In Deutschland können etwa 7,5 Millionen Erwachsene keine einfachen Texte lesen oder schreiben. Damit zählten mehr als 14 Prozent der Erwerbsfähigen zu den sogenannten funktionalen Analphabeten, heißt es in einer Studie der Universität Hamburg. Diese können nur einzelne Sätze, nicht aber zusammenhängende Texte lesen und schreiben.

Damit sind hierzulande doppelt so viel Menschen vom funktionalen Analphabetismus betroffen als bislang gedacht. Zwei Millionen von ihnen scheitern der Studie zufolge schon an Sätzen, 300.000 Menschen sogar an einzelnen Wörtern. Analphabetismus im engeren Sinne zeigt sich damit bei etwa vier Prozent der Bevölkerung.

Die Hamburger Professorin Anke Grotlüschen hatte für die Studie mehr als 8000 Erwachsene befragt. Damit lägen nun erstmals umfassende Zahlen über den Analphabetismus vor, sagte die Wissenschaftlerin. Bisher gingen Schätzungen von etwa vier Millionen Menschen mit funktionalem Analphabetismus aus. 60 Prozent sind Männer, 40 Prozent Frauen. Menschen mit höherer Bildung stellen 12 Prozent der funktionalen Analphabeten.

Bildungsministerin Anette Schavan (CDU), die die Studie in Berlin vorstellte, zeigte sich alarmiert: "Es gibt Analphabetismus in Deutschland in einer Größenordnung, die nicht mehr eine Nische darstellt." Sie kündigte ein gemeinsam mit Ländern, Unternehmen, Gewerkschaften und Volkshochschulen geschnürtes Bildungspaket an. "Wir brauchen eine nationale Kraftanstrengung", sagte Schavan. Zudem stelle sich die Frage, wie man verhindern könne, "dass Techniken und Kenntnisse, die bereits erworben wurden, wieder verloren gehen".

Schavans Ministerium will nun ein Programm zur Alphabetisierung und Bildung am Arbeitsplatz starten und dafür bis 2014 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen.