Das ZEITmagazin hat Jugenliche gebeten, ihre Gedanken zur NS-Geschichte aufzuzschreiben und ihre Erfahrungen und Gefühle zu schildern. Die Einsendungen fügen sich zu einem vielschichtigen, widersprüchlichen Bild: Erschrocken und widerwillig, anteilnehmend und genevt, neugierig und machmal klüger als ihre Lehrer blicken die Schülerinnen und Schüler, die geantwortet haben, auf die Geschichte:

"Ich sitze gerade in einem polnischen Internet-Café. … Gestern war ich mit meiner Familie in Auschwitz/Birkenau, dem größten Konzentrationslager. Es hat mich geschockt zu sehen, was Juden im Dritten Reich alles erleben mussten. Kinder mussten sehen wie ihre Eltern durch Genickschüsse getötet wurden, es war und bleibt grauenhaft. … Ich weiß jetzt, wie gut ich es eigentlich habe, und dass ich mich eigentlich für mein Land schämen sollte, auch wenn ich nichts dafür kann."
Jonas Kollmann, 8. Klasse

"Gedenken und das Erinnern an die Opfer der Nationalsozialisten und an deren Verbrechen sind wichtig, doch muss man zwischen dem damaligen Deutschland und dem heutigen differenzieren. Oftmals scheint es, als ob man sich als Deutscher ducken muss, wenn bestimmte Tabuthemen angesprochen werden. … Selbstverständlich muss die Gedenkarbeit fortgesetzt werden, und dies ist auch gut so, doch der Blickwinkel und die Perspektive der Betrachtung müssen andere werden. … Die Erinnerung darf nicht einem stets mahnenden Vorhalten oder Anprangern gleichen."
Louis Kapp, 12. Klasse

"Ich als deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund spüre und höre heute noch vom tiefen Hass und der radikalen Feindlichkeit gegenüber Migranten. … Ich finde es abscheulich und schrecklich was in der damaligen Zeit vor sich ging, und die Menschen blauäugig vieles nicht gesehen haben wollen. Heute blicke ich mit Skepsis auf die Politik und die Aussagen mancher Politiker. Ich habe Angst, dass nach einer gewissen Zeit die Menschen den Schmerz und die Fehler vergessen werden und diese schlimmen Fehler sogar wiederholen."
Enes Altunbas, keine Altersangabe

"Es kann allerdings nicht sein, dass das heutige Deutschland die Schuld trägt und als 'Wiedergutmachung' mehrere Millionen Euro an Überlebende zahlt und beispielsweise die Gesamtkosten für Austauschprogramme zur Prägung der internationalen Freundschaft trägt. Ich will hiermit nicht sagen, dass ich gegen solche Programme bin, ganz im Gegenteil, ich habe selbst an einem Austauschprogramm mit israelischen Jugendlichen teilgenommen, während dem ich Erfahrungen gemacht habe, an die ich mich immer zurück erinnern werde. Ich finde es allerdings nicht in Ordnung, dass eine Generation diese Kosten durch Steuern trägt, die nicht mehr im Geringsten an dieser Epoche beteiligt war."
Mara Schmidt, 17 Jahre