben ist, nur um so hartnäckiger und zielbewußter protestieren auf dieser Erde. Muß es denn sein, daß das Christentum, das einstmals so ungeheuer revolutionär begonnen, nun für alle Zeiten konservativ ist ? Daß jede neue Bewegung ohne die Kirche sich Bahn brechen muß, daß die Kirche immer erst zwanzig Jahre hinterher einsieht, was eigentlich geschehen ist.

    Viele Menschen suchen ein Ohr, das ihnen zuhört, und sie finden es unter den Christen nicht, weil diese auch dort reden, wo sie hören sollten.

    Die Kirche muß aus ihrer Stagnation heraus. Wir müssen auch wieder in die freie Luft der Auseinandersetzung mit der Welt. Wir müssen es auch riskieren, anfechtbare Dinge zu sagen, wenn dadurch nur lebenswichtige Fragen aufgerührt werden.

    Christsein heißt nicht in einer bestimmten Weise religiös zu sein, sondern es heißt Menschsein, nicht einen Menschentypus, sondern den Menschen schafft Christus in uns.
    "Nicht der religiöse Akt macht den Christen",
    "sondern das Teilnehmen am Leiden Gottes im weltlichen Leben."

    • Crest
    • 28.10.2009 um 12:57 Uhr
    6. Notiz

    Sie hat angekündigt, mit einer zeitgemäßen Kirche mehr Menschen für den Glauben gewinnen zu wollen.

    Wenn, also wenn der Anspruch besteht, es mit einem Glauben zu tun haben, dessen Inhalte einen zutiefst existenziellen Charakter haben, und wenn man dann vernimmt, dass dieser Glauben eine "zeitgemäße" Kirche benötigt, dann kommen automatisch Zweifel: am Glauben oder an Frau Käßmann.

    Mit Verlaub, Crest

  5. Ích wünwsche Frau Käßmann in ihrem neuen Amt wie privat von Herzen alles Gute!
    Die evangelische Kirche kann sich glücklichschätzen, nach dem hereausragenden Bischof Huber eine derart "gestandene" Frau an ihrer Spitze zu haben.

  6. Was sollen Worte heute noch ausrichten, wo sie doch durch Untätigkeit, Bigotterie und Bösartigkeiten ausgehöhlt und mit Geld (Milliarden!!!) aufgefüllt wurden. Eine Kirche die den Anspruch erhebt das Erbe Jesu Christi zu vertreten, uns seine Taten und Worte vor Augen führen und sein Wirken von damals auf heutige Zeiten auslegen soll. Nichts dergleichen! In all diesen Belangen habt ihr versagt und stattdessen seid ihr zu einem Affenzirkus, zu einem Jahrmarkt der Eitelkeiten verkommen, habt in meinen Augen absolut keine Berechtigung mehr. Würde wahre Demut hier walten, würde sich Frau Käßmann und die ganze dazugehörige Bagage ihre Selbstgefälligkeiten verkneifen.
    Es gibt genug Probleme heutzutage die mit wahrhaftigen Worten begriffen werden könnten, aber nix da, nada. Wir werden von allen Seiten alleine gelassen und mit Brot und Spielen abgelenkt. Erhebt Eure Stimme, ihr, die ihr in der "Frohen Nachricht" doch ach so bewandert seid. Bekämpft die Geldanbetung! Was werdet ihr dereinst wohl zu unserem Vater sagen, wenn ihr danach gefragt werdet was ihr mit Euren Möglichkeiten getan habt?
    Es ist eine traurige Welt die wir unseren Kindern hinterlassen...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service