Online-JournalismusDie Online-Frage

Was darf das ZDF im Internet? Im Rahmen des Drei-Stufen-Tests lädt der Sender Experten des Fernsehrates zur Konsultation. Von Joachim Huber von Joachim Huber

Mitarbeiter des ZDF vor ihren vielen Monitoren im Übertragungs-Wagen bei einer Sportveranstaltung

Mitarbeiter des ZDF vor ihren vielen Monitoren im Übertragungs-Wagen bei einer Sportveranstaltung  |  © Thomas Lohnes/AFP/Getty Images

Markus Schächter ist ein wohlsortierter, besonnener Fernsehmanager. Aber auch dem Intendanten des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) geht zuweilen der Draht aus der Mütze. Am Montag also echauffierte sich Schächter. "Ein Text-Verbot wäre eine Bilderstürmerei aus vergangenen Zeiten", sagte er bei der Experten-Konsultation des ZDF-Fernsehrates im Rahmen des Drei-Stufen-Testes. Der Test ist ein vom Rundfunkstaatsvertrag dekretiertes Verfahren (manche nennen es "bürokratisches Monster"), durch das die bestehenden Online-Angebote von ARD, ZDF und Deutschlandradio geprüft und bei Akzeptanz in den genehmigten Bestand überführt werden sollen.

Das Verfahren ist intensiv in seinen Stufen und extensiv, weil es Befürworter und Kritiker in den Entscheidungsprozess miteinbindet. Die "natürlichen Feinde" des öffentlich-rechtlichen Online-Schaffens sind die kommerziellen Fernsehveranstalter, organisiert im Verband Privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT). Die Zeitungsverleger (BDZV) und die Zeitschriftenverleger (VDZ) sind gleichermaßen angefragt und alarmiert, weil das Internet die Grenzen zwischen Text und Bild, Print und Fernsehen aufgehoben hat. Die Überschneidungen sind da, die gegenläufigen Interessen auch. Die Grundsatzfrage lautet: Wer bringt wen in Bedrängnis? Schärfer: Wer bringt wen ums Leben?

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Der Drei-Stufen-Test ist, so gesehen, der Versuch, den elektronischen Medien eine Zukunft in der Online-Welt zu sichern, zugleich die ökonomische wie publizistische Vielfalt der Medien in der Republik nicht zu gefährden – Planwirtschaft in der Marktwirtschaft. Die in die Pflicht genommenen Sender haben für etliche Gebührenmillionen Gutachter und Mitarbeiter angeheuert, damit die Fernseh- und Rundfunkräte die allfälligen Entscheidungen kundig und gewissenhaft treffen. Denn das ist neu am neuen Drei-Stufen-Test: Die Geschäftsleitungen können nur Bedürfnisse und Erwartungen formulieren, was die Anstalt dann online darf, das entscheiden die Gremien. Der ZDF-Fernsehrat muss am 25. Juni über Struktur und Gehalt der Angebote wie ZDF.de, heute.de oder kika.de befinden.

Die Experten-Konsultation am Montag im ZDF-Hauptstadtstudio spricht in seiner presseöffentlichen Transparenz für das Selbstbewusstsein dieses Gremiums. Wer die Debatte um den Test schon länger verfolgt, der musste bei der Tagung Unter den Linden zunächst feststellen, dass die Argumente beider Seiten nicht unbedingt mehr geworden sind. VDZ-Vertreter Christoph Fiedler erneuerte die Position, dass alle ZDF-Onlineauftritte trennungsscharf die Eigenheiten des Lesemediums Zeitschrift und des Bildmediums Fernsehen beachten. "Es darf keine gebührenfinanzierten Artikel geben." Natürlich brauche beispielsweise ein zdf.de Textbeiträge, jedoch dürften sie nur sendungsbezogen sein und niemals den Charakter einer elektronischen Zeitung imitieren.

