Leserdebatte Sonntags geschlossen
Die Verfassungsrichter haben entschieden: Vier Adventssonntage hintereinander darf in Berlin nicht eingekauft werden. Ist das richtig so? Oder sollen wir selbst entscheiden dürfen, was wir sonntags machen? Diskutieren Sie mit.
Die vier Adventssonntage sind nicht zum Shoppen da – auch nicht in Berlin. Das hat das Bundesverfassungsgericht heute entschieden und damit der Klage der evangelischen und der katholischen Kirche zumindest teilweise stattgegeben.
Sonn- und Feiertage, insbesondere die vier Adventssonntage, seien "Tage der Arbeitsruhe", so Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier bei der Urteilsverkündung. Sie bedürfen eines besonderen verfassungsrechtlichen Schutzes. Die Richter beriefen sich bei ihrer Begründung auf einen Weimarer Kirchenartikel aus der Reichsverfassung von 1919, in dem es heißt, Sonntage seien Tage der "seelischen Erhebung".
Ist das noch zeitgemäß? In Zeiten, in denen Arbeitnehmer zunehmend spät das Büro verlassen und das Einkaufen auf das Wochenende verschieben, ist es da nicht gerecht und Ausdruck guten Services, dem für gewöhnlich hoffnungslos überfüllten Einkaufssamstag einen zweiten Shoppingtag nebenan zu stellen? Wer schon nicht die Ursache (zu lange Arbeitszeiten) bekämpfen kann oder will, der möge doch zumindest die Bedingungen entschärfen.
Dem Argument der Arbeitsruhe stellen sich alle sonntags arbeitenden Menschen entgegen: Busfahrer, Krankenschwestern, Tankstellenwärter, Museumsführer, Köche. Warum dann nicht auch Groß- und Einzelhändler? Es gehört längst zu ihrem Job, auch bis in den Abend hinein zu arbeiten. So heilig muss der Sonntag dann auch nicht mehr sein.
Zudem darf doch jeder selbst entscheiden, was er mit seiner Freizeit (so er denn sonntags frei hat) anstellt. Mit welchem Recht möchte die Kirche den Menschen das vorschreiben?
Ein letztes Argument, was Berlin betrifft: Die Hauptstadt will doch auch dazugehören, zu den anderen europäischen Metropolen wie London oder Paris. Dort ist es selbstverständlich, dass man sonntags einkaufen kann. Die Wochenend-Touristen würden jedenfalls der armen Stadt mehr Einnahmen bescheren, könnten sie dort auch am Sonntag shoppen gehen.
Trotzdem ganz vom Tisch wischen kann man die altmodisch klingenden Argumente der Kirchen nicht. Brauchen wir nicht gerade in unserer hektischen modernen Welt einen Tag, der frei ist von Konsum und Arbeit? Einen Tag, an dem der Mensch Zeit mit Freunden, Familie – und nicht zuletzt mit sich selbst verbringt? Wenigstens einen Tag in der Woche ein wenig loslassen und zur Besinnung kommen. Gerade in der Vorweihnachtszeit eine schöne Übung. Ob man dazu auch in die Kirche geht, ist ja jedem selbst überlassen.
Was meinen Sie? Wollen Sie verkaufsoffene Sonntage in der Adventszeit oder sind sie froh, Ihre Ruhe zu haben?
- Datum 01.12.2009 - 17:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Es gibt vieles was gesetzlich geregelt sein sollte; gesetzlich geregelte Einkaufs-, Ladenschlußzeiten sind aber absoluter Flach- und Schwachsinn. Und da bei uns Staat und Kirche getrennt sind - (na ja, die Kirchensteuer-Regelung wäre dann allderdings ein klarer Verfassungs-Verstoß?) - möchte ich die gutbezahlten Ober-Christen bitten, sich da mal schön rauszuhalten.
Und nein, ich werde hier nicht die bekannten Tatsachen über ja ständig geleistete Wochenend-, Feiertags- und Nachtdienste, in allen möglichen Berufen, nachbeten!
Man muss nicht religiös sein, um den Sonntag als wichtig zu erachten. Natürlich könnte man sagen, dass es reicht, wenn jeder einen Tag in der Woche für Ruhe und Freizeit zur Verfügung hat - egal welchen. Nur: 1/7 weniger Lärm und Aktivität an jedem Tag der Woche ist keine Ruhe mehr, sondern eben an jedem Tag 6/7 Lärm und Unruhe. Dazu kommt, dass dadurch auch Familien immer weniger gemeinsame Zeit zusammen haben werden. Ein gemeinsamer Tag, der Feiertag ist, ist also auch eine Frage der "Psychohygiene" und des sozialen Zusammenhalts. Bestimmte berufliche Aktivitäten an Feiertagen sind unerlässlich. Aber es ist kaum ein Gewinn an Lebensqualität, wenn der Anteil solcher Arbeit immer weiter gesteigert wird - weder für die, welche selbst arbeiten müssen, noch für den Rest der Gesellschaft. Insofern ist das Urteil des Verfassungsgerichts ein wichtiger Schritt, der fortwährend fortschreitenden Ökonomisierung und Beschleunigung der Gesellschaft etwas entgegensetzen.
Die Argumentation der Verfassungsrichter ist ja zum Teil durchaus nachzuvollziehen. Leider wird jedoch völlig negiert, dass es mittlerweile sehr viele Menschen gibt die in Deutschland auch Sonntags arbeiten (müssen). Wieso also eine Grenze ziehen für Verkäufer und ihre Kunden. Zumal das Einkaufen in Tankstellen, Bahnhöfen und im Internet sowieso möglich ist. Hier wird also eher ein Weltbild aufrecht gehalten, das vermutlich überholt ist.
Nebenbei: In den viel stärker religiös geprägten USA ist der Sonntagseinkauf kein Problem...
Und in New York soll es Kinder geben, die noch nie eine Kuh gesehen haben, lebendig. Vielleich weil die Eltern gar keien Zeit haben, mal raus zu fahren.Warum fragt eigentlich niemand, wie die Menschen sich so fühlen, die tagaus tagein arbeiten müssen. In USA gibt es nur 14 Tage Regelurlaub. Sollen wir den auch bei uns einführen, weil sich die Gesellschaft gewandelt hat?. Es gab in den 1990iger Jahren schon mal eine Diskussion um die Feiertage im Zusammenhang mit Sharehoulder Value.
Schaffen wir ihn ab, und verhandeln bei den Lohnrunden drüber. Sonntag gegen Lohnverzicht.
Wegen mir brauchten nur die Gastronomie, Hilfs- und Rettungskräfte und der ÖVPN arbeiten, denn Tanken kann man auch samstags. Aber gegen doppelten bis 3 fachen Lohn, wenn die ehrenvolle Anerkennung nicht ausreicht.
Ich habe auch nichts gegen Sonntagsarbeit. Habe ich oft gemacht. Aber freiwillig, wenn es nötig war.
Und in New York soll es Kinder geben, die noch nie eine Kuh gesehen haben, lebendig. Vielleich weil die Eltern gar keien Zeit haben, mal raus zu fahren.Warum fragt eigentlich niemand, wie die Menschen sich so fühlen, die tagaus tagein arbeiten müssen. In USA gibt es nur 14 Tage Regelurlaub. Sollen wir den auch bei uns einführen, weil sich die Gesellschaft gewandelt hat?. Es gab in den 1990iger Jahren schon mal eine Diskussion um die Feiertage im Zusammenhang mit Sharehoulder Value.
Schaffen wir ihn ab, und verhandeln bei den Lohnrunden drüber. Sonntag gegen Lohnverzicht.
Wegen mir brauchten nur die Gastronomie, Hilfs- und Rettungskräfte und der ÖVPN arbeiten, denn Tanken kann man auch samstags. Aber gegen doppelten bis 3 fachen Lohn, wenn die ehrenvolle Anerkennung nicht ausreicht.
Ich habe auch nichts gegen Sonntagsarbeit. Habe ich oft gemacht. Aber freiwillig, wenn es nötig war.
Und in New York soll es Kinder geben, die noch nie eine Kuh gesehen haben, lebendig. Vielleich weil die Eltern gar keien Zeit haben, mal raus zu fahren.Warum fragt eigentlich niemand, wie die Menschen sich so fühlen, die tagaus tagein arbeiten müssen. In USA gibt es nur 14 Tage Regelurlaub. Sollen wir den auch bei uns einführen, weil sich die Gesellschaft gewandelt hat?. Es gab in den 1990iger Jahren schon mal eine Diskussion um die Feiertage im Zusammenhang mit Sharehoulder Value.
