Teilen wird bei Facebook groß geschrieben, dafür sind die Internetnetzwerke schließlich da. Jedes neue Posting, jede Änderung des Status und sogar Mitteilungen darüber, dass ein Kontakt im allseits beliebten Spiel "Farmville" eine neue Sorte Düngemittel gefunden hat, wird den Netzwerk-Freunden als Nachricht serviert. Doch speziell in Deutschland geht das Teilen à la Facebook vielen Nutzern doch zu weit. Vor allem, weil das US-Netzwerk jetzt plant, die ohnehin laxen Datenschutzregeln weiter aufzuweichen. Künftig möchte Facebook die persönlichen Profildaten der Nutzer sogar automatisch an "überprüfte Partner-Webseiten" weitergeben.

Wie löchrig der Datenschutz gerade bei amerikanischen Netzwerken wie Facebook, My Space oder Linked In ist, hat gerade erst eine Untersuchung der Stiftung Warentest ergeben, die den Webseiten massive Datenschutzmängel attestiert. Die Netzwerkbetreiber schränken nach Angaben der Stiftung die Rechte der Nutzer einerseits stark ein. Andererseits genehmigen sie sich selbst weitreichende Rechte, vor allem bei der Datenweitergabe. Wofür die Daten genutzt werden, sei dabei für die Anwender nicht ersichtlich. Mehr noch: Bei Facebook treten die Nutzer die Rechte an ihren Inhalten – egal, ob es Bilder oder Texte sind – in weiten Teilen an den Betreiber ab: "Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest", heißt es beim US-Netzwerk.

Doch damit nicht genug. Nun will Facebook die Nutzerdaten auch an Dritte weiterreichen: "Um dir die Möglichkeit zu geben, auch außerhalb von Facebook nützliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen zu können, sind wir gelegentlich gezwungen, anderen überprüften Webseiten und Anwendungen, die sich auf die Facebook-Plattform stützen, allgemeine Daten über dich zur Verfügung zu stellen, wenn du diese besuchst (wenn du noch bei Facebook angemeldet bist)", heißt es in der Datenschutzrichtlinie.

Das Netzwerk hat unterdessen angekündigt, auf einer Info-Seite zu einem späteren Zeitpunkt mitzuteilen, um welche Seiten und Anwendungen es sich genau handeln wird. Noch sei man auf der Suche nach passenden, vertrauenswürdigen Seiten, teilte Facebook-Sprecher Barry Schnitt mit.

Wie bereits bei der letzten großen Datenschutzänderung besteht jedoch auch dieses Mal die Gefahr, dass viele der 400 Millionen Facebook-Mitglieder die Änderungen schlicht übersehen beziehungsweise die Hinweise einfach wegklicken. Und wer die Richtlinie nicht komplett liest, hat ohnehin schlechte Karten. Facebook räumt den Nutzern zwar das Recht ein, der Weitergabe zu widersprechen (Opt-Out-Regelung). Doch erst einmal stehen Profilangaben unter anderem zu Namen, Geschlecht und Profilbildern den Betreibern der Anwendungen oder verbundenen Webseiten zur Verfügung. Eine klare Absage an die Forderungen deutscher Datenschützer, dass nur solche Nutzerdaten weitergeben werden dürfen, die zuvor ausdrücklich von den Nutzern freigegeben wurden.

Durch die Datenweitergabe sollen die Anwendungen und Webseiten personalisiert Kontakt zu dem Facebook-Mitglied aufnehmen können. In Spielen wie Farmville und Fishville wird man derzeit noch dazu aufgefordert, seine E-Mail-Adresse freizugeben. Das wäre dann nicht mehr nötig. Um Werbung soll es jedenfalls nicht gehen, erklärte Facebook-Sprecher Schnitt vehement.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 01.04.2010)