Leserkommentare
  1. die ör sind zum Oma-Programm verkommen und verhindern gleichzeitig den Wettbewerb, in dem sie ihr Fernsehprogramm immer noch ausdehnen. Und sie kassieren jedes Jahr höhere Gebühren. Wenn sie ihr Programm an anderer Stelle zurückfahren würden, hätten sie mehr Geld und mehr Rechte fürs Netz und damit die Chance, mehr junge Leute zu erreichen. Stattdessen sind sie überall eine schlechte Kopie der Privaten, nur das die Privaten wesentlich günstiger sind.

    • Klaue
    • 20. April 2010 20:15 Uhr

    Vor einem Jahr schrieb ich in meinem Blog:
    „Gestern kam im ZDF, wie allzuoft wenn es um wichtige Themen geht, zu später Abendstunde eine Dokumentation mit dem Namen „Der gläserne Deutsche“. Inhaltlich sehr interessant und überaus verbreitenswert, doch leider sah Deutschland nicht zu. “Der gläserne Kunde von heute – was man über sie und ihren Nachbarn so alles weiß” war der Slogan einer Infoveranstaltung der Deutschen Post, mit der sie ihre Datensammlung anpries. Die Deutsche Post handelt mit Datensätzen, die sie durch Informationen u.a. von Neckermann und Quelle anreichert und vervollständigt. Leider hat das ZDF tagsüber keinen Sendeplatz frei, denn da laufen bereits Sendungen wie: „Die Küchenschlacht“, „Tierische Kumpel“ oder „Alisa – Folge deinem Herzen“, die soviel Informationsgehalt haben, wie eine tote Annas.“

    Das Programm heute ist übrigens nicht besser:
    - ZDF-Morgenmagazin
    - heute
    - Volle Kanne - Service täglich
    - Hanna - Folge deinem Herzen
    - Reich und schön(Folge 2478)
    - Reich und schön(Folge 2479)
    ….

    http://tinyurl.com/y2dzkfq

    Da die ÖR gebürenfinanziert sind sollten sie möglichst viele Inhalte im Internet zum Download anbieten (z.B. unter einer Creative Commons-Lizenz). Um die Last, und damit die Kosten gering zu halten, könnte man die Beiträge ausschließlich per Bit-Torrent anbieten.

    Unterm strich würden alle Gewinnen, die ÖR wären endlich in der Neuzeit angekommen und die Nutzer müsste nicht dauern interessanten Beiträgen hinterher häscheln.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die angesprochene Dokumentation gibt es immer noch in der ZDF Mediathek (http://www.zdf.de/ZDFmedi...), wo sie jeder ansehen kann, ganz unabhängig davon, zu welcher Uhrzeit sie im Fernsehen lief.
    Das ist gerade für solche Sendungen, die nicht unbedingt die breite Masse erreichen, doch super.

    Ich denke, das ZDF hätte auch kein Problem damit, diese Sendungen zum Download anzubieten, das darf es aber nicht. Das ist, genau wie die kurze Verweildauer einiger Sendungen in den Mediatheken, eine politische Entscheidung.

    • Schaps
    • 20. April 2010 20:37 Uhr

    Dass die Privaten gegen alles sind was öffentlich-rechtlich ist, das hat nichts damit zu tun dass der Wettbewerb verzerrt wird. Die jammern doch nur bei jeder Gelegenheit herum und würden am liebsten selbst Geld durch Gebühren bekommen. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen Sendeauftrag und sollen Informationen für jeden bereitstellen. Was macht es für einen Sinn, sie online so zu beschränken? Wenn es die öffentlich-rechtlichen Sender nicht geben würde, würden die Privaten über andere Dinge jammern. Sie wollen doch nur darüber hinwegtäuschen, dass sie absolut nicht in der Lage sind ein Programm zu bieten, dass die Kriterien einer umfassenden Information der Zuschauer bewerkstelligen würde. Man muss sich doch nur einmal ihr Programm anschauen. Importierte Serien und schlechte Realtiysoaps. Die öffentlich-rechtlichen Sender sind zwar auch nicht perfekt, aber um einiges besser als die Privaten.

    • eklipz
    • 20. April 2010 20:53 Uhr

    Die Einnahme der Gebühren ist gegenüber den Werbegewinnen der privaten Sender-KONZERNEN lächerlich gering.

    Und wer an der Qualität der ÖR rummeckert - ARD & ZDF bemühen sich zumindest halbwegs, die breite Masse anzusprechen. Nicht nur was für Oma und Opa, sondern auch eine ganze Bandbreite an Magazinen wie eben Frontal 21, Report Mainz oder ttt. Und wer sich beschwert, dass diese spät abends ausgestrahlt werden, sollte sich fragen, wer denn bitte tagsüber zu Hause ist. Eben, Renter und - leider - Arbeitslose. SIE sind tagsüber arbeiten - also demnächst Hart aber Fair um 14 Uhr als Konkurrenz zu Zwei bei Kallwass?

    • Medley
    • 20. April 2010 20:59 Uhr

    "Die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen Sendeauftrag und sollen Informationen für jeden bereitstellen."

    Und was wenn nicht "jeder", sondern nur "wenige", wenn nur eine Minderheit die Programme der ÖR sehen will, aber trotzdem jeder dafür bezahlen muss?

    Stellen sie sich vor, sie müssten jeden Monat für ein Abonnement der Bild-Zeitung Geld an den Springerverlag überweisen, obwohl sie die Zeitung garnicht lesen(wollen). Da würden sie sich mutmaßlich mächtig über aufregen, oder nicht?! Komisch, aber bei den ör TV- und Hörfungangeboten wird genau das von diesen Sendeanstalten von uns erwartet; nämlich auch das zu bezahlen was wir garnicht konsumieren(wollen). Macht sie das nicht nachdenklich?!

    • Medley
    • 20. April 2010 21:12 Uhr

    "Sie wollen doch nur darüber hinwegtäuschen, dass sie absolut nicht in der Lage sind ein Programm zu bieten, dass die Kriterien einer umfassenden Information der Zuschauer bewerkstelligen würde....Importierte Serien und schlechte Realtiysoaps."

    Mal eine Frage, wenn sie in einer Straße ein Restaurant eröffnen wollten, würden sie dann in ihrer Lokalität chinesisches Essen anbieten, wenn genau gegenüber schon ein etabliertes Chinarestaurant vorhanden ist? Würden sie sich so einer Konkurenzsituation freiwillig ausetzen, wenn sie nicht auch die Alternative hätten griechisches, italienisches, türisches, oder deutsche Kost anzubieten. Genau das aber machen die privaten. Sie konzentrieren sich auf die Jugend, während die ÖR die "reiferen" Jahrgänge anspricht.

    Schauen sie sich doch mal den Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt an. Da gibt es auch keine ör. Anbieter und trotzdem ist das Angebot hochdifferenziert. Sie können an jedem Kiosk aus einer Vielzahl von Schwerpunkten und Niveaus wählen. Von ganz trashing("Bild-Zeitung, Super Illu, Praline) bis sehr anspruchsvoll(Zeit, Spiegel, FAZ, Cicero, usw., usf.). Warum also sollte das dann in Zukunft nicht auch im Fernsehen oder im Radio, auch ganz ohne ör-Anbieter möglich sein?!

  2. Ehrlich gesagt ist es mir völlig egal, was ARD und ZDF machen. Ob im TV oder im Netz, das Angebot geht komplett an mir und ich denke auch an meiner Altersgruppe der 20 bis 30-jährigen vorbei.

    Aber ich kriege bei solchen Sätzen einfach nur das Kotzen:
    "Die Zeitungsverleger (BDZV) und die Zeitschriftenverleger (VDZ) sind gleichermaßen angefragt und alarmiert, weil das Internet die Grenzen zwischen Text und Bild, Print und Fernsehen aufgehoben hat."

    Das Internet ist ja sooo böse. Ich kann es nicht mehr hören. Wann sehen in Deutschland endlich mal einige Leute ein, dass man einfach einige Jahre der Internet-Entwicklung schlicht verschlafen hat? Politiker und Zeitungen (Print) sind nur zwei Beispiele für solche 'Experten'.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
  • Schlagworte ZDF | Apps | Internet | Privatfernsehen | Europa
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