In Afghanistan wird mehr Opium gewonnen als in jedem anderen Land der Welt . Offenbar ist das produzierte Rauschgift aber nicht nur für den Export bestimmt: Wie aus einer in Kabul vorgestellten UN-Studie hervorgeht, ist der Drogenkonsum unter den Afghanen stark angestiegen. Demnach wuchs in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Opium-Konsumenten um 53 Prozent auf 230.000. Die Zahl der Heroin-Konsumenten nahm auf 120.000 zu, das ist mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren.

Auch Cannabis sowie Schmerz- und Beruhigungsmittel würden als "Selbstmedikation gegen die Härten des Lebens" eingesetzt, sagte der Chef des UN-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (UNODC), Antonio Maria Costa. "Nach drei Jahrzehnten des Kriegstraumas haben die grenzenlose Verfügbarkeit billiger Drogen und der beschränkte Zugang zu Behandlungsmethoden zu einem großen und wachsenden Abhängigkeitsproblem in Afghanistan geführt." Insgesamt sei etwa eine Million der 15- bis 64-jährigen Afghanen drogenabhängig. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von acht Prozent – doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt.

Lediglich zehn Prozent der für die Studie befragten Drogenkonsumenten haben bislang eine Therapie erhalten. 90 Prozent gaben dagegen an, eine Behandlung zu benötigen.

Der Studie zufolge könnte die Zahl der Drogenabhängigen weiter zunehmen, da Opium häufig auch Kinder erhielten: Etwa 50 Prozent der drogenabhängigen Eltern tun dies.