Schaffen wir ihn ab, und verhandeln bei den Lohnrunden drüber. Sonntag gegen Lohnverzicht.
Wegen mir brauchten nur die Gastronomie, Hilfs- und Rettungskräfte und der ÖVPN arbeiten, denn Tanken kann man auch samstags. Aber gegen doppelten bis 3 fachen Lohn, wenn die ehrenvolle Anerkennung nicht ausreicht.
Ich habe auch nichts gegen Sonntagsarbeit. Habe ich oft gemacht. Aber freiwillig, wenn es nötig war.
Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes ist schon merkwürdig
und auch die vielen Kommentare die diese begrüßen.
Den die Entscheidung schützt viele Berufsgruppen eben nicht (zb. Gastronomie Vergnügungsindustrie Öffentlicher Nah u. Fernverkehr usw. usw.) ist also ungerecht. Denn wieso sollten so viele Personengruppen davon ausgenommen sein ?
Die einzigen Ausnahmen dürften bei einer Gerechten Regelung der Sonntagsarbeit doch offensichtlich nur Polizei und Feuerwehr und andere wichtige Notdienste sein.
So mit sind auch Äußerungen von Sektenmitgliedern wie von der
Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckardt (Die Grünen). Diese sei ein "Geschenk an die ganze Gesellschaft" schlichtweg Lügen.
Im Allgemeinen bewerte ich die Entscheidungen in Karlsruhe als ganz gut ein, daher hoffe ich das ist nur ein Ausrutscher und nicht die „Qualität“ der Aktuellen Besetzung.
Ja, die Entscheidung ist gut. Auch dann, wenn sie scheinbar die Lebenswirklichkeit nicht widerspiegelt. Aber ich glaube, dass die Erinnerung an den Ruhetag nötig ist. Auch, wenn viele Menschen gezwungen sind, an diesem Tag trotzdem zu arbeiten. Wir brauchen Rhythmen im Leben. Wenigstens aber eine Erinnerung daran. Der Sonntag gehört dazu. Oft auch bei denen, die an diesem Tag arbeiten müssen. Denn auch sie merken, dass dieser Tag besonders ist.
Es ist eine Stärke der Gesellschaft, wenn sie sich nicht überall per Gesetz der Beliebigkeit öffnet. Und wahr ist auch: Ohne Sonntage gibt es nur noch Werktage.
Gerade jetzt vor Weihnachten werden wir wieder zugeschüttet mit Konsumangeboten und scheinbar günstigen Finanzierungsmöglichkeiten, die unsere durch Werbung hoffentlich nachhaltig entstandenen Wünsche wahr werden lassen...Eigentlich sollten wir 24 Stunden an jedem Tag der Woche kaufen können - macht das eigentlich irgendwen zufrieden? Fühlen sich Menschen dadurch besser und freier? Ich finde es erschreckend, dass ein Gericht entscheiden muss, dass Geschäfte geschlossen bleiben und ich bin nicht religiös motiviert, sondern mit dem ausgestattet, was ich für meinen "gesunden" Menschenverstand halte...Wir brauchen auch Pausen und Unterbrechungen, denn ohne diese gerät einfach alles zur Beliebigkeit - ich schätze "den Sonntag" -weniger Lärm, weniger Hektik, weniger Trott für alle, die nicht arbeiten müssen. ( ich arbeite auch einen Sonntag im Monat und selbst das fühlt sich anders an als die anderen Tage )
Ich freue mich über diese Entscheidung. Ich freue mich, dass ein bisschen Rhythmus erhalten bleibt in meinem Leben. Dass ich das Gefühl haben darf, die Woche hat eine Anfang und ein Ende. Dass nicht jede Entscheidung, die wir fällen sich nur danach richtet, ob wir noch ein paar Prozent mehr generieren können. Ich danke dafür dem Herrgoot, der Kirche und dem Bundesverfassungsgericht.
Und als nächstes wünsche ich mir, dass alle 9 Bundesligaspiele wieder gleichzeitig um 15.30 Uhr angepfiffen werden. Und im Radio mittags wieder eine Sendepause von einer Minute. Nagut, ich begebe mich auf das Feld irrealer Utopie...
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