Großbritannien Papst wettert gegen Brown-Regierung
Schon vor Benedikts Besuch in Großbritannien schlagen dort die Protestwellen hoch. Der Papst will ein Gesetz verhindern, das Homosexuellen Zugang zur Kirche gewähren könnte.
© Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Sieht durch das britische Gleichstellungsgesetz die "natürlichen Rechte" seiner Religionsgemeinschaft bedroht: Papst Benedikt XVI.
Papst Benedikts Besuch in Großbritannien wäre erst der zweite eines katholischen Kirchenoberhaupts seit der Abspaltung der anglikanischen Kirche im 16. Jahrhundert. Er selbst hat jetzt dafür gesorgt, dass die Visite kompliziert wird. In seiner Besuchsankündigung fordert er die katholischen Bischöfe nach Angaben der Internetausgabe der BBC auf, mit "missionarischem Eifer" gegen ein geplantes Gleichbehandlungsgesetz vorzugehen.
Das Gesetz soll die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen am Arbeitsplatz verhindern und durchläuft das parlamentarische Verfahren. Es könnte, wie der Papst befürchtet, dazu führen, dass die britische katholische Kirche gezwungen wäre, auch Homosexuelle in Führungspositionen zu akzeptieren. Dies brandmarkte der Papst als "Verletzung natürlichen Rechts". Es erlege religiösen Gemeinschaften "ungerechte Beschränkungen" in der Freiheit auf, nach ihren Glaubensgrundsätzen zu handeln.
In Großbritannien haben die Aussagen des Papstes Empörung ausgelöst. Der britische Europaabgeordnete Stephen Hughes zeigte sich empört. "Als Katholik bin ich von dem Verhalten des Papstes entsetzt", sagte er am Dienstag. «Religiöse Führungsfiguren sollten Ungleichheit ausmerzen und nicht bewahren." Statt das britische Recht zu kritisieren, sollte der Papst sicherstellen, dass die bestehende EU-Rechtsprechung im Vatikan angewandt wird.
Die Nationale Säkulare Gesellschaft kündigte eine Protestkampagne an. Deren Präsident Terry Sanderson sagte: "Der Steuerzahler wird Kosten in Höhe von 20 Millionen Pfund für den Papstbesuch tragen müssen. Und der Besucher hat selbst angekündigt, die Gleichberechtigung anzugreifen und Diskriminierung zu stärken."
Der Papstbesuch in Großbritannien ist der erste seit der Visite seines Vorgängers Johannes Paul II. im Jahr 1982, der damals als erstes katholisches Kirchenoberhaupt seit der Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert englischen Boden betreten hatte. Ein konkreter Termin ist noch nicht festgesetzt.
Benedikts Bemerkungen könnte auch die anglikanische Kirche verärgern. Bereits im vergangenen November hatte das Angebot Roms an die Anglikaner zum Übertritt in die katholische Kirche für Unruhe gesorgt - sogar verheirateten anglikanischen Priestern sollte Rom die Aufnahme gewähren. Die Anglikaner warfen der katholischen Kirche vor, ihre Geistlichen gezielt abzuwerben. Ein Teil der anglikanischen Gläubigen und Priester ist nicht damit einverstanden, dass in ihrer Kirche Frauen und Homosexuelle Priester sein dürfen. Auch Benedikts Attacke auf das Gleichstellungsgesetz kann als Versuch der Abwerbung konservativerer anglikanischer Geistlicher verstanden werden.
Die "Kirche von England" entstand im 16. Jahrhundert durch den Bruch von König Heinrich VIII. mit dem Papst. Seit ihrer Entstehung hat sie den Status einer Staatskirche, wobei der Monarch als weltliches Oberhaupt der Kirche, der Erzbischof von Canterbury als kirchliches Oberhaupt gilt. Theologisch steht sie der römisch-katholischen Kirche recht nahe. Die Anglikaner erkennen allerdings die Vorrangstellung des Papstes nicht an. Anders als bei den Katholiken können bei ihnen Priester und Bischöfe verheiratet sein und seit 1993 auch Frauen zum Priester geweiht werden.
Heute bekennen sich die meisten Briten, etwa 25 Millionen Gläubige, in England, auf den Kanalinseln und der Isle of Man zur Church of England. Sie ist Teil der weltweiten Anglikaner-Gemeinschaft mit 80 Millionen Gläubigen. Die Katholiken sind eine Minderheit. In England und Wales leben etwa 4,2 Millionen romtreue Gläubige.
- Datum 02.02.2010 - 12:42 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 30
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Da habe ich volles Verständnis, schließlich kümmern sie sich schon rührend und schützend um die Pädophilen in ihren Reihen. Damit sind die Kapazitäten der römischen Kirche, was die Aufnahme und Integration von Minderheiten angeht, bereits völlig überlastet
Nicht dass ich das alles gutheissen will...im Gegenteil...aber der Papst ist nun mal der Chef des Vereins, und er bestimmt die Hausordnung...
Und wenn ich nun - als Chef eines mittelständischen Unternehmens - sage, dass ich prinzipiell keine Juden und Schwarzen einstelle? Ich darf ja nach ihrer Logik die Hausordnung bestimmen.
...und dort ist der Papst, theologische Nähe zum Katholizismus hin oder her, NICHT "Hausherr" (wäre er vielleicht gerne...)! Andererseits kann ich das Argument durchaus verstehen, dass der Staat nicht in die internen Angelegenheiten von Religionsgemeinschaften hineinregieren sollte... dann sollte sich das Vereinigte Königreich aber auch von der Konstruktion einer "Staatskirche" (mit der Queen als nominellem Oberhaupt!) trennen!
Und wenn ich nun - als Chef eines mittelständischen Unternehmens - sage, dass ich prinzipiell keine Juden und Schwarzen einstelle? Ich darf ja nach ihrer Logik die Hausordnung bestimmen.
...und dort ist der Papst, theologische Nähe zum Katholizismus hin oder her, NICHT "Hausherr" (wäre er vielleicht gerne...)! Andererseits kann ich das Argument durchaus verstehen, dass der Staat nicht in die internen Angelegenheiten von Religionsgemeinschaften hineinregieren sollte... dann sollte sich das Vereinigte Königreich aber auch von der Konstruktion einer "Staatskirche" (mit der Queen als nominellem Oberhaupt!) trennen!
Und wenn ich nun - als Chef eines mittelständischen Unternehmens - sage, dass ich prinzipiell keine Juden und Schwarzen einstelle? Ich darf ja nach ihrer Logik die Hausordnung bestimmen.
ist ein "mittelständisches Unternehmen" eine Religionsgemeinschaft?
Einen Job brauche ich, einer Religionsgemeinschafft trete ich freiwillig bei. Oder was wollen Sie z.B. einem Club-Betreiber sagen, wenn er keine Ausländer rein lässt? Ist dass dann nicht sein Hausrecht?
ist ein "mittelständisches Unternehmen" eine Religionsgemeinschaft?
Einen Job brauche ich, einer Religionsgemeinschafft trete ich freiwillig bei. Oder was wollen Sie z.B. einem Club-Betreiber sagen, wenn er keine Ausländer rein lässt? Ist dass dann nicht sein Hausrecht?
...und dort ist der Papst, theologische Nähe zum Katholizismus hin oder her, NICHT "Hausherr" (wäre er vielleicht gerne...)! Andererseits kann ich das Argument durchaus verstehen, dass der Staat nicht in die internen Angelegenheiten von Religionsgemeinschaften hineinregieren sollte... dann sollte sich das Vereinigte Königreich aber auch von der Konstruktion einer "Staatskirche" (mit der Queen als nominellem Oberhaupt!) trennen!
Schnurz hat einen sehr richtigen Gedanken gehabt.
Man kann ja denken was man will über die Gleichstellung von hetero- u. homosexuellen Personen innerhalb eines Betriebes oder auch in der Gesellschaft.
Aber wenn das frei gewählte Parlament eines demokratischen Landes, sicherlich nicht ohne darüber nachzudenken und abzuwägen, zu solch einer Entscheidung kommt, hat auch der Papst nur zwei Möglichkeiten:
- er verläßt mit seinem Konzern die Insel
- er akzeptiert die Änderungen u. setzt diese um
Sicherlich hat auch die katholische Kirche das Recht Lobbyarbeit zu machen. Aber mehr auch nicht.
Nur gut, dass die kathol. Kirche niemanden mehr auf dem Scheiterhaufen verbrennen u. keine Entwicklungen für Jahrhunderte aufhalten kann.
Ich weiß nicht, wie es im englischen Recht aussieht. Nach deutschem Recht - und das halte ich für einen großen Fortschritt - sind Staat und Kirche voneinander getrennt. Das Parlament kann den Religionsgemeinschaften nicht vorschreiben, wie, wann, wo und worum sie zu beten haben und eben auch nicht, nach welchen Kriterien sie ihr Personal (nicht) auszuwählen haben. Man vergleiche Artikel 4 Grundgesetz:
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
[...]
Das Homosexuelle, Juden, Frauen, Muslime, Transvestiten etc. innerhalb der Gesellschaft insgesamt gleichgestellt sein müssen, versteht sich von selbst.
Der katholischen Kirche (oder sonst einer Religionsgemeinschaft) deshalb vorschreiben zu wollen, einen Priester einzustellen, der nunmal den Kriterien dieser Gemeinschaft nicht entspricht, ist unsinnig. Schon die Katholiken werden diesbezüglich nicht mit sich reden lassen. Jetzt setzen sie mal einen schwulen oder weiblichen (idealerweise lesbisch) Imam durch.
