Umfrage Mehrheit der Ostberliner würde für Minarett-Verbot stimmen

Eine neue Umfrage zeigt, dass 40 Prozent der Berliner ein Verbot von Minaretten befürworten. Im Osten der Stadt ist der Anteil der Minarett-Gegner noch größer.

Rund die Hälfte aller Berliner ist gegen ein Verbot von Minaretten. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest-dimap unter 1000 wahlberechtigten Berliner Bürgern hervor. Demnach antworteten 53 Prozent der Befragten auf die Frage "Sollten Minarette auf Berliner Moscheen verboten sein?“ mit Nein. Allerdings würden immerhin 40 Prozent für ein Verbot der Gebetstürme stimmen. Die Umfrage zeigt auch, dass das Thema die Berliner Bürger bewegt: Nur ein Prozent der Befragten gab an, das Thema sei uninteressant.

In Berlin leben derzeit etwa 248.200 Muslime. 126 islamische Begegnungsstätten zählt das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg in der Hauptstadt. Die Zahl umfasst sowohl Moscheen als auch Gebetsräume. Reine Moscheen gibt es derer 80. Lediglich eine davon, die Khadija-Moschee in Heinersdorf, liegt in Ost-Berlin. Das ist insofern von Bedeutung, als dass die Ostberliner der Umfrage zufolge Minarette stärker ablehnen als die Befragten in West-Berlin. 47 Prozent aller Ost-Berliner sind für ein Verbot von Minaretten, im Westen sind es nur 34 Prozent.

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Als die Khadija-Moschee vor wenigen Jahren gebaut wurde, organisierten sich im Ortsteil zahlreiche Protest- und Gegenaktionen. Während der Bauarbeiten verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf einen Lastwagen, der Material für die Bauarbeiten geladen hatte. Im Oktober 2008 wurde die Moschee eröffnet. Seither wurden immer wieder Nazi-Parolen auf das Gebäude geschmiert. Noch heute fährt die Polizei Streife. Die neue Umfrage lässt den Schluss zu, dass sich die Haltung vieler Bürger im Ostteil der Stadt nicht geändert hat.

Der Imam der Khadija-Moschee, Abdul Basit Tariq, ist dennoch optimistisch: "In der Bauphase gab es viele Anfeindungen, das stimmt. Viele meinten, die Moschee sei eine Ausbildungsstätte für Terroristen. Aber ich habe in den letzten Jahren sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet.“ Der Islamwissenschaftler glaubt, dass sich das Imageproblem des Islam in Deutschland mit intensivem Dialog lösen lässt. "Über 19.000 deutsche Bürger haben diese Moschee bereits besucht und sich informiert. Und wenn sie unsere Moschee verlassen haben, haben sie ein anderes Bild als vorher."

Auch Mustafa Bauch kann die ganze Aufregung um die islamischen Gotteshäuser nicht verstehen. Nur eine Handvoll aller Berliner Moscheen, sagt der Liegenschaftsverwalter der Khadija-Moschee, sehe doch von außen wirklich aus wie eine echte Moschee und sei auch als solche konzipiert. "Die meisten Moscheen sind in umfunktionierten Gewerberäumen untergebracht und sind von außen auch gar nicht als solche erkennbar.“

Ebenso wenig sieht Bauch ein Problem mit Minaretten. Die Khadija-Moschee in Heinersdorf etwa verfügt über ein 14 Meter hohes Minarett. Spricht man den Imam Tariq auf die jüngste Umfrage an, sagte er: "Wir haben ein sehr schlichtes Gebäude. Sicher, die Kuppel fällt auf, aber das Minarett ist ja nicht hoch. Und Kirchen haben ja auch einen Turm. Also man hört hier wenig Ablehnendes.“

Eine weitere Umfrage, die zuletzt öffentlich wurde, zeigt eine andere Tendenz. Infratest-dimap fragte deutschlandweit, wie groß die Sorge sei, dass der Islam sich innerhalb der deutschen Gesellschaft zu stark ausbreite. 74 Prozent der Befragten gaben an, dies bereite ihnen "ein wenig" bis "große" Sorgen. Lediglich 22 Prozent waren hierüber unbesorgt.

 
Leser-Kommentare
    • carol
    • 11.12.2009 um 18:48 Uhr

    da hat sich die wiedervereinigung ja richtig gelohnt für mich als eingeborener mit migrationshintergrund.

  1. [entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie bauf derart sinnlose und pauschalisierende Kommentare. Danke, die Redaktion/vv]

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    "Dass im Osten Berlins die Ablehnung größer ist, liegt vor allem daran, dass die Moslems im Westteil der Stadt, dass Abstimmungsergebnis verwässern..."

    Zum einen. Aber selbst die genannten Zahlen dürften im politisch-korrekten Sinne verfälscht sein. Komischerweise werden auf Biegen und Brechen keine Zustimmungszahlen über 50 % für das Verbot von Minaretten zugelassen. Ist eben nicht im Sinne der Auftraggeber dieser Studien.

    "Dass im Osten Berlins die Ablehnung größer ist, liegt vor allem daran, dass die Moslems im Westteil der Stadt, dass Abstimmungsergebnis verwässern..."

    Zum einen. Aber selbst die genannten Zahlen dürften im politisch-korrekten Sinne verfälscht sein. Komischerweise werden auf Biegen und Brechen keine Zustimmungszahlen über 50 % für das Verbot von Minaretten zugelassen. Ist eben nicht im Sinne der Auftraggeber dieser Studien.

    • carol
    • 11.12.2009 um 20:31 Uhr

    dann sind das ja tolle aussichten für die zukunft.

  2. Kirche ist nötig und hat Turm, und Moschee ist nötig und hat Turm. 5mal Beschallung täglich, das wird ein Problem aufwerfen, das sollte vorher geregelt sein - mit der Bevölkerung, nicht über sie hinweg. Und ob es 22% der Bevölkerung nichts ausmacht, wenn der Islam hier zu machtvoll Fuß zu fassen sucht, dann sollte die Politik trotzdem auf die 74% Rücksicht nehmen die da sagen: Finger weg von unserer westlichen Kultur - lebt hier mit uns in unserer, aber: keine Parallelgesellschaft! Und wenn, wie z. B. in Hamburg oder in Ulm aus einer Moschee heraus immer weiter Gewalt herauskommt, dann muss eingeschritten werden, dann läuft etwas falsch.

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    • carol
    • 12.12.2009 um 10:58 Uhr

    sie glauben wohl auch, dass die moslems drauf und dran sind den westen zu vereinnahmen. so wie die Borg in Star Trek.

    denken sie: entweder die oder wir?

    glauben sie denn wirklich dass die deutsche kultur von den deutschen erfunden wurde?

    • carol
    • 12.12.2009 um 10:58 Uhr

    sie glauben wohl auch, dass die moslems drauf und dran sind den westen zu vereinnahmen. so wie die Borg in Star Trek.

    denken sie: entweder die oder wir?

    glauben sie denn wirklich dass die deutsche kultur von den deutschen erfunden wurde?

  3. "Dass im Osten Berlins die Ablehnung größer ist, liegt vor allem daran, dass die Moslems im Westteil der Stadt, dass Abstimmungsergebnis verwässern..."

    Zum einen. Aber selbst die genannten Zahlen dürften im politisch-korrekten Sinne verfälscht sein. Komischerweise werden auf Biegen und Brechen keine Zustimmungszahlen über 50 % für das Verbot von Minaretten zugelassen. Ist eben nicht im Sinne der Auftraggeber dieser Studien.

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    Dieser Hinweis von ihnen ist blanker Unsinn. Gerade auch in der Schweiz hat sich gezeigt, dass die Ablehnung dort am größten ist, wo faktisch keine Menschen islamischen Glaubens vorhanden sind.
    Gefährlich ist eher die Pauschalisierung, die bei der Diskussion vorgenommen wird. Von welchen Muslimen reden wir???
    Auch dort gibt es, insbesondere von der Region abhängig, unterschiedliche Glaubensrichtungen wie im Christentum, in geringerem Maße auch im Judentum.
    Der Fremde wird immer nur dort abgelehnt, wo er fremd ist, und nicht lebt.
    Mir machen die Fundamentalisten in der katholischen und evangelischen Kirche genauso Sorgen. Reißen wir deshalb deren Kirchen hier ab???

    Dieser Hinweis von ihnen ist blanker Unsinn. Gerade auch in der Schweiz hat sich gezeigt, dass die Ablehnung dort am größten ist, wo faktisch keine Menschen islamischen Glaubens vorhanden sind.
    Gefährlich ist eher die Pauschalisierung, die bei der Diskussion vorgenommen wird. Von welchen Muslimen reden wir???
    Auch dort gibt es, insbesondere von der Region abhängig, unterschiedliche Glaubensrichtungen wie im Christentum, in geringerem Maße auch im Judentum.
    Der Fremde wird immer nur dort abgelehnt, wo er fremd ist, und nicht lebt.
    Mir machen die Fundamentalisten in der katholischen und evangelischen Kirche genauso Sorgen. Reißen wir deshalb deren Kirchen hier ab???

  4. ... zeigt sich halt auf Weltniveau. Dabei steht doch auf dem Alex das höchste Minarett der Welt, von dem unentwegt zur Anbetung des Gottes TV aufgerufen wird. Koch-Roland akhbar!

    • carol
    • 12.12.2009 um 10:58 Uhr

    sie glauben wohl auch, dass die moslems drauf und dran sind den westen zu vereinnahmen. so wie die Borg in Star Trek.

    denken sie: entweder die oder wir?

    glauben sie denn wirklich dass die deutsche kultur von den deutschen erfunden wurde?

    • defo
    • 12.12.2009 um 11:31 Uhr

    Ich wünschte mir in Österreich gäbe solch einen Pfarrer. Ich denke auch, dass dies der einzige Weg ist um friedlich miteinander zu leben.
    Sollten die "Befürchtungen" diverser Katholiken eintreffen und die Christen die Minderheit sein, dann brauchen sich jene die jetzt gegen Minarette Stimmung machen nicht wundern, wenn man ihnen ebenso feindselig begegnet und irgendwann jemand den Christen vorschlägt: Trefft euch doch in einem Turnsaal einer Schule zum Gottesdienst, wozu braucht ihr unbedingt einen Kirchturm oder gar eine Kirche.

    Ein wichter Fakt der bei dieser Diskussion nie zur Sprache kommt ist jener, dass es sich im Gegensatz zur Katholischen Kirche, bei Moscheen nicht um Gotteshäuser, sondern um Gebetshäuser handelt. Eine Moschee ist ein Ort zum Beten und zum Diskutieren. Sollten dort Imame radikale Thesen äußern oder aufhetzen, so würde ich dies auch problematisch finden, genauso wie wenn Priester dies in der Kirche tun.

    Doch eines sollte uns immer wieder Bewusst gemacht werden: KIRCHE und STAAT haben nichts miteinander zu tun.

    Hier ist uns die Türkei, welche von manchen als rückständig bezeichnet wird (meißt von jenen die keine Ahnung haben oder vom Haß verblendet sind) um einiges voraus. In der Türkei herrscht strenge Trennung von Kirche und Staat.

    ZUM NACHDENKEN (ist glaub ich in allen Religionen gleich oder ähnlich formuliert)

    "Behandle den Anderen so wie du von ihm behandelt werden willst"

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    • Akanda
    • 12.12.2009 um 23:58 Uhr

    »Doch eines sollte uns immer wieder Bewusst gemacht werden: KIRCHE und STAAT haben nichts miteinander zu tun.«

    Das stimmt so nicht:
    Hierzulande sind Kirche und Staat relativ eng verquickt - Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen es noch Kirchensteuern gibt. Wenn man aus der Kirche austreten will, tut man das im Rathaus, nicht im Kirchenbüro.

    Für was steht das C bei der DU oder SU?

    Ich bin der Meinung, dass Religion, wenn sie richtig erfahren und gelebt wird, einer der essentiellsten Begriffe der menschlichen Zivilisation sein kann. Die Grundprinzipien aller differenzierten Religionen sind im Großen und Ganzen identisch. Die Natur der Sache erlaubt jedoch all zu oft das Eingreifen nicht-göttlicher Faktoren in das mit einer Religion zwangsläufig verbundene soziale Gefüge — und den damit verbundenen Imageverlust dieser wichtigen Einrichtung.

    • Akanda
    • 12.12.2009 um 23:58 Uhr

    »Doch eines sollte uns immer wieder Bewusst gemacht werden: KIRCHE und STAAT haben nichts miteinander zu tun.«

    Das stimmt so nicht:
    Hierzulande sind Kirche und Staat relativ eng verquickt - Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen es noch Kirchensteuern gibt. Wenn man aus der Kirche austreten will, tut man das im Rathaus, nicht im Kirchenbüro.

    Für was steht das C bei der DU oder SU?

    Ich bin der Meinung, dass Religion, wenn sie richtig erfahren und gelebt wird, einer der essentiellsten Begriffe der menschlichen Zivilisation sein kann. Die Grundprinzipien aller differenzierten Religionen sind im Großen und Ganzen identisch. Die Natur der Sache erlaubt jedoch all zu oft das Eingreifen nicht-göttlicher Faktoren in das mit einer Religion zwangsläufig verbundene soziale Gefüge — und den damit verbundenen Imageverlust dieser wichtigen Einrichtung.

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