Markus Schächter ist ein wohlsortierter, besonnener Fernsehmanager. Aber auch dem Intendanten des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) geht zuweilen der Draht aus der Mütze. Am Montag also echauffierte sich Schächter. "Ein Text-Verbot wäre eine Bilderstürmerei aus vergangenen Zeiten", sagte er bei der Experten-Konsultation des ZDF-Fernsehrates im Rahmen des Drei-Stufen-Testes. Der Test ist ein vom Rundfunkstaatsvertrag dekretiertes Verfahren (manche nennen es "bürokratisches Monster"), durch das die bestehenden Online-Angebote von ARD, ZDF und Deutschlandradio geprüft und bei Akzeptanz in den genehmigten Bestand überführt werden sollen.

Das Verfahren ist intensiv in seinen Stufen und extensiv, weil es Befürworter und Kritiker in den Entscheidungsprozess miteinbindet. Die "natürlichen Feinde" des öffentlich-rechtlichen Online-Schaffens sind die kommerziellen Fernsehveranstalter, organisiert im Verband Privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT). Die Zeitungsverleger (BDZV) und die Zeitschriftenverleger (VDZ) sind gleichermaßen angefragt und alarmiert, weil das Internet die Grenzen zwischen Text und Bild, Print und Fernsehen aufgehoben hat. Die Überschneidungen sind da, die gegenläufigen Interessen auch. Die Grundsatzfrage lautet: Wer bringt wen in Bedrängnis? Schärfer: Wer bringt wen ums Leben?

Der Drei-Stufen-Test ist, so gesehen, der Versuch, den elektronischen Medien eine Zukunft in der Online-Welt zu sichern, zugleich die ökonomische wie publizistische Vielfalt der Medien in der Republik nicht zu gefährden – Planwirtschaft in der Marktwirtschaft. Die in die Pflicht genommenen Sender haben für etliche Gebührenmillionen Gutachter und Mitarbeiter angeheuert, damit die Fernseh- und Rundfunkräte die allfälligen Entscheidungen kundig und gewissenhaft treffen. Denn das ist neu am neuen Drei-Stufen-Test: Die Geschäftsleitungen können nur Bedürfnisse und Erwartungen formulieren, was die Anstalt dann online darf, das entscheiden die Gremien. Der ZDF-Fernsehrat muss am 25. Juni über Struktur und Gehalt der Angebote wie ZDF.de, heute.de oder kika.de befinden.

Die Experten-Konsultation am Montag im ZDF-Hauptstadtstudio spricht in seiner presseöffentlichen Transparenz für das Selbstbewusstsein dieses Gremiums. Wer die Debatte um den Test schon länger verfolgt, der musste bei der Tagung Unter den Linden zunächst feststellen, dass die Argumente beider Seiten nicht unbedingt mehr geworden sind. VDZ-Vertreter Christoph Fiedler erneuerte die Position, dass alle ZDF-Onlineauftritte trennungsscharf die Eigenheiten des Lesemediums Zeitschrift und des Bildmediums Fernsehen beachten. "Es darf keine gebührenfinanzierten Artikel geben." Natürlich brauche beispielsweise ein zdf.de Textbeiträge, jedoch dürften sie nur sendungsbezogen sein und niemals den Charakter einer elektronischen Zeitung imitieren.