Gottesdienstbesucher im Augsburger Dom © Stefan Puchner / dpa

Der Missbrauchskandal in der katholischen Kirche in Deutschland hat in diesem Jahr eine Welle von Austritten ausgelöst. Wie eine Umfrage im Auftrag der Frankfurter Rundschau in mehreren Bistümern ergab, wendeten sich besonders in den Diözesen Augsburg, Rottenburg-Stuttgart und Trier viele Katholiken von ihrer Kirche ab. Besonders stark sei der Anstieg der Austritte auf dem Höhepunkt des Missbrauchskandals in den Monaten März bis Mai ausgefallen.

Die Austrittswelle betrifft vor allem die süddeutschen Bistümer. Bis Mitte Dezember hat sich in Augsburg im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Austritte von 6953 auf 11.351 erhöht, in Rottenburg-Stuttgart von 10.619 auf 17.169 und in Trier von 4583 auf 7029. Allerdings zeigt sich auch in allen anderen von der Zeitung angefragten Bistümern eine negative Tendenz. So verzeichneten die Diözesen Würzburg, Berlin und Hamburg im Vergleich zu 2009 mehr Kirchenaustritte. Offizielle Zahlen legen die Bistümer erst in einigen Monaten vor.

Die katholische Kirche sucht weiterhin nach Wegen aus dem Missbrauchs-Sumpf. Auch der inzwischen etwas offenere Umgang mit Missbrauchsfällen in der Kirche konnte die Zahl der Austritte noch nicht bremsen.

"Das zu Ende gehende Jahr 2010 ist für die Kirche zu einem Jahr der Buße geworden", sagte der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx. Die bekanntgewordenen Fälle sexuellen Missbrauchs und körperlicher Gewalt hätten einen großen Schock ausgelöst. "Für mich waren es die sicher schlimmsten Monate meines Lebens. Meine Empfindungen waren Scham, Trauer und Betroffenheit", sagte Marx.

Man wolle den Opfern Gerechtigkeit widerfahren lassen und ihr Leid anerkennen, aber auch aus den Fehlern der Vergangenheit die nötigen Konsequenzen ziehen. "Wir bitten als Kirche um Vergebung für das, was Mitarbeiter der Kirche getan haben."