Würde man einer Religionsgemeinschaft Geistliche aufdrängen, die ihren Glaubenssätzen nicht entsprechen, würde das aber viele Gläubige von ihnen entfremden. Letztlich wäre also ein Gesetz, das die Auswahl von Geistlichen beeinflusst, ein Angriff auf die Freiheit des Glaubens - dass sich die Kirche dagegen wehrt, wundert mich nicht. Und wo bleibt der Islam?
Gute Frage, einfache Antwort: der sunnitische Islam kennt keinen Klerus. Ein Imam z.B. ist kein Geistlicher, es ist einfach nur diejenige Person, die das Gebet leitet, dabei aber keinerlei Autoritaet im Hinblick auf theologische Fragen besitzt. Diese werden von Gelehrten beantwortet, die ihr jeweiliges Fach studiert haben. Aber auch hier gibt es keine Autoritaet kraft Amtes. Theoretisch kann jeder, der das entsprechende Wissen besitzt, seine Meinung einbringen. Wer die ueberzeugendsten Argumente vorbringt, vertritt die herrschende Meinung. Bestimmte Insitutionen wie z.B. traditionelle Universitaeten haben Gelehrte hervorgebracht, die ueber die Grenzen ihrer Universitaeten zT uber die Grenzen des jeweiligen Landes hinaus als Autoritaeten gelten, dies aber aufgrund ihres Wissens, nicht aufgrund der Position, die sie einnehmen.
Gute Frage, einfache Antwort: der sunnitische Islam kennt keinen Klerus. Ein Imam z.B. ist kein Geistlicher, es ist einfach nur diejenige Person, die das Gebet leitet, dabei aber keinerlei Autoritaet im Hinblick auf theologische Fragen besitzt. Diese werden von Gelehrten beantwortet, die ihr jeweiliges Fach studiert haben. Aber auch hier gibt es keine Autoritaet kraft Amtes. Theoretisch kann jeder, der das entsprechende Wissen besitzt, seine Meinung einbringen. Wer die ueberzeugendsten Argumente vorbringt, vertritt die herrschende Meinung. Bestimmte Insitutionen wie z.B. traditionelle Universitaeten haben Gelehrte hervorgebracht, die ueber die Grenzen ihrer Universitaeten zT uber die Grenzen des jeweiligen Landes hinaus als Autoritaeten gelten, dies aber aufgrund ihres Wissens, nicht aufgrund der Position, die sie einnehmen.
der Pontifex übertrifft wider einmal meine kühnsten Erwartungen, was die reaktionäre Haltung der Petrusjünger anbelangt. Allerdings ist es auch hübsch wenn die andersgläubige Sekte Headhunter spielt, was sollen denn die Nachbarn denken?
Weiter so, vielleicht einen kleinen Glaubensrieg anzetteln? Habt Ihr doch genügend Erfahrung mit!
Denkt nicht drüber nach, schafft Ihr nicht!
Wenn Homosexualität bei Papsts nicht geduldet wird, ist es dann eine Sache der Definition?
Zum Beispiel ein Junge, der als Meßdiener begrabscht wird, ist der nicht männlich, ergo liegt keine Homosexualität vor?
Als Schwuler, der auf erwachsene Schwule steht, hätte man keine Chance, Priester zu werden. Ein Perverser, der kleinen Jungs die Kindheit nimmt, wird man gut behütet.
Wie weit die katholische Kirche immer noch im mittelalterlichen Aberglauben gefangen ist, verschlägt mir immer wieder die Sprache. In Linz bringt der ohnehin für absurde Ideen bekannte Pfarrer Gerhard Maria Wagner das Haiti-Beben mit den dort gängigen Voodoo-Praktiken in Verbindung. Er wäre durch den Papst fast zum Bischof gemacht worden. Man könnte meinen, er habe sich seit damals nicht weiterentwickelt. Berüchtigt war schon seine Art der Hetze nach dem Hurikan Katrina:
"Der Hurrikan ‚Katrina‘ hat [...] nicht nur alle Nachtclubs und Bordelle vernichtet, sondern auch alle fünf (!) Abtreibungskliniken. [...] Wussten Sie, dass 2 Tage danach die Homo-Verbände im französischen Viertel eine Parade von 125.000 Homosexuellen geplant hatten? Wie erst so langsam bekannt wird, sind die amoralischen Zustände in dieser Stadt unbeschreiblich. [...] Ist die auffallende Häufung von Naturkatastrophen nur eine Folge der Umweltverschmutzung durch den Menschen, oder mehr noch die Folge einer ‚geistigen Umweltverschmutzung‘?"
Solche Leute bezahlen Katholiken also mit ihrer Kirchensteuer...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren