Das Prostitutionsgesetz von 2002 sollte für Prostituierte ähnlich transparente und gesicherte Arbeitsbedingungen schaffen, wie sie für Angestellte in anderen Berufen gelten. Die Sittenwidrigkeit wurde abgeschafft, Prostituierte wurden eine staatlich anerkannte Berufsgruppe. Viele hofften, dass sie so mehr gesellschaftliche Anerkennung erfahren würden.

Skeptiker wandten ein, mit dem Gesetz würden mehr Menschen in die Prostitution getrieben als zuvor. Sie argumentierten, viele Prostituierte ergriffen diesen Beruf nicht freiwillig, sondern aufgrund ökonomischer Zwänge. Dazu sagt Simone Kellerhoff, Beraterin für Sexarbeiterinnen bei der Hydra e.V. : "Der größere Teil der Frauen arbeitet selbstbestimmt in der Prostitution. Ich sage nicht freiwillig, sondern selbstbestimmt. Vielleicht auch aus ökonomischen Zwängen heraus, aber nicht dem Klischee der verschleppten Frau entsprechend."

Eine erste empirische Bewertung des Prostitutionsgesetzes zeigt 2007 allerdings, dass nur sehr wenige Prostituierte einen Arbeitsvertrag abschließen oder ihren Beruf bei Behörden und Versicherungen angeben. Arbeitgeber in der Branche hätten Schwierigkeiten, einen Vertrag auszustellen, ohne sich gleich der Förderung von Prostitution oder Zuhälterei verdächtig zu machen, sagt Simone Kellerhoff.

Hinzu kommt, dass für offiziell verdientes Einkommen auch Steuern abgeführt werden müssen.

Neun Jahre nach dem Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes hat sich scheinbar wenig an der gesellschaftlichen Anerkennung und der arbeitsrechtlichen Situation von Sexarbeiterinnen geändert. Im Video sagt die Eskortdame Annika, dass sie auch heute nicht offen über ihre Tätigkeit sprechen kann: "Ich muss bei jedem, den ich kennenlerne, überlegen, ob ich es ihm sage oder nicht."

Was steht der gesellschaftlichen Anerkennung der Prostitution als Beruf im Weg? Und wie berechtigt sind die Einwände, dass die Abschaffung der Sittenwidrigkeit zu mehr unfreiwilliger Prostitution führt